Treffend und gleichsam mit prophetischem Blicke fügte Pigafetta hinzu: „Wenn wir von dem Ausgange aus der Meerenge immer westwärts gesteuert wären, wir hätten, ohne auf irgend ein Land zu stoßen, wieder an das Cap der Jungfrauen zurückkommen können.“ Dieser Ausspruch erklärt sich mit der größten Bestimmtheit gegen die Existenz eines weit nach Norden reichenden Südlandes, wie es später von den Kartographen des 16. Jahrhunderts als terra australis incognita gedacht und bis tief ins 18. Jahrhundert, bis auf die epochemachenden Reisen Cook’s die Vorstellungen der Geographen beeinflußt hat.
Am 13. Februar überschritt Magalhães den Aequator, etwa unter 175° w. v. Gr., steuerte 11 Tage nordwestlich bis zum 12° n. Br., so daß er zuerst zwischen dem Gilbert- und Marshall-Archipel und dann zwischen diesen und den östlichen Carolinen hindurch segelte; dann richtete er den Cours wieder nach Westen, bis er am 6. März auf die Ladronen stieß. Magalhães wußte zwar, daß sein Ziel, die Molukken, unter dem Aequator lägen; allein, da er fürchtete, sich wegen der Nähe der Portugiesen dort nur schwierig verproviantiren zu können, so ging er weiter nordwärts, wo er auf Inseln oder am Festlande, die von seinen Gegnern noch nicht berührt waren, ungestört ausruhen, seine Schiffe bessern und seiner Mannschaft Erquickung verschaffen könne. Die beiden Inseln, auf die man zuerst stieß, waren Guam und S. Rosa. Daß sie bewohnt waren, bewiesen alsbald die zahlreichen hurtigen Segelböte, die mit gleicher Geschicklichkeit vor- und rückwärts steuerten und pfeilschnell über das Wasser hinjagten, als ob sie flögen.[484] Wegen der dreieckigen Mattensegel, deren sich die Insulaner bedienten, wurden die Inseln Islas de las velas (Segel) genannt. Zutraulich und zudringlich kamen diese Schiffer an Bord und stahlen, was sie brauchbares fanden. Als sie aber gar ein größeres Boot entführt und an den Strand geschleppt hatten, wurden sie empfindlich gezüchtigt, ihr Dorf zerstört, die Pflanzungen vernichtet und sieben Menschen getödtet. Von diesem Diebstahl hieß man die Inselgruppe die Diebsinseln oder Ladronen, welchen Namen sie noch führen. Nach einem Aufenthalt von drei Tagen ging das Geschwader weiter nach Westen und gelangte so zu dem Archipel des San Lazaro, oder, wie er später benannt wurde, Philippinen. An der kleinen Insel Suluan, südlich von Samar, wurde zuerst gelandet, um frisches Wasser einzunehmen und besonders den Kranken einige Ruhe zu gewähren. Mit den Eingebornen wurde ein friedlicher Verkehr eröffnet. Der Häuptling von Suluan erschien in malaiischer Tracht, den Kopf mit einen seidenen Tuch umwunden und einen golddurchwirkten Sarong um den Leib. Von Suluan gegen SW. steuernd, berührte das Geschwader zwischen Mindanao und Leyte die kleine Insel Limasagua (Maçaguoa), wo eine Messe celebrirt wurde. Der dortige Radscha brachte sie zu der gegen Nordwesten gelegenen Insel Zebu, deren Kaufleute schon mit Portugiesen zusammengetroffen waren. Der Häuptling erwies sich den Seefahrern sehr geneigt und ließ sich schon nach acht Tagen mit mehreren hundert Insulanern taufen. Zwar wollte hier ein arabischer Kaufmann den Fürsten der Insel vor den Fremdlingen warnen, weil sie zu derselben Nation gehörten, welche Calicut und Malaka erobert hätten; aber Magalhães erklärte, ihr König sei noch weit mächtiger als der portugiesische, und werde sie in seinen Schutz nehmen und ihre Macht erhöhen. Der Christ gewordene Fürst von Zebu sollte nach seinem Plane der Oberherr über die umliegenden Inseln werden und als solcher dem Könige von Spanien huldigen. Die Ortschaften, welche sich nicht unterwerfen wollten, wurden zerstört, entfernteren legte man Tribut auf. Mitten vor der Ostküste von Zebu, nur durch einen schmalen Meeresarm getrennt, liegt die Insel Matan oder Mactan. Diese weigerte sich, die geforderten Abgaben an Lebensmitteln zu entrichten; daher beschloß Magalhães, sie die Ueberlegenheit seiner Waffen fühlen zu lassen. Die Hilfstruppen des Fürsten von Zebu lehnte er ab, da er die Stärke und Kriegsführung seiner Gegner unterschätzte, und ging am 27. April nur mit 50 bis 60 Mann in drei Böten nach der Insel hinüber, während er seinen eingebornen Freunden die Rolle von Zuschauern anwies; auch seine Schiffe blieben in der Ferne. Am Lande sahen sich die Spanier bald einem an Zahl überlegenen Feinde gegenüber.