Aus dem Wappen von Johann Segker. Verkleinertes Facsimile eines Holzschnittes aus Albrecht Dürers Schule.

Magalhães steuerte über Teneriffa nach den Capverden, um von hier aus nach der Küste Brasiliens hinüberzugehen. Daß er sich anfangs ganz in der Nähe der afrikanischen Küste hielt, veranlaßte bereits Differenzen mit seinen Capitänen, von denen besonders Cartagena als zweiter Befehlshaber (veedor general de la armada) den Anspruch erhob, bei der einzuschlagenden Coursrichtung um seine Meinung gefragt zu werden. Magalhães wies ihn gebührend zurück, indem er sich darauf berief, daß nach dem Willen des Königs er selbst allein den Oberbefehl führe und alle ohne Ausnahme ihm zu gehorchen hätten. In den Windstillen an der Küste von Guinea begrüßte ihn dann Cartagena mit dem einfachen Titel „Capitän“, wogegen Magalhães die Anrede „Generalcapitän“ verlangte. Cartagena gab darauf eine verletzende Antwort und grüßte die folgenden drei Tage gar nicht. Versteckte Angriffe auf seine Autorität duldete Magalhães nicht, er berief die Capitäne zusammen, ließ Cartagena verhaften und absetzen und ernannte an seiner Stelle den Antonio de Coca zum Befehlshaber des Schiffes.[468] Dann ging das Geschwader unter veränderlichen und widrigen Winden nach dem Cap Augustin hinüber und segelte an der brasilianischen Küste bis zur Bucht von Rio de Janeiro, wo es vom 13. bis 26. December blieb, um Lebensmittel einzutauschen und Wasser einzunehmen, zugleich aber auch um die innere Bucht genau zu untersuchen, ob nicht hier schon sich eine Straße nach dem westlichen Meere öffne. Als man sich überzeugt hatte, daß bei Rio kein Durchgang existire, steuerte man an der Küste weiter und erreichte am 10. Januar 1520 bei Cap Sa. Maria das Aestuar des Laplatastroms. Ein Hügel an der Küste, der die Gestalt eines Hutes hatte, erhielt den Namen Monte Vidi (Montevideo).[469] Daß Dias de Solis bis hieher vorgedrungen, war bekannt; aber die weite Bucht des Laplata gab wieder die Möglichkeit, eine Straße zu finden. Das Schiff Santiago wurde abgeschickt die Bai zu untersuchen, während die übrigen Fahrzeuge vor Anker gingen, kehrte aber nach 15 Tagen mit der Nachricht zurück, daß zwar mehrere große Ströme einmündeten, aber eine Straße nicht vorhanden sei. So brach denn die Flotille in den ersten Tagen des Februar nach dem noch völlig unbekannten Süden auf. Die niedrige patagonische Küstenterrasse bildet auf der Ostseite mehrere bedeutende Einbuchtungen, wie den Golf von S. Matias oder S. Antonio, und den Golf S. Jorge, hinter denen man einen Eingang in die gesuchte Straße vermuthen konnte. Es war also nöthig, mit steter Wachsamkeit den Verlauf des Gestades zu prüfen und allen Bewegungen der Küstenlinie nachzugehen, um die Passage, welche ganz versteckt liegen sollte, nicht zu übersehen. Dadurch verlor Magalhães noch die letzten Wochen des scheidenden antarktischen Sommers und sah sich schließlich genöthigt, an der südlichen patagonischen Küste zu überwintern.

Vom Laplata aus berührte Magalhães zunächst das Cap S. Antonio, dann die Klippen am Cap Corrientes (38° s. Br.), verlor im Unwetter das Land mehrere Tage aus dem Gesicht, suchte dann einen ganzen Tag lang in der Bai San Matias, bis er sich von allen Seiten von Land umschlossen sah, ging, abwechselnd mit Sturm und Strömung kämpfend, weiter, mußte sich mehreremal in geschütztere Buchten hineinflüchten, von denen die eine den Namen die Bai der Mühseligkeit (bahia de los trabalhos) erhielt[470] und erreichte endlich am 31. März den Julianshafen (Puerto San Julian), wo er unter 49° 15′ s. Br. in trauriger, öder Umgebung eine leidliche Zuflucht für den Winter fand und den Anbruch der günstigern Jahreszeit abzuwarten beschloß. Aber sein Beschluß, Hütten am Lande zu errichten und die Rationen zu kürzen, um die Schiffsvorräthe zu schonen, rief unter den Capitänen und der Mannschaft lebhaften Widerspruch hervor. Sie forderten ihn auf, umzukehren und sie nicht bei seiner vergeblichen Jagd nach einem Phantom alle in den Tod zu führen, sie seien bereits weiter vorgedrungen, als irgend ein Spanier. Magalhães dagegen bezeichnete es als die größte Schande, umzukehren, ehe sie die Straße oder das Ende des Landes aufgefunden hätten. Die kalte Jahreszeit werde rasch vorübergehen, und dem gefürchteten Hunger werde man leicht durch die Erträgnisse der Jagd und des Fischfanges begegnen. Mit eigenthümlicher List erklärte er, er müsse wenigstens so weit kommen, wie schon Amerigo Vespucci gekommen sei, und würde erst umkehren, wenn er bis zum 75. Grade keine Straße gefunden hätte. Ueber das fortgesetzte Seufzen und Klagen wurde er schließlich so zornig, daß er einige Rädelsführer festnehmen und strafen ließ. Darüber entstanden Unruhen und man rief: „Dieser Portugiese überliefert uns dem Verderben, um sich mit seinem Könige wieder aussöhnen zu können.“[471] Magalhães berief sich auf den Befehl des Kaisers. Bis jetzt hätten sie noch nichts Großes geleistet, was ihre Umkehr nur irgend wie entschuldigen könne. Die Portugiesen führen alle Jahre so weit nach Süden, wenn sie das Cap der guten Hoffnung umsegelten.[472] Trotz alledem wurde die Mannschaft nicht beruhigt und die offene Empörung brach alsbald aus. In der Nacht vom ersten April drangen Juan de Cartagena, welcher an der Spitze der Verschwörung stand und von Capitän Quesada freigegeben war, mit diesem und einer Anzahl bewaffneter Meuterer in das Schiff des dem Generalcapitän getreuen Mezquita und legten ihm Fesseln an. Der Master und Contremaster desselben Schiffes, des San Antonio, ergriffen aber für ihren gefangen gesetzten Capitän Partei. Sofort stach Quesada den Master Hurriaga (Elloriaga), einen Basken, nieder und ließ den Contremaster in Ketten werfen und nach der Concepcion als Gefangenen abführen. Da auch Luis de Mendoza auf der Victoria zu den Verschwornen zählte, so besaßen diese am andern Morgen drei Schiffe, während dem Magalhães außer seinem Schiffe nur der Santiago treu blieb. Die Meuterer hatten die Uebermacht und nahmen danach eine herausfordernde Stellung ein; den verrätherischen Ueberfall erklärten sie als einen Akt der Nothwehr gegen die fortgesetzt erduldeten Mishandlungen von Seiten des Oberbefehlhabers. Sie würden ihm alle Ehre erweisen, wenn er thue, was der Dienst Sr. Majestät verlange. Magalhães forderte sie auf, zu ihm auf sein Schiff zu kommen, dort werde er ihre Klagen anhören und nach Recht verfahren. Dagegen ließen sie ihm wieder sagen, sie trauten ihm nicht, er möge zu ihnen kommen, sie seien sämmtlich auf dem S. Antonio vereinigt. Magalhães benutzte das an ihn abgesandte Boot, um auf demselben den Alguacil Espinosa mit fünf oder sechs Mann heimlich an Mendoza, den Capitän der Victoria, abzufertigen und ihn scheinbar zu einer Unterredung auf dem Hauptschiffe aufzufordern, während er in Wahrheit den Auftrag gab, den abtrünnigen Capitän unschädlich zu machen. Espinosa führte die Weisung pünktlich aus, er fand während der Unterredung mit Mendoza Gelegenheit, denselben mit einem Dolchstich in den Hals zu tödten, worauf das Schiff, nachdem auch Duarte Barbosa noch mit 15 Bewaffneten hinzugekommen war, zum Gehorsam zurückgebracht wurde.

Magalhães legte sich mit seinen Schiffen vor den Ausgang des Hafens, um das Entfliehen der Meuterer zu verhindern. Zufällig löste sich der Antonio in der Nacht von seinem Anker und trieb mit der Ebbe an das Schiff des Magalhães heran.[473] Hier wurde es mit grobem Geschütz und Gewehrfeuer empfangen, und die Mannschaft des Generalcapitän bemächtigte sich des feindlichen Schiffes. Die Rädelsführer Cartagena, Quesada und de Coca wurden gefangen; der Leichnam Mendoza’s wurde am nächsten Tage geviertheilt als Verräther, und Quesada enthauptet, auch wurden vor der Abfahrt Cartagena und ein Caplan, der das Complot begünstigt hatte, am Strande ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen.[474] Aber der Pilot Gomez, welcher den Generalcapitän mit seinem Schiffe später verließ, nahm beide Verlassenen wieder auf und brachte sie nach Spanien.

Der Aufenthalt im Julianshafen währte fast 5 Monate (4 Monate und 24 Tage), in dieser Zeit trafen die Spanier mehrfach mit kleinen Horden der Eingeborenen zusammen, welche von Magalhães wegen ihrer großen Füße (spanisch patagon = Großfuß) Patagonen genannt wurden. Die übertriebenen Schilderungen von ihrer Größe, welche Pigafetta’s viel gelesener Reisebericht verbreitete,[475] veranlaßten in Europa die Vorstellung, daß alle Patagonen Riesen seien, eine Fabel, welche erst nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch genaue Messungen der Körpergröße widerlegt wurde.[476]

Ehe Magalhães selbst aus seinem Winterquartier aufbrach, ließ er durch Juan de Serrano auf dem Santiago die Küste weiter gegen Süden untersuchen, um sich mit seiner Flotte nicht durch jede Ausbuchtung des Landes aufhalten zu lassen. Aber Serrano litt in der Nähe des Puerto de Santa Cruz (50° s. B.) Schiffbruch und mußte sich mit seiner Mannschaft mühsam zum Julianshafen, an der Küste entlang, zurückwenden, wo die Leute auf die übrigen vier Schiffe vertheilt wurden. Magalhães selbst brach am 24. August auf und nahm am Heiligen Kreuzhafen noch einige von den gestrandeten Gütern des Santiago auf; von hier steuerte er dann aber erst am 18. October weiter, da zwei seiner Schiffe beschädigt waren und erst ausgebessert werden mußten. Unerschütterlich, als ein Mann von Muth und Ehre, ließ er sich durch keine Gegenvorstellungen von seinem Plane abbringen; erst wenn seine Schiffe im Sturm zweimal ihre Takelage verloren hätten, würde er sich dazu verstehen, den Weg um Afrika und an Madagascar vorüber einzuschlagen. Am 21. October erreichte sein Geschwader das Cap Virgenes (Cabo de las Virgenes) und damit den Eingang der berühmten Straße. Die fjordartige Zersplitterung des südamerikanischen Continents, welche an der Westseite vom Feuerlande bis zum 42° s. Br. reicht, hat die letzten Ausläufer des Gebirgslandes durch einen vielfach gegliederten Canal vollständig vom Rumpf der Landmassen abgetrennt. Die Straße, welche noch jetzt den Namen des kühnen Entdeckers trägt, hat eine Länge von 600 Kilometer (80 deutsche Meilen) und erstreckt sich in der östlichen Hälfte nach Südwest, in der westlichen Hälfte mit scharfer Wendung nach Nordwest. Nach der Gliederung und Gestaltung der Küstenlandschaften zerfällt sie in drei Abschnitte, in einen östlichen, mittleren und westlichen. Der östliche Abschnitt ist charakteristisch durch die Bildung zweier Engen, zwischen denen das Wasser sich seenartig ausweitet, durch das Fehlen der tieferen Seitenbuchten und Sackgassen, durch das Auftreten niedriger gleichmäßiger Höhenrücken jüngerer Formation und durch den gänzlichen Mangel an Baumwuchs. Der mittlere und westliche Abschnitt zeigt eine gleichartige geologische Struktur, hier herrschen Granit und Grünstein vor, und nach der Mitte zu Schiefer. Die schroffen, wilden Bergmassen erheben sich bis über 1000 Meter, im Sarmiento sogar über 2000 Meter. Der breite mittlere Abschnitt, mit mehreren tiefen Sunden und Canälen an der Feuerlandsküste, verläuft in der Richtung von Norden nach Süden und ist vollkommen inselfrei, der westliche Abschnitt dagegen, der sich nach Nordwesten zieht, verengt sich zwischen zahlreichen Klippen und tiefen Fjorden immer mehr und erweitert sich erst wieder gegen den Ausgang zum großen Ocean. In der Mitte und im Westen ist die Straße, wo die Berge nicht zu jäh in die Flut tauchen, mit üppigem Laubwald umsäumt.[477]

