Wenn durch den Vertrag von Saragossa 1529 die Fahrten nach den Molukken für die Spanier aufhören mußten, so blieb ihnen doch unbenommen die weite Wasserfläche des stillen Oceans, über welche bisher nur einige wenige Recognoscirungslinien gezogen waren, weiter zu erforschen; denn der Glaube an das Vorhandensein reicher Inseln beherrschte noch die Vorstellung und trieb zu neuen Streifzügen.

Als Ferdinand Cortes im Jahre 1536 dem Pizarro in zwei Schiffen Hilfstruppen nach Peru schickte, gab er dem Hernando Grijalva zugleich den Befehl, nach Erfüllung des genannten Auftrags von der Westküste Südamerika’s aus nach Asien hinüberzusteuern. Sie wählten die Route in der Nähe des Aequators, gingen weit ins Meer hinaus, ohne irgend ein Land zu entdecken, so daß Grijalva schon willens war, nach Mexiko zu steuern; allein daran wurde er durch die beständigen Gegenwinde gehindert. So wurde denn die Fahrt bis in die Nähe von Neu-Guinea fortgesetzt, wo an einer von Melanesiern bewohnten Insel die Schiffe zu Grunde gingen und die Mannschaft bis auf wenige Personen erschlagen wurde. Die letzten Ueberlebenden befreite der portugiesische Gouverneur auf den Molukken. Einige Jahre später ließ der Vicekönig von Mexiko, Antonio de Mendoza, eine größere Flotte von sechs Schiffen ausrüsten und sandte sie im November 1542 von Neuspanien nach dem Westen. Ruy Lopez de Villalobos berührte zunächst die Revillagigedogruppe und stieß dann, an den Marshallsinseln vorbeisegelnd, auf die mittleren Carolinen, und zwar auf die Hallinseln und auf Namonuito, flache, dichtgrüne Eilande, von tiefem Meere umschlossen und von einer armen, rohen Bevölkerung bewohnt. Villalobos gab ihnen den Namen Coralleninseln und los Jardines (die Gärten).[498] Am 23. Januar 1543 stieß er auf Inseln, deren Bewohner schon früher Besuch von Spaniern erhalten hatten, denn sie riefen den neuen Ankömmlingen zu ihrer Verwunderung den spanischen Gruß: buenos dias matalotes! zu und machten das Zeichen des Kreuzes. Daher erhielten die Inseln den Namen Matalotes (Schiffer).[499] Fünfunddreißig Meilen weiter westlich tauchte eine größere, von Corallenriffen umgebene Insel auf, welcher man den treffenden Namen Riffinseln (Islas de arrecifes) gab; es war die Gruppe der Palauinseln. Von hier nach Westen steuernd kam das Geschwader am 29. Januar in Sicht der Philippinen. Vor ihnen lag die Insel Mindanao; hier landete Villalobos am 2. Februar und blieb einen Monat, in der Absicht, dort eine Niederlassung zu gründen. Zu Ehren des Kaisers nannte er das Land Cäsarea Caroli. Da aber sich das Klima ungesund erwies und die Einwohner sich weigerten, den Spaniern Lebensmittel zu liefern, so mußte er sich weiter nach Süden wenden, bemühte sich aber auch auf den kleinern Inseln zwischen Mindanao und Celebes vergebens um Proviant, weil ihm die Insulaner überall feindselig entgegentraten und jeden friedlichen Verkehr vermieden. Nachdem darüber Monate vergangen waren, beschloß Villalobos ein kleineres Schiff nach den Carolinen zurückzuschicken, um dort Lebensmittel einzutauschen, und sandte zugleich den Capitän Bernardo de la Torre mit seinem Schiff San Juan am 26. August nach Mexiko, um dem Vicekönige Nachrichten über den Verlauf seiner Expedition zu überbringen. In dem officiellen Berichte, welchen la Torre mitnahm, wurden die großen Inseln zuerst unter dem Namen Felipinas (Philippinen, zu Ehren des spanischen Kronprinzen) aufgeführt. La Torre ging von der Insel Samar, nördlich von Mindanao, nach Nordosten, entdeckte unter dem 25. Grad n. Br. die vulkanischen Inselchen südlich von der Boningruppe, welche Volcanos genannt wurden, drang dann noch bis zum 30. Parallelkreise vor, mußte hier aber wegen Wassermangel umkehren, ging durch die Philippinen zurück, wo er erfuhr, daß Villalobos sich nach den Molukken gewendet, und traf hier mit seinem Befehlshaber wieder zusammen.

