Derselbe Sturm vom 12. Februar trieb aber auch den Capitän Francisco de Hóces mit seinem Schiff S. Lesmes bis zum 55° s. Br., sodaß er das Ende des Landes sah, vermuthlich die südöstliche Spitze des Feuerlandes an der Le Maire-Straße. Auf den Werth dieser Entdeckung, durch welche das zeitraubende und gefährliche Einlaufen in den Feuerlandssund hätte umgangen werden können, achtete man damals zu wenig, und dem Entdecker Hóces war bald auch die Möglichkeit geraubt, in späterer Zeit seinen Fund, welcher eine bequemere Einfahrt in den großen Ocean in sichere Aussicht stellte, weiter auszubeuten, denn wenn er sich auch zum Geschwader Loaysa’s zurückfand und mit diesem durch die Magalhãesstraße zog, so wurde er doch wieder am 1. Juni 1526 durch Sturm von den übriggebliebenen Schiffen getrennt, suchte allein seinen Weg nach den Molukken und ist wahrscheinlich an der Paumotu-Insel Anäa gescheitert und untergegangen.[492] Loaysa konnte mit den vier Schiffen, welche ihm geblieben waren, erst am 6. April in die Magalhãesstraße einsegeln und erreichte am 25. Mai den großen Ocean. Am 1. Juni brach wieder ein wüthender Sturm los und riß das bereits aus vier Schiffe zusammengeschmolzene Geschwader vollends auseinander, sodaß von da an jedes Schiff sich seinen Weg allein suchen mußte.
Das kleinste Fahrzeug, der St. Jago, ein Schiff von nur 50 Tonnen, sah sich unter seinem Capitän Guevara außer Stande, den andern über den großen Ocean zu folgen, denn es fehlte ihm an Proviant, von welchem sich der größte Theil an Bord des Flaggschiffes befand. Guevara suchte die nächsten Ansiedelungen der Spanier zu erreichen und schlug daher den Weg nach Norden ein, in der Hoffnung, das jüngst von Cortes eroberte Mexiko zu finden. Die Westküsten Südamerika’s waren damals vom Feuerlande bis zum Aequator noch völlig unbekannt. Doch da Magalhães bereits nach seinem Eintritt in den stillen Ocean einen nördlichen Cours eingeschlagen und dabei gefunden hatte, daß die Küsten der neuen Welt sich nordwärts erstreckten, so beschloß Guevara in dieser Richtung weiter zu segeln. So gelang es ihm ohne Unfall, vielmehr durch die nordwärts ziehende antarktische, sog. Humboldtströmung begünstigt, am 25. Juli 1526 den Hafen von Tehuantepec zu gewinnen und dabei die höchst wichtige Entdeckung über die westliche Begrenzung des südamerikanischen Continents zu machen, eine Entdeckung, welche auf die bald darauf ausgeführten Expeditionen von Pizarro und Almagro nicht ohne Einfluß blieb.
Nur zwei Schiffe Loaysa’s scheinen den großen Ocean vollständig durchsegelt zu haben, das Hauptschiff, die Sa. Maria de la Victoria und die Sa. Maria del Parral unter Jorge Manrique de Najera. Daß die letztere bis zum Gestade von Sangir, südlich von Mindanao, gelangt sei, erfuhr man erst, als das Hauptschiff die Molukken erreicht hatte, aus dem Munde der wenigen Schiffbrüchigen, welche dem Untergange entronnen waren.[493]
Aber auch das Flaggschiff wurde von schweren Schlägen betroffen. Loaysa starb in folge der Aufregungen über den Verlust seiner Flotte am 30. Juli 1526 während der Fahrt über das stille Weltmeer. Sein Nachfolger Sebastian del Cano erlag gleichfalls am 4. August; denn der Tod hielt unter der durch Hunger und Arbeit erschöpften Mannschaft täglich seine Ernte. Toribio Alonso de Salazar, den man nun zum Capitän wählte, brachte das Schiff zwar bis zu den Ladronen, wo man sich 11 Tage Ruhe und Erholung gönnte, aber auch er starb bald nach der Abfahrt am 13. September. Ihm folgte im Commando der Baske Martin Irriguiez de Carquisano und brachte das Schiff endlich auf dem Wege über die Philippinen und die Talaut-Insel nach Halmahera (Djilolo) auf dessen Ostseite man in den Hafen von Samafo vor Anker ging. Das Schiff hatte fast die Hälfte seiner Mannschaft eingebüßt, von 105 Personen waren 40 gestorben.