„Die landschaftliche Scenerie der von düsteren Sagen umwobenen Meeresenge ist ein seltsames Gemisch von Monotonie und Großartigkeit der Naturgebilde jener Zone. Ringsum starren dem Schiffe Eisberge entgegen mit tiefen, undurchdringlichen Felsenspalten, mit zu Gletschern erstarrten Wasserfällen, die wie gefrorene Niagaras, wie ungeheure Klippen von blaugrünem, durchsichtigem Glas, die Seiten der Gebirge und finstern Thäler überhängen. Dagegen dehnt sich das schwarze, dunkle Fahrwasser an hohen Felsen in zahllosen Windungen hin. Zuweilen führen diese Windungen in eine Bucht, die scheinbar ohne Ausgang, von einer Mauer schroffer Felsen eingeschlossen ist, bis sich plötzlich verschiedene Canäle zeigen, die den Seefahrer noch mehr in Verlegenheit setzen, da er, falls er fehl geht, wochenlang zwischen Klippen und Canälen umherirren kann. In diesem Theile der Straße wüthet ein beinahe ununterbrochener Sturm, und der Himmel ist stets von dichten Wolken umhüllt, die Atmosphäre ist trüb und beständig nebelig, die Gewässer sind von pechschwarzer Farbe, wegen ihrer Tiefe und der finstern Bergschatten. In der Regel weht der Wind aus Westen, der Strom rauscht dann wie ein Sturzbach, und die Durchfahrt ist mitunter so eng, daß das Laviren schwierig wird. Von den nackten kahlen Felsspitzen aber fährt der Orkan in die Wassertiefe hinab und erzeugt daselbst jene kurzen, brechenden Wellen, die unter dem Namen der Teufelswellen bekannt und die namentlich Segelschiffen so unheilbringend sind.“[478]

Bei der Einfahrt in die Straße schickte Magalhães zuerst die beiden Schiffe San Antonio und Concepcion voraus, um das Fahrwasser zu untersuchen, während er selbst mit der Trinidad und Victoria zurückblieb. Das eine Schiff kam bald mit der Meldung wieder, man habe nur eine Bucht mit tiefem Einschnitt gefunden, während das andere sich weiter wagte, durch eine Enge in eine zweite offene Bucht kam und hinter einer zweiten Enge, welche anfangs von Land umschlossen schien, wieder eine größere Wasserfläche fand. Da der Grund nicht seicht war, wie an der patagonischen Küste, in folge dessen man nur in der Nähe des Ufers, aber nicht mitten in der Straße ankern konnte, und da der Canal immer weiter führte, so schien die gesuchte Meerenge wirklich gefunden; und mit dieser freudigen Nachricht kehrte das zweite Schiff am dritten Tage nach dem Eingange zu Magalhães zurück, welcher, die hohe Wichtigkeit dieser Entdeckung erkennend, die Capitäne und Piloten zur Berathung zusammenrief, um sich über die weiteren Maßnahmen zu besprechen. Da sich nun herausstellte, daß der Proviant nur noch für drei Monate ausreichte, so meinte der Portugiese Esteban Gomez, Pilot auf dem S. Antonio, es werde, nachdem man die Straße gefunden habe, besser sein, einstweilen nach Spanien zurückzukehren und mit einer besser ausgerüsteten und versehenen Flotte die Unternehmung zu Ende zu führen. Allein Magalhães war nicht gewillt, umzukehren, nachdem der schwierigste Theil der Aufgabe die Auffindung der Straße, gelöst sei. Er wolle, so äußerte er sich, dem Kaiser sein Wort halten, und sollte ihn der Hunger zwingen, hartes Leder zu kauen. Um die Zaghaftigkeit des Schiffsvolks, welches leicht geneigt war, sich auf den Ausspruch einer Autorität wie Gomez zu berufen, nicht um sich greifen zu