[485] Gegen die Schüsse der Europäer boten die festen Schilde der Insulaner einigen Schutz und bald gingen die Matanesen zum Angriff über. Sie schleuderten Wolken von Pfeilen und Steinen. Magalhães wurde durch einen vergifteten Pfeil am Schenkel verwundet und mußte Befehl zum Rückzuge geben; aber der Rückmarsch artete, indem die Insulaner um so kühner nachdrängten, bald in Flucht aus, so daß nur sieben oder acht Getreue bei ihrem verwundeten Feldherrn ausharrten. Alle Angriffe der wüthenden Feinde richteten sich auf Magalhães, welchem in dem Handgemenge zweimal der Helm vom Kopfe gerissen wurde. Aber er wollte nicht weichen und focht als ein tapferer Ritter, die Seinigen zum Widerstande ermunternd. Einen Insulaner, der ihn im Gesicht verwundete, stach er mit der Lanze nieder. Als er dann seinen Degen ziehen wollte, brachte er denselben, in folge einer Speerwunde am Arm nur halb aus der Scheide, und erhielt, für einige Augenblicke ungedeckt, einen Schwertstreich, der ihn aufs Gesicht niederwarf, worauf alle über ihn herfielen und ihn vollends tödteten. „Als die Indier, erzählt Pigafetta, welcher Zeuge des Heldentodes war, ihn überwältigten, wandte er, schon am Boden liegend, den Blick noch mehrmals nach uns zurück, um sich zu überzeugen, ob wir uns gerettet hätten, als ob er nur so hartnäckig standgehalten hätte, um seine Leute in Sicherheit zu bringen. So fiel unser Vorbild, unsere Leuchte, unser Trost und treuer Führer!“ So klagt der italienische Ritter über den Fall des großen Mannes; aber da er selbst verwundet war, wie die meisten Gefährten, blieb ihnen nur die Flucht nach den nahen Böten. Mit Magalhães fielen acht Spanier und vier getaufte Indier. Die Herausgabe der Leiche, selbst gegen große Geschenke, wurde von den Siegern entschieden verweigert.
Magalhães stand wohl im 41. Lebensjahre, als er auf Matan seinen Tod fand. Hatte er auch das Ziel, die Gewürzinseln, nicht völlig erreicht, so hatte er den schwierigsten Theil seiner Aufgabe auf das glänzendste gelöst. Er hatte die südamerikanische Meerenge gefunden und das größte Meer des Erdballs in seiner vollen Breite durchschnitten. Es war die größte nautische That aller Jahrhunderte. Seine größte Tugend bestand in der Ausdauer, selbst in der schlimmsten Lage, und er ertrug Hunger und Entbehrung auf den monatelangen Fahrten über das Weltmeer besser als andere. Er war nicht blos ein tapferer Soldat, sondern bewies auch seine Tüchtigkeit als Seemann, indem er alle Steuerleute anwies, daß sie, um den richtigen Cours nach den Molukken einzuhalten, auch die Abweichung der Magnetnadel in Rechnung zu bringen hätten. Der beste Beweis seiner Unerschrockenheit und Genialität liegt aber darin, daß er zuerst eine Erdumsegelung wagte und den schwierigsten Theil vollendete. Die Bedeutung seines Unternehmens ist leider durch die Eifersucht der Spanier und Portugiesen verdunkelt, in Portugal, weil er einer rivalisirenden Macht diente, in Spanien, weil er ein Fremder war. Magalhães selbst hat natürlich den Verlauf seiner kühnen Weltfahrt nicht ausführlich schildern können, das beste, was wir darüber besitzen, stammt von zwei Italienern. Es wirft ein merkwürdiges Schlaglicht auf die damaligen Zeitverhältnisse, daß die Heldenthat eines Portugiesen in spanischen Diensten von Italienern beschrieben ist.
