Der Landbau war hoch entwickelt. Man verwendete den Guano als Dünger, legte die Felder an den Berggehängen terrassenartig an und bewässerte sie künstlich durch Herbeileitung der Gebirgsbäche. Man baute Quinoahirse und Mais, Kartoffeln, Bananen und Agaven. Das Blatt des Cocastrauches wurde, zur Anregung der Nerventhätigkeit, gekaut, Tabak wurde nur geschnupft, nicht geraucht und diente als Heilmittel. Der Baumwollenbau wurde namentlich in den warmen Thälern betrieben.

Altperuanisches Gobelingewebe aus dem Todtenfelde von Ancon.

Das Ornament des Gewebes, aus dessen ganzer Fläche das hier abgebildete Stück herausgenommen ist, zeichnet in energisch stilisirender Weise einen mit hohem Schmucke versehenen menschlichen Kopf. Der Grund des Gewebes ist ein gesättigtes Roth. Das Gesicht ist in der Ansicht von vorn gezeichnet und in blaßrother Farbe ausgeführt; es wird von einer grün und gelb gemusterten Borte umgeben, erst außerhalb derselben stehen die großen Ohren. Die mützenartige Kopfbedeckung ist von einer blau grundirten Borte umsäumt; über derselben erhebt sich der schirmartige bunte Kopfschmuck mit sehr mannigfaltig gemusterten Borten. Die Innenseite der Kopfbedeckung ist in quadratische Felder getheilt, auf deren dunklem Grund kleine stilisirte Vögel gezeichnet sind. — Neben dem Gesichte in der rothen Grundfläche verbliebene kleinere Räume enthalten kleinere menschliche Figuren und andere Ornamente. — Dieses Gewebe ist eins der beachtenswerthesten aller in Ancon ausgegrabenen: es zeichnet sich durch eine gewisse Großartigkeit und einheitlichen Charakter der Ornamentirung aus und ist auch in allen Details sorgfältig und fein ausgeführt. — Die Kette besteht aus starken Baumwollenfäden, der Durchschlag aus feinster Wolle.

Die Gewerbthätigkeit lieferte beachtenswerthe Erzeugnisse. Ohne das Eisen zu kennen — denn die Werkzeuge waren aus Kupfer, Bronze oder Stein — verstand man doch vorzügliche Metallarbeiten herzustellen, lieferte lebensgroße Figuren aus Gold, Spiegel von polirtem Metall, selbst Brennspiegel; die in den schönsten Mustern ausgeführten Gewebe bekunden den ausgebildeten Farbensinn. Daß man sich sogar auf eine Art Gobelinweberei verstand, haben die Ausgrabungen von Stübel und Reiß auf dem Todtenfelde von Ancon, an der Küste nördlich von Lima, bewiesen.[435]

Sculptur am Inkathor bei Cuzco.

Der Hausbau richtete sich nach der Verschiedenartigkeit des Klimas. Im regenlosen Littoral baute man mit Luftziegeln (Adoba) und setzte auf die Mauern ein flaches Dach. Im Gebirge bestand die Wohnung aus Steinwand mit Strohdach. Licht fiel nur durch die Thür in den innern Raum; die Gebäude waren in der Regel nur ein Stockwerk hoch. Größere Ortschaften und Städte waren von mehreren Mauern umgeben, deren Thore nachts geschlossen wurden. Die große Festung Sacsahuaman, welche älteren Bauwerken von Tiahuanaco nachgebildet zu sein scheint, war von drei, winkelartig vorspringenden, cyklopischen Mauern umschlossen. Die Prachtbauten zeigen einen ernsten, einförmigen Stil, dem der Schmuck der Säulen fehlt. Der Drang nach bildnerischem Schaffen fand nur in strengen Formen typischer Reliefs einen rohen Ausdruck.