Zu dem Ruhm trat aber auch noch der materielle Gewinn hinzu; denn die Fracht des einen heimgekehrten Schiffes, welche aus 533 Centnern Gewürznelken bestand, deckte die Kosten des ganzen Geschwaders vollauf.[489]

Wie bereits oben ([S. 481]) erzählt ist, mußte die Trinidad auf Tidor zurückbleiben, weil sie einen bedeutenden Leck bekommen hatte. Erst am 6. April 1522 stach sie mit 50 Europäern und zwei einheimischen Lotsen an Bord in See. Der Capitän Gonzalo Gomez de Espinosa beschloß den Rückweg über den großen Ocean zu versuchen und steuerte von Tidor aus nach Norden und Nordosten. Durch ungünstige Winde aus der Bahn getrieben, kam das Schiff bis zum 42° n. Br. Monatelang umhergeworfen, litt es durch Kälte und Mangel an Lebensmitteln so entsetzlich, daß viele von der Mannschaft erlagen. Als endlich in einem fünftägigen Sturm das Vordercastell und der Hauptmast verloren gingen, sah man sich zur Umkehr nach den Molukken gezwungen, wo man erfuhr, daß die Portugiesen inzwischen nach Ternate gekommen seien und dort eine Festung bauten (s. oben [S. 205]). Die Noth zwang die Spanier, an der Küste von Halmahera Zuflucht zu suchen und von hier aus den portugiesischen Anführer Antonio de Brito zu bitten, sie mit einem Schiffe aus ihrer traurigen Lage zu befreien; denn ein Theil der Mannschaft war todt, der andere krank und zu hilflos, um das eigne Fahrzeug leiten zu können. So ließ denn Brito die noch lebenden 17 Spanier nach Ternate hinüberführen, wo sie bis Ende Februar 1523, vier Monate lang, festgehalten wurden. Dann wurden sie nach Banda gebracht; Juan de Campos, den man bei der ersten Abfahrt von Tidor dort als Factor zurückgelassen (s. oben [S. 205]), versuchte von Banda mit drei andern Spaniern auf einer Dschunke sich durchzuschlagen, ist aber mit seinen Gefährten verschollen. Die übrigen ließ man vier Monate in Banda, dann wieder fünf Monate in Malaka, dann noch ein Jahr in Kotschin warten, ehe man ihnen Gelegenheit bot, sich nach dem Vaterlande einzuschiffen. Absichtlich hielt man sie an ungesunden Plätzen zurück, um ihre Reihe zu lichten, denn es war den Portugiesen höchst ungelegen, ihre Nebenbuhler von den Molukken in die Heimat zu befördern. So kam es denn, daß nach mehreren Jahren nur drei Seeleute Europa wieder erreichten und auch nach ihrer Landung in Lissabon noch sieben Monate in Haft bleiben mußten, bis der Befehl des Königs ihnen die Freiheit gab. Es kehrten demnach von den 239 Personen, welche sich mit Magalhães eingeschifft hatten, im ganzen nur 21 wieder zurück, die letzten nach jahrelangen Leiden.

Erst nach 50 Jahren erhielt Magalhães in Drake und Oliver de Noort Nachfolger, welche in derselben Richtung wie er, eine Erdumsegelung ausführten: ein sicherer Beweis, wie viel gewaltiger und schwieriger ein solches Unternehmen den Zeitgenossen erschien als die Fahrten Gama’s oder Columbus’, die sich nach dem ersten Entdeckungszuge alljährlich wiederholten.

4. Der Streit um die Molukken.

Eine große That trägt immer den Keim zu andern Thaten in sich. Die für praktische Ziele unternommene Weltumsegelung erwies sich als äußerst fruchtbringend, sowohl für wissenschaftliche Anschauungen als auch für materiellen Gewinn. Wenn auf der einen Seite durch ein augenfälliges Beispiel der Beweis von der Kugelgestalt der Erde erbracht war und der Blick zum erstenmale auf einer bestimmt gegebenen Linie das ganze Erdenrund umschweifen konnte, wenn gelehrte und gebildete Männer wie Transilvanus, durch die Weite des neugewonnenen Forschungsfeldes ermuthigt, sich von den Theorien und Phantasien des Alterthums loszulösen und die überlieferten kosmographischen und geographischen Lehren auf Grund der neuen Anschauungen mit kritischen Augen zu betrachten wagten, oder sich sogar ein Herz faßten, die länger als ein Jahrtausend durch alle Lehrbücher urtheilslos weiter geschleppten Erzählungen von den menschlichen Ungeheuern, den Schattenfüßlern, Langohren, Einäugigen, Pygmäen u. a. einfach unter die Ammenmärchen zu verweisen, weil weder Spanier noch Portugiesen irgend wo auf dem Erdenball auch nur annähernd Aehnliches gefunden hatten; so gewann auf der andern Seite auch der Staatsmann, der Politiker einen bedeutend erweiterten Gesichtskreis für seine Combinationen. Die Interessen des Verkehrs verließen die engen Schranken des alten Europa, kühne Pläne einer rivalisirenden Colonialpolitik flogen über die weiten Meere und scheuten nicht zurück vor einem diametral auf der anderen Seite des Erdballes auszufechtenden Streite. Denn da nun nach entgegengesetzten Richtungen zwei Wege zu dem Lande der Gewürze gefunden waren — und diese gesegneten Regionen waren ja das alleinige Ziel aller Seefahrten seit mehr als einem Menschenalter gewesen —, so mußte nothwendig auch die Frage entstehen, wem eigentlich nach der durch päpstliche Sanction erfolgten Theilung der Erde die Molukken gehören sollten, den Portugiesen oder den Spaniern. Aber diese letzteren beschäftigte nicht blos die Frage nach dem Besitz, sondern auch die Aufsuchung eines bequemeren Weges, als der, welchen Magalhães durch die Felsenengen am Feuerlande aufgefunden hatte. Man richtete dabei selbstverständlich den Blick auf die lockere Gliederung der mittelamerikanischen Gelände. Kaum ein Jahr nach der Heimkehr Sebastian del Cano’s ließ Karl V. schon, nach dem Gutachten seines Kosmographen den Eroberer Mexiko’s auffordern, seine Versuche, eine mittelamerikanische Durchfahrt zu entdecken, eifrig fortzusetzen, weil dadurch der Weg zu den Gewürzländern erheblich abgekürzt werden könne. Auch gestattete er, allen Kaufleuten und Unternehmungslustigen in Spanien, sich an Expeditionen nach den Molukken zu betheiligen. Um den Streit mit Portugal, wenn irgend möglich, auf friedlichem Wege zu schlichten, entschlossen sich beide Nachbarstaaten, einem aus Vertretern beider Mächte gebildeten Congresse die Entscheidung der schwierigen Frage zu übertragen. Diese „Junta“, welche beiderseits aus drei Juristen, drei Astronomen und drei Piloten zusammengesetzt war, kam zum erstenmal auf der Brücke, welche zwischen den Städten Badajoz und Elvas über den kleinen Grenzfluß Caya führt, am 11. April 1524 zusammen und setzte dann ihre Verhandlungen abwechselnd in den beiden Städten bis zum 31. Mai fort; aber resultatlos. Da nicht einmal der Ausgangspunkt jener oft erwähnten Demarcationslinie (die westlichste der Capverden) sicher festgesetzt war, von hier aus 370 spanische Meilen westwärts die Theilungslinie gezogen werden sollte und ihre Verlängerung über die andere Erdhälfte berechnet werden mußte, so hätte vor allem die Möglichkeit gegeben sein müssen, die Länge eines Meridiangrades genau zu bestimmen. Ja noch mehr, es stand nicht einmal die Größe des Erdumfanges fest. Man hatte als Unterlagen aus dem Alterthum eine Berechnung (zuerst von Eratosthenes) und eine davon etwas abweichende Messung der arabischen Astronomen aus dem 9. Jahrhundert. Wie unzuverlässig neuere Messungsversuche und Schätzungen ausfielen, lehren die Angaben von Columbus und von S. Martin, dem Astronomen der Magalhães’schen Expedition. Während jener aus einer Mondfinsterniß einen Abstand von Jamaica und Spanien berechnete, der einen Fehler von 34 Meridianen enthielt, nahm dieser nach der Schätzung des Schiffscourses den westlichen Abstand der Magalhães’schen Enge von Sevilla um 51½ Grad zu gering an.

Man war noch nicht einmal darüber einig, wie viel spanische Meilen (Leguas) auf einen Aequatorialgrad zu rechnen seien, denn die Ansichten der Junta gingen auseinander: die Spanier nahmen 14⅙, die Portugiesen 17½ Leguas an. Nach der letzten Bestimmung mußten die Molukken den Portugiesen zufallen. Die Spanier behaupteten, die Gewürzinseln seien von den Capverden 183 Grade entfernt, die andern dagegen nahmen nur 137 Grade an. Die unausgleichbare Differenz betrug demnach 46 Meridiane (etwa die Entfernung von Berlin bis zum Uralgebirge). Dabei gaben die Spanier den Abstand um 30½ Grade zu groß, die Portugiesen um 15½ Grad zu klein an.[490]

Der Pilotencongreß mußte ohne Resultat verlaufen, da keine der streitenden Parteien die Mittel dazu besaß, der andern ihre Fehler beweisen zu können, und löste sich am 31. Mai 1524 auf.

Beide Nebenbuhler rüsteten sich, wetteifernd auf den Molukken Boden zu gewinnen und waren entschlossen, sich auf den einmal besetzten Inseln Tidor und Ternate mit Gewalt zu behaupten.

Spanien entsandte ein Geschwader von sieben Schiffen mit 450 Mann unter dem Befehl des Garcia Jofre de Loaysa, während del Cano als Oberpilot mitging[491]. Am 24. Juli 1525 lief dasselbe von Coruña aus, denn nach diesem tiefen und sicheren Hafen in Galicien hatte man das indische Haus von Sevilla verlegt, einerseits um für die zu den Weltreisen erforderlichen größeren Schiffe einen ihrem größern Tiefgange entsprechenden Hafen zu besitzen, andererseits um für die Gewürze, welche, wie man hoffte, nun bald in vollen Frachten auf dem Westwege einlaufen würden, einen Stapelplatz zu schaffen, welcher den großen Märkten von Nordwest-Europa, namentlich den flandrischen und englischen Häfen näher liege als Lissabon. Coruña sollte zu einer Rivalin der portugiesischen Hauptstadt gemacht werden. Loaysa’s Flotte wurde beständig von Misgeschick heimgesucht. In der Region der Calmen an der Küste von Guinea monatelang aufgehalten, gelangten die Schiffe erst am 22. November in die Nähe des Cap S. Augustin, am 5. December nach Cap Frio und am 14. Januar 1526 zum Julianshafen. Am nächsten Tage zerschellte das Schiff del Cano’s in einem Sturm, welcher auch die anderen Schiffe arg mitnahm, an der Küste; die Mannschaft rettete sich. Wieder verging ein Monat, ehe man den Eingang der berühmten Straße wiederfand. Der Sommer ging zur Neige, die Stürme wurden immer heftiger und jagten am 12. Februar die Flotte vollständig auseinander.

Zwei Schiffe, die Anunciada unter Pedro de Vera und der Gabriel unter Rodrigo de Acuña trafen weit nördlich von der Magalhãesenge zusammen. Keiner der Capitäne zeigte eine Neigung, die gefährliche Fahrt in der beabsichtigten Richtung fortzusetzen; aber über den Weg, den sie selber einschlagen wollten, konnten sie sich nicht einigen. Während die Anunciada ohne Steuermann (derselbe war bereits gestorben) tollkühn ums Cap der guten Hoffnung nach den Molukken ging und auf dem Ocean verschollen ist, steuerte der Gabriel nach Brasilien, nahm in der Allerheiligen-Bai eine Ladung Brasilholz ein, bestand eine feindliche Begegnung mit drei französischen Freibeutern, in folge deren der Capitän und ein Theil der Mannschaft am Lande zurückbleiben mußte, und erreichte am 28. Mai 1527 den Hafen Bayona in Galicien, südwestlich von Vigo. Rodrigo de Acuña konnte erst im nächsten Jahre auf einem portugiesischen Schiffe heimkehren.