Die wissenschaftliche Bedeutung dieser Fahrt charakterisirt Humboldt (Kosmos II, 306) in folgenden Worten: „Die Entdeckung und Beschiffung der Südsee bezeichnen für die Erkenntniß großer kosmischer Verhältnisse eine um so wichtigere Epoche, als durch dieselbe zuerst die numerische Größenvergleichung der Areale des Festen und Flüssigen auf der Oberfläche unseres Planeten nun endlich von den irrigsten Ansichten befreit zu werden anfing. Durch die Größe dieser Areale, durch die relative Vertheilung des Festen und Flüssigen werden aber der Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre, der wechselnde Luftdruck, die Vegetationskraft der Pflanzendecke, die größere oder geringere Verbreitung gewisser Thiergeschlechter und so viele andere allgemeine Erscheinungen und Processe mächtig bedingt. Der größere Flächenraum, welcher dem Flüssigen als dem das Feste bedeckenden Elemente eingeräumt ist (im Verhältniß von 2⅘:1) vermindert allerdings das bewohnbare Feld für die Ansiedelung des Menschengeschlechts, die nährende Fläche für den größeren Theil der Säugethiere, Vögel und Reptilien; er ist aber nach den jetzt herrschenden Gesetzen des Organismus ein nothwendiges Bedingniß der Erhaltung, eine wohlthätige Natureinrichtung für alles, was die Continente belebt.“ Der materielle Vortheil, welchen die spanische Krone, durch die Expedition Magalhães’ gewann, wird uns in den folgenden Blättern noch weiter beschäftigen.
3. Die Vollendung der ersten Erdumsegelung.
Mit dem Tode Magalhães’ trat eine völlige Wandelung in der Gesinnung der Eingebornen ein. Der Glaube an die Unüberwindlichkeit der Fremden war gewichen, und mit malaiischer Tücke trachtete der getaufte Fürst von Zebu nach einer Gelegenheit, seine neuen Freunde mit List aus dem Wege zu schaffen. Er lud die Spanier zu einem Gastmahle ein, um ihnen bei der Gelegenheit angeblich ein für den König von Spanien bestimmtes Geschenk an edlen Steinen vorzulegen. Vierundzwanzig Spanier, darunter die beiden neugewählten Capitäne, Duarte Barbosa und Juan Serrano sowie der Astronom San Martin folgten der lockenden Einladung, indem der erwachende Argwohn durch die Bemerkung unterdrückt wurde, eine ablehnende Antwort könne als Feigheit ausgelegt werden. Pigafetta litt noch an seinen Wunden und blieb darum zurück, ebenso Lopes de Carvalho, welcher mit Recht Verrath fürchtete. Beim Gastmahl wurden sie überfallen und bis auf Serrano, den man lebendig gefangen behielt, getödtet. Carvalho ließ auf die Nachricht von dem hinterlistigen Ueberfall die Anker lichten und, mochte ihn der ans Ufer geführte, verwundete und gefesselte Serrano auch noch so dringend beschwören, ihn loszukaufen, man wagte sich nicht wieder an den Strand, aus Furcht, die Schiffe preiszugeben. Serrano blieb einem unbekannten Schicksal überlassen. Da die Mannschaft für den Dienst auf drei Schiffen nicht mehr ausreichte, so wurde die Concepcion als das am wenigsten seetüchtige Fahrzeug bei der Insel Bohol, östlich von Zebu, verbrannt. Trinidad und Victoria segelten unter der Führung von Carvalho und Gonzalo Vaz d’Espinosa südwärts nach Mindanao und von da nach der kleinen, nordöstlich von Borneo gelegenen Insel Cagayan, wo man nur einige von Borneo vertriebene Mohammedaner (Mauren) fand. Von hier aus steuerten sie in nordwestlicher Richtung nach Palawan, wo sie freundliche Aufnahme fanden und Lebensmittel eintauschen konnten. Dort trafen sie einen Mohren, namens Bastiam, der etwas portugiesisch verstand und auf den Molukken gewesen war. Dieser erbot sich zwar, sie nach Borneo, nach dem Staate Brunei an der Nordwestküste der Insel zu führen, erschien aber nicht wieder, und so hätten die Spanier den Weg ohne Hilfe suchen müssen, wenn nicht am nächsten Tage eine Praue an die Schiffe herangekommen wäre und die Führung übernommen hätte. So gelangten sie nach der Stadt Brunei, deren Häuser, auf Pfahlrosten gebaut, bis ins Meer standen, und deren Einwohnerschaft Pigafetta auf 25,000 Familien schätzte. Mit dem Könige des Landes wurden Geschenke ausgetauscht, die spanischen Abgesandten ritten auf zwei Elephanten zum Palaste, wo der König ihnen Audienz ertheilte, aber nur durch Mittelspersonen mit ihnen sprach. Man befand sich hier bereits in der Kulturregion der malaiischen Sundawelt. Die spanischen Gesandten wurden in einem vornehmen Hause gastlich untergebracht und schliefen auf seidenen mit Baumwolle gefüllten Matratzen. Der Radscha gab Erlaubniß, Handel zu treiben; allein das gute Verhältniß trübte sich nach wenigen Tagen, denn als eine große Anzahl von Prauen und kleinen Böten die Schiffe umschwärmte und sich vor dem Hafen versammelte, fürchteten die Spanier Verrath, griffen die Dschunken an, bohrten mehrere in den Grund und bahnten sich einen Weg in freies Fahrwasser. Der Radscha ließ ihnen zwar durch Boten melden, der Kampf sei durch ein Misverständniß entstanden, denn der vorbereitete Krieg gelte nicht den Spaniern, sondern den Heiden. Leider befand sich noch ein Theil der Schiffsmannschaft, darunter der Sohn Carvalho’s am Lande und gerieth in die Gefangenschaft der Malaien. Er wurde nicht ausgeliefert, obwohl der Capitän eine Auswechselung der Gefangenen (denn es waren mehrere vornehme Häuptlinge nebst ihren Frauen auf den eroberten Dschunken angetroffen) vorschlug.
Um Nordborneo herum zogen die beiden Schiffe wieder nach der Südküste Mindanao’s und von dort südwärts nach den Molukken, welche sie endlich am 8. November 1521 durch Freudenschüsse begrüßten. Seit ihrer Abfahrt von Sevilla waren sie bereits 2¼ Jahr unterwegs gewesen, ehe sie den Hafen von Tidor erreichten. Wenn die Portugiesen das Gerücht ausgesprengt hatten, die Molukken lägen zwischen Untiefen in einem von trüber, nebliger Atmosphäre bedeckten See, so daß man die Inseln nur mit großer Gefahr erreichen könnte, so erinnert uns dies an die von den Griechen wiedererzählten, altphönizischen Schifferlügen, wodurch man von den Fahrten nach solchen Gegenden abschrecken wollte, woher geschätzte Handelsprodukte geholt wurden. Man fand vielmehr das Wasser überall wenigstens 100 Faden tief.
Der Radscha von Tidor empfing die Spanier mit offnen Armen[486] und schloß mit ihnen bereitwilligst einen günstigen Handelsvertrag, denn die Spanier zahlten für die Gewürze viel höhere Preise als die Portugiesen[487]. Diese ihre Rivalen hatten in Ternate sich festgesetzt. Als die Spanier dies erfuhren, schickten sie eine Botschaft hinüber, um eine friedliche Zusammenkunft zu veranlassen. Aber die Portugiesen entschuldigten sich mit dem ausdrücklichen Verbote der Regierung des Landes. Die Erlaubniß wurde aber vom Radscha von Ternate gegeben, und so kam der portugiesische Factor Affonso de Lourosa, welcher schon mit den ersten Schiffen vor 10 Jahren von Indien hierhergelangt war, zu ihnen und war nicht wenig über die hohen Preise erstaunt, welche die unkundigen Spanier bezahlt hatten. Auch erfuhren diese, daß der König von Portugal dem Geschwader Magalhães’ sowohl am Cap der guten Hoffnung als am Laplatastrom durch Schiffe habe den Weg verlegen lassen wollen. Dann sei auch an den Oberbefehlshaber in Indien, Lopez de Sequeira der Befehl ergangen, sechs Kriegsschiffe nach den Molukken zu senden, um Magalhães mit Gewalt abzuweisen; aber in folge des Krieges mit den Türken in Aegypten seien die Schiffe nach dem Rothen Meere abcommandirt. Lourosa zeigte sich sogar geneigt, an Bord des spanischen Schiffes mit in die Heimat zu segeln.
Bis zur Mitte December hatten beide Schiffe eine volle Gewürzfracht eingenommen, dann wurden am 16. December neue Segel mit dem Kreuz des heiligen Jacobus von Galicien und der Inschrift: „Das ist das Bild unseres Glückes“ (questa e la figura della nostra buena ventura) aufgesetzt und die Abfahrt für die nächsten Tage bestimmt. Da bekam das Flaggschiff Trinidad unerwartet einen großen Leck, den auch die vom Radscha zu Hilfe gesendeten Taucher nicht zu verstopfen vermochten. Man mußte sich entschließen, die Victoria allein abgehen zu lassen und das andere auszuladen, um es gründlich ausbessern zu können. Am 21. December stach die Victoria endlich in See, nachdem vorher 60 Centner Gewürznelken wieder ausgeladen waren, weil man fürchtete, das Schiff sei zu schwer befrachtet. Unter Kanonensalven nahmen die beiden Schiffe von einander Abschied. Die Victoria unter dem Commando Sebastian del Cano’s (d’Elcano) hatte 47 Europäer und 13 Indier an Bord. Man berührte zuerst Buru, sodann die Nordseite von Timor, um Lebensmittel einzunehmen, und steuerte von da in den von den Javanen Lautchidol, d. h. Südmeer, benannten indischen Ocean hinein, erreichte am 18. März 1522 die einsame hohe Insel Amsterdam, stieß am 8. Mai in der Nähe des großen Fischflusses (Rio del Infante) auf die afrikanische Küste, wo man Erfrischung zu finden hoffte und umsegelte am 18. und 19. Mai das Cap unter heftigen Stürmen, welche das Schiff wochenlang an dem gefürchteten Vorgebirge umherjagten und bis zum 42° s. Br. hinaustrieben. Infolge der Anstrengungen und Entbehrungen, man hatte nur noch Reis und Wasser an Bord, starben 21 Personen, ehe am 9. Juli die Capverden in Sicht kamen. Man landete nothgedrungen an der Insel St. Jago, obwohl man sie in portugiesischem Besitz wußte; man hoffte unbelästigt zu bleiben, wenn man erklärte, das Schiff käme von Amerika. Eine unerwartete Ueberraschung wurde den Weltumseglern hier, als sie sich in dem portugiesischen Hafenplatze erkundigten, was für ein Wochentag es sei. Man wollte prüfen, ob man an Bord richtige Rechnung geführt. Die Portugiesen antworteten, es sei Donnerstag. „Das setzte uns sehr in Erstaunen,“ erzählt Pigafetta, „weil bei uns erst Mittwoch war. Und ich hatte doch, da ich stets gesund gewesen, Tag für Tag mein Tagebuch geführt. Erst später erfuhren wir, daß wir keinen Fehler gemacht und keinen Tag übersprungen hatten, und daß der Unterschied entsteht, wenn man von Osten nach Westen die Erde umschifft. Man wird dann im ganzen einen Tag weniger haben, als diejenigen, welche an derselben Stelle geblieben sind.“
Als die Schaluppe zum drittenmale ans Land ging, wurden 13 Matrosen zurückgehalten, weil bekannt geworden war, daß das portugiesische Schiff zu dem Geschwader Magalhães’ gehöre. Unverzüglich lichtete del Cano die Anker und kam am 6. September 1522 in den Hafen von S. Lucar. Achtzehn Personen, und auch diese zum großen Theil krank, waren allein von der ansehnlichen Schar übrig geblieben.[488] Nachdem sie am 8. September in Sevilla angelangt waren, machten sie am nächsten Tage sämmtlich eine feierliche Procession nach der Kirche der heiligen Maria del Antigua und begaben sich dann an den königlichen Hof nach Valladolid, wo der Capitän und die beiden Officiere sehr gnädig empfangen und mit einer Leibrente bedacht wurden. Del Cano erhielt außerdem ein neues auf die Entdeckung der Gewürzinseln bezügliches Wappen und als Helmzier einen Globus mit der Umschrift: Primus circumdedisti me (du hast mich zuerst umsegelt). Pigafetta überreichte bei dieser Gelegenheit dem Könige sein eigenhändig geführtes Tagebuch der ganzen Fahrt. Die Anerkennung und die Bewunderung, welche allgemein den Theilnehmern der ersten Erdumsegelung gezollt wurde, drückt Transilvanus mit den Worten aus: „Wahrlich unsere Seeleute sind des ewigen Ruhmes würdiger als die Argonauten, die mit Jason nach Colchis segelten, und ihr Schiff (nämlich die Victoria) verdient mehr unter die Sternbilder versetzt zu werden als die Argo.“