lassen, erklärte Magalhães: alle Schiffe sollten sich zur Weiterfahrt den nächsten Tag bereit halten; niemand solle bei Todesstrafe sich unterstehen, von Umkehr zu reden. So drang er muthig in den Felsensund ein. Auf der Südseite sah man häufig Feuer am Lande aufleuchten, welche die wilden Einwohner in dem rauhen Klima unterhielten. Das Land erhielt davon den noch giltigen Namen Feuerland (tierra del fuego). Nachdem er 50 Meilen gesegelt war, ließ er, da verschiedene Canäle sich nach verschiedenen Richtungen abzweigten, dieselben von zwei Schiffen wieder untersuchen, während die Zurückbleibenden durch Fischfang den Vorrath an Lebensmitteln zu bereichern suchten. Man befand sich damals in der Nähe der Südspitze des festen Landes. Der San Antonio ging mit vollen Segeln ab, ohne auf die Concepcion zu warten, und steuerte in einen nach SO. verlaufenden Canal, in der Absicht, nach Spanien zurückzukehren. Die Concepcion kreuzte unterdessen in demselben Canal und wartete auf das Wiedererscheinen des Antonio, aber vergebens. Magalhães war unterdessen in den Sund nach SW. mit den beiden andern Schiffen eingedrungen und wartete dort vier Tage, während dessen ein großes Boot den Canal, der nach NW. verlief, zu untersuchen hatte. Nach drei Tagen brachte dieses die Mittheilung, es sei bis an den Ausgang der Straße in das westliche Meer gelangt. Dieser günstigen Meldung gegenüber machte den Generalcapitän das Ausbleiben des S. Antonio, eines vorzüglichen Fahrzeuges, besorgt, da er selbst vielleicht an dem Verluste schuld war, insofern er den Ankerplatz gewechselt und das zurückkehrende Schiff irregeleitet hatte. Die Victoria mußte noch einmal bis an den Anfang des Canals segeln, in welchen der Antonio eingelaufen war, und dort an hervorragender Stelle eine Flagge aufhissen, an deren Fuß die briefliche Nachricht niedergelegt war, wohin das Geschwader seinen Weg genommen. Aber das vermißte Schiff kehrte nicht zurück. Das Schiffsvolk revoltirte gegen den Capitän Mezquita, und der Pilot Gomez unterstützte dasselbe. Er hatte früher von dem spanischen Könige zu einem ähnlichen Plane wie Magalhães Schiffe gefordert; da man nun aber den Antrag seines Rivalen angenommen, den seinigen aber abgelehnt hatte, so hegte er geheimen Groll gegen denselben und benutzte diese Gelegenheit, sich zu rächen. Mezquita wurde angeklagt, die grausame Behandlung der Meuterer im Julianshafen dem Generalcapitän angerathen zu haben, und wurde darum in Fesseln nach Spanien gebracht, wo man außerdem den obersten Leiter des Geschwaders für einen Wahnsinnigen erklärte, welcher Se. Majestät belogen und keine Ahnung davon habe, wo Banda oder die Molukken lägen.

So ging dem Magalhães auch das zweite Schiff verloren und damit auch der getreue Mezquita. Außer seinem Verwandten Duarte Barbosa hatte er nur noch wenige Leute, auf die er sich ganz und voll verlassen konnte. Hätte er die Officiere zu einer Berathung zusammen berufen, so wäre er vielleicht überstimmt worden. Er zog es daher vor, an die Capitäne und Piloten ein freundlich gehaltenes Rundschreiben[479] abgehen zu lassen, in welchem er sie um schriftliche Meinungsäußerung ersuchte, ob es gerathener sei, umzukehren oder vorwärts zu gehen. Doch sollte vor allem ins Auge gefaßt werden, was der Dienst Sr. Majestät und die Sicherheit der Schiffe verlange. Dieser Brief, vom 21. November, war „gegeben im Canal Allerheiligen“, canal de todos los Santos (denn so hatte Magalhães die Straße benannt) im 53. Grade s. Br. Das Geschwader befand sich damals also am östlichen Anfange des dritten Abschnittes der Meerenge, wo mehrere Straßen nach NW., N. und S. ausliefen und das Fahrwasser zwischen den Felsenmassen sich verengte. Am nächsten Tage traf die Antwort vom Astronomen Martin ein, welche den bekannten Absichten des Führers nicht