Inzwischen hatte der portugiesische Gouverneur in Ternate, Jorge de Castro, Kunde von der Anwesenheit eines spanischen Geschwaders erhalten. Er sandte zwei Böte ab, um Villalobos auf den Vertrag von 1529 hinzuweisen, wonach alle Inseln bis zu den Ladronen den Portugiesen zuerkannt waren. Wären die Spanier nicht in der Absicht Eroberungen zu machen in jene Regionen gerathen, dann werde er sie gern mit Lebensmitteln unterstützen. Sonst müsse er aber ihren Rückzug fordern.

Villalobos erwiderte darauf, er habe den Auftrag erhalten, sich auf den Philippinen festzusetzen, denn diese lägen weit genug von den portugiesischen Molukken entfernt, um keinen Anlaß zu Zwistigkeiten zu bieten. Aber auch gegen diese Absichten legte de Castro im Namen seines Königs Protest ein.

Da nun aber die Noth auf den spanischen Schiffen wuchs und viele Matrosen starben, mußte Villalobos gegen seinen Willen die Molukken aufsuchen. Er vermied es, mit den Portugiesen in Streit zu gerathen, und machte noch einmal den Versuch, sich mit Mexiko in Verbindung zu setzen und von dort Hilfe zu erbitten. Zu dem Zwecke wurde im Mai 1545 der San Juan unter dem Capitän Iñigo Ortiz de Retes ausgesandt; dieser schlug um Halmahera herum den Weg nach Südosten ein und traf so auf die Nordküste von Neu-Guinea, welche Menezes schon 1526 gefunden hatte (s. oben [S. 206]). Zwei Monate lang kämpfte er gegen das Unwetter an, welches ihn vom 15. Juni bis 16. August an den Gestaden der Papuainsel und der vorliegenden Inseln[500] festhielt. Retes landete an mehreren Punkten, um Wasser und Holz einzunehmen. An der Küste breiteten sich weite Ebenen aus, aber dahinter hoben sich im Innern mächtige Gebirge empor. Zu wiederholten Malen wurden die Spanier von den Kriegsböten der schwarzen Bewohner angegriffen. Diese Kähne hatten einen Aufbau, eine Art Kastell, welches dem Hintertheil der spanischen Schiffe an Höhe fast gleich kam. Oben standen die Krieger, unten befanden sich die Bänke für die Ruderer. Retes nahm trotzdem an einer günstigen Stelle, wo er länger verweilte, für Spanien von dem Lande Besitz und gab ihm den noch giltigen Namen Neu-Guinea. Gegen Osten drang er bis zu den Vulkan- und Dampierinseln (4° 40′ s. Br., 146° ö. v. Gr.) vor. Zwei Meridiane weiter wäre er auf den Neubritannischen Archipel gestoßen; aber er entschloß sich nach der langen, vergeblichen Arbeit, gegen den Willen der Piloten, einen nördlichen Cours einzuschlagen, mußte aber bald dem dringenden Verlangen der Mannschaft, welche den Anstrengungen zu erliegen drohte, nachgeben und den Befehl zur Umkehr ertheilen. Am 3. October traf er wieder in Tidor ein. Villalobos sah somit keine Möglichkeit, über den stillen Ocean sich Unterstützung zu verschaffen. Die vergeblichen Bemühungen eines tüchtigen Schiffes, welches zweimal nach verschiedenen Richtungen den Ocean zu kreuzen versucht hatte, bewiesen ihm, daß er mit seiner ganzen Flotille unrettbar den Portugiesen in die Hände fallen müsse, denn den Rückweg durch den indischen Ocean und um Afrika herum durfte er nach den Verträgen zwischen beiden Mächten nicht einschlagen.