Auf Tidor, wohin man erst am 1. Januar 1527 kam, wurden die Spanier als Befreier von dem portugiesischen Uebermuth mit offnen Armen empfangen und fingen sofort an, sich zu befestigen. Einen Versuch der Portugiesen, sie zu überrumpeln, schlugen sie glücklich ab; aber das Schiff war nicht mehr seetüchtig, und an eine Heimkehr war nicht zu denken. Nachdem auch Irriguiez gestorben, wurde Fernando de la Torre zum Capitän gewählt. Unter ihm behaupteten sich die Spanier, bis Saavedra ihnen zu Hilfe kam. Alvaro de Saavedra[494] war gegen Ende des Jahres 1527 von Cortes mit drei Schiffen und 110 Mann von Mexiko über den großen Ocean entsendet, um eine Verbindung zwischen Neuspanien und den Gewürzinseln herzustellen, aber er verlor auf der Ueberfahrt (er kam in zwei Monaten bis zu den Ladronen) zwei Schiffe, befreite auf den Philippinen noch mehrere von den ehemaligen Begleitern Magalhães’ und Loaysa’s (von dem Schiffe Sa. Maria del Parral) aus der Gefangenschaft und kam am 30. März 1528 nach Tidor. Leider war seine Mannschaft schon auf 30 Köpfe zusammengeschmolzen, sodaß er seinen bedrängten Landsleuten keine wesentliche Verstärkung bringen konnte; es schien daher gerathener, noch einmal nach Mexiko zurückzukehren, und in Anbetracht der großen Wichtigkeit, welche die Behauptung von Tidor für Spanien hatte, von Cortes Hilfe zu verlangen. Daher ging Saavedra am 3. Juni 1528 wieder unter Segel, berührte mehrere von Papuas bewohnte Inseln, vermuthlich auch die Nordküste von Neu-Guinea, streifte in nordöstlichem Cours unter 7° n. Br. die Gruppe der Carolinen,[495] konnte aber in folge der beständigen Gegenwinde nicht über die Ladronen hinaus in den Ocean vordringen und kam im October wieder nach Tidor zurück. Im Mai des folgenden Jahres wiederholte Saavedra seinen Versuch, gelangte zwar bis zu den Marshalls-Inseln und steuerte nordöstlich bis zum 27° n. Br.; aber hier starb er. Sein Schiff versuchte noch eine Zeitlang die eingeschlagene Route zu verfolgen, mußte aber unter 30° n. Br. ebenfalls vor den ungünstigen Winden umdrehen, erreichte nur mühsam im December 1529 (oder Ende October) die Nordküste von Halmahera und fiel hier den Portugiesen in die Hände, welche die Mannschaft nach Malaka brachten. Aus Tidor wurden die Spanier vertrieben und wichen nach Halmahera zurück. Aber ihre glücklichen Nebenbuhler kamen damit nicht blos de facto in den Besitz der Molukken, sondern sie erwarben dieselben auch durch Vertrag. Karl V. trat nämlich am 22. April 1529 seine Ansprüche für 350,000 Ducaten an die Krone von Portugal ab und war damit einverstanden, daß man die Theilungslinie 17 Grade östlich von den Molukken verlegte. Auch diese bedeutende Abfindungssumme, welche an Spanien bezahlt wurde, ist unter die Erfolge der ersten Erdumsegelung zu rechnen. Und wenn dem Vertrage auch die Clausel angehängt war, daß die ganze Summe zurückzuzahlen sei, falls es sich herausstelle, daß Portugal schon durch die erste Bestimmung der Demarcationslinie rechtmäßigen Anspruch auf die Gewürzinseln besitze, so wurde doch dieser Zusatz nie zur Ausführung gebracht.
Endlich wurde noch zu Gunsten der Spanier festgesetzt, daß, wenn ihre Schiffe bei Fahrten über den großen Ocean, welcher unbestritten innerhalb der spanischen Erdhälfte lag, sich in die molukkischen Gewässer aus Unkenntniß verlören, diese Schiffe von Seiten der Portugiesen nicht feindlich behandelt werden sollten. Denn es ist bemerkenswerth, daß die spanischen Fahrten von Mexiko nach den Philippinen fortgesetzt wurden, obwohl diese Inselgruppe nordwestlich von den Molukken liegt und nach dem Vertrag von 1529 in den Machtbereich der Portugiesen gezogen war.
Die letzten Spanier unter de la Torre, 16 Mann, welche sich in jenem Gebiet behauptet hatten, konnten erst 1534 nach Europa den Rückweg antreten, aber kaum die Hälfte erreichte 1536 den heimatlichen Boden. Unter ihnen Torre und der berühmte Pilot Andres Urdaneta, welcher nach seiner Rückkehr einen wichtigen Beitrag zur Kenntniß der Gewürzländer gab und seinen Bericht im Februar 1537 dem Könige in Valladolid überreichte.[496]
Von nun an blieb Portugal im unbestrittenen Besitz des Gewürzhandels, bis die Niederländer im Anfange des 17. Jahrhunderts sie verdrängten.[497]