direct widersprach, aber doch auf den Mangel an Lebensmitteln und bezüglich des Schiffes Victoria auch auf den erschöpften Vorrath an Tauwerk hinwies, ein Vordringen bis zum 60. oder gar 70. Grade bei dem Zustande der Schiffe und Mannschaften entschieden widerrieth, aber doch dem Gedanken nicht abgeneigt war, die schönen Frühlingstage zu benutzen, um einen Ausweg unter mildern Breiten zu suchen. Darauf gab Magalhães am nächsten Tage den Befehl zur Weiterfahrt. Das Land zu ihrer Rechten war unzweifelhaft tierra firme, d. h. Festland, dagegen zur Linken glaubte man Inseln vor sich zu haben, weil man mehrfach aus der Ferne das Geräusch der Brandung eines offnen Meeres an Felsenküsten vernommen hatte.[480] Man mußte also, wie auch bereits gemeldet war, nach dieser Seite hin bald den offenen Ocean erreichen. Vorsichtig fuhr Magalhães in der engen Felsengasse und, der Klippen wegen, nur bei Tage weiter und ankerte bei Nacht. Sondirende Böte gingen vorauf. Endlich traf am fünften Tage die Freudenbotschaft ein, der Ausgang sei erreicht. Auf diese Kunde ließ der Generalcapitän mit allen Kanonen Freudenschüsse thun und erreichte am 28. November beim Cabo Deseado[481] („ersehntes Vorgebirge“) das Meer. Die Durchfahrt hatte drei Wochen in Anspruch genommen, und rechnet man die Tage ab, wo er auf die abgesandten Schiffe warten mußte, so waren nur 12 Tage erforderlich gewesen.[482]

Von dem Ausgange der Meerenge richtete Magalhães seinen Cours grade nach Norden, so daß er noch unter dem 47. Grade die patagonischen Berge zur Rechten sehen konnte und wandte sich erst vom 37. Grade nach Nordwesten. Die Begrenzung des amerikanischen Festlandes war damit gegen Westen angezeigt. Ohne die Juan Fernandez Inseln, westlich von Chile, zu berühren, steuerte er nordwestlich zwischen der Inselwolke der Paumotu und den gebirgigen Markesas hindurch, immer mit günstigem Winde, weshalb er das Meer mit dem Namen Mar pacifico „stiller Ocean“ belegte, aber auch ohne 40 Tage lang etwas anderes als Himmel und Wasser zu sehen. Am 24. Januar 1521 stieß er auf ein einsames, unbewohntes Eiland, unter 16° 15′ s. Br., dem er den Namen San Pablo gab, und 11 Tage später, am 4. Februar auf ein zweites wüstes Inselchen, welches Haifischinsel (los tiburones) genannt wurde und unter 10° 40′ s. Br. lag.[483] Hier wurde zwei Tage Rast gemacht, um die Mannschaft sich erholen zu lassen und um zu fischen, denn die Nahrungsmittel gingen auf die Neige. Dann segelten sie weiter, wie Transilvanus berichtet, über ein ungeheures Meer, das größer ist, als man fassen kann. Nun aber trat das Schreckbild des Hungers immer drohender auf. „Wir fuhren, erzählt Pigafetta, 3 Monate und 20 Tage, ohne Erfrischungen einzunehmen. Der Zwieback war in Staub zerfallen, voll Maden und stank nach dem Unrath der Ratten, das Trinkwasser war trübe und übelriechend. Wir aßen auch Rindsleder, wie es unter der großen Marsraa angebracht ist, damit das Tauwerk sich nicht durchscheuert. Das Leder war sehr hart, weil es beständig der Sonne, dem Wind und Regen ausgesetzt war, und mußte erst tagelang im Seewasser eingeweicht werden, um es, in glühender Asche geröstet, genießbar zu machen. Ratten bildeten einen Leckerbissen und wurden, das Stück, mit ½ Krone bezahlt. Zu all dem Unglück trat noch der Scorbut auf, welchem 19 Personen erlagen. Wenn Gott und seine heilige Mutter uns auf der langen Fahrt nicht gutes Wetter gegeben hätten, so wären wir alle in dem weiten Meere verhungert, und ich glaube, daß kein Mensch jemals eine solche Reise wieder unternehmen wird.“ Pigafetta wagte also auf den Versuch einer Weltumsegelung einen ähnlichen Bann zu legen, wie Cook auf seiner zweiten Reise bezüglich der Unternehmungen gegen den Südpol. Beide erreichten nur, daß ihre kühnen Fahrten 50 Jahre lang ohne Nachfolger blieben.