Als nun kurz nach der Rückkehr des San Juan unter Retes im October 1544 ein neuer Statthalter auf den Molukken erschien, Fernão de Sousa, kündigte dieser den Spaniern die lange gewährte Gastfreundschaft und forderte dieselben ohne Umschweife auf, die Gewürzinseln zu verlassen. So mußte Villalobos seine Schiffe den Portugiesen überliefern, da er bei der Schwäche seiner Mannschaft es nicht auf eine Entscheidung durch Kampf konnte ankommen lassen. Er erreichte nur, daß seine Leute ihr Privateigenthum behielten und in kleinen Abtheilungen auf portugiesischen Frachtschiffen nach Europa zurücktransportirt wurden. Villalobos starb kurz vor Ostern 1546 auf Ambon, 144 Personen gelangten, die letzten allerdings erst 1548, nach Europa zurück.

Trotz dieser Miserfolge wurde der Plan, die Philippinen zu colonisiren noch nicht aufgegeben, aber die Ausführung wurde während der letzten Jahre der Regierung Karls V. noch hinausgeschoben. Sein Nachfolger Philipp II. faßte sie bald bestimmter ins Auge. Um die Rechtsansprüche der Portugiesen kümmerte man sich weniger, da man wußte, daß der kleine Nachbarstaat bei zunehmender Erschöpfung seiner Kräfte nicht daran denken konnte, von den Molukken seine Macht noch weiter auszudehnen. Außerdem ließ sich das Gewissen auch leicht durch den Gedanken beschwichtigen, daß man bei einer Colonisirung der Philippinen doch vor allem das Seelenheil der dortigen Bewohner im Auge habe. So erhielt schon 1559 der Vicekönig von Mexiko Luis de Velasco den Auftrag, eine Flotte auszurüsten. Die Regierung rechnete dabei in erster Linie auf die Unterstützung Urdaneta’s, welcher die Expedition Loaysa’s mitgemacht hatte und aus langjähriger Erfahrung die Sundawelt kannte, dazu aber auch als erfahrener Seemann in gutem Andenken stand. Zwar hatte derselbe 1552 das Ordenskleid der Augustiner genommen und lebte zurückgezogen in einem Kloster in Mexiko. Als nun der Ruf zur Theilnahme an ihn erging, war er alsbald bereit, zumal er bei dieser Gelegenheit einen Lieblingsgedanken, das große unbekannte Südland zu entdecken, hoffte verwirklichen zu können. Zur Verkündigung des Christenthums wurden außer ihm noch vier andere Mönche seines Ordens gewonnen. Die Vorbereitungen währten mehrere Jahre, erst im November 1564 waren vier Schiffe segelfertig und steuerten von Navidad aus über das stille Weltmeer. Zum Leiter war Miguel Lopez de Legaspi, ein ruhiger, besonnener und tüchtiger Mann erkoren. Derselbe hatte den bestimmten Befehl erhalten, sich genau an die von Villalobos eingeschlagene Route zu halten; es war also entschieden nicht auf zeitraubende Versuche, neue Länder im Ocean zu entdecken abgesehen, vielmehr so schnell als möglich die Philippinen zu erreichen. Trotzdem hatte Legaspi das Unglück, unterwegs eines von den kleinen Schiffen einzubüßen. Dasselbe trennte sich in folge verschiedener Segelgeschwindigkeit von den übrigen, fuhr allein über den Ocean, berührte auch die Philippinen und kehrte dann, durch Stürme weit nach Norden geführt, jenseit des 40. Grades nördl. Br. über den Ocean nach Mexiko zurück. Es fand also zufällig den Weg, den Loaysa, de la Torre und Retes vergebens gesucht hatten.

Legaspi langte am 3. Februar 1561 bei dem Archipel der Philippinen an, fand aber überall kühlen oder selbst feindseligen Empfang, bis es ihm auf Bohol gelang, durch Vermittelung eines Malaien für seine Mannschaft hinreichende Lebensmittel einzutauschen. Nach einer Recognoscirung der nächsten Inseln beschloß er, Ende April, sich mit Gewalt auf Zebu festzusