Sculptur am Inkathor bei Cuzco.

Weit wichtiger müssen die gewaltigen Wasserleitungen und großartigen Kunststraßen gelten, die das ganze Reich der Länge nach durchzogen und nach der Hauptstadt zusammenliefen. Die längste dieser Straßen von Cuzco nach Quito und Pastos, in grader Linie eine Entfernung von 225 Meilen, war 15 bis 25 Fuß breit, war mit behauenen Quadern gepflastert und zum Theil von Baumreihen beschattet. Dabei waren Schluchten ausgefüllt, Felsen weggesprengt und lange Treppenfluchten angelegt. Denn da Wagen nicht im Gebrauch waren, und Lamas allein zum Lasttragen verwendet wurden, bildeten solche Treppen für den Verkehr keine Schwierigkeit, während die spanische Reiterei dieselben nur mit Mühe überwand. Die Bergströme und Schluchten wurden auf steinernen und hölzernen oder auf Seilbrücken überschritten. Meilensteine gaben oft die Entfernungen in gleichen Abständen an. Alle drei oder vier Meilen waren Herbergen (Tambos) für die Unterkunft der Inkas und ihres Gefolges errichtet. Sarmiento, der die Inkastraßen noch in ihrer ganzen Erhaltung sah, bemerkt, Kaiser Karl würde mit aller seiner Macht nicht einen Theil dessen schaffen, was das wohl eingerichtete Regiment der Inkas über die gehorchenden Stämme vermochte. Hernando Pizarro, der gebildetste der drei Brüder, ruft aus: „In der ganzen Christenheit sind so herrliche Wege nirgends zu sehen.“ Und Alexander von Humboldt setzt hinzu: „Was ich von römischen Kunststraßen in Italien, dem südlichen Frankreich und Spanien gesehen, war nicht imposanter als diese Werke der alten Peruaner; dazu finden sich letztere nach meinen Barometermessungen in der Höhe von 12440 Fuß.“[436] Auf diesen Straßen besorgten Schnellläufer (Chasquis), ähnlich wie in Mexiko, den Postdienst und setzten den Inka von allen Vorfällen in seinem weiten Reiche auf das schleunigste in Kenntniß.

Eine Schrift besaß das Volk nicht; aber einen Ersatz dafür hatte man in den „Quipos“ (d. h. Knoten) gefunden, welche aus künstlich verschlungenen und verknüpften Schnurenbündeln aus gedrehter Wolle von verschiedener Farbe bestanden, sich in Haupt- und Nebenstränge gliederten und in mannigfachster Weise verknotet waren, so daß diese Quipo-Bündel das Gewicht eines halben Centner erreichen konnten. Die Stärke und Länge der Schnüre, die Weise der Verknüpfung, die Zusammensetzung der Farben erhielten einen conventionellen Sinn und Bedeutung. Weiß bedeutete Frieden oder Silber, Roth den Krieg oder Soldaten, Gelb entsprach dem Gold, Grün dem Mais. So konnte man aus den Quipos Tributregister (ähnlich den noch in türkischen Ländern üblichen Kerbhölzern) oder Soldatenlisten u. s. w. ablesen.


Altperuanische Geräthschaften aus dem Todtenfelde zu Ancon.

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GRÖSSERE BILDANSICHT]

Ausschnitte aus der obenstehenden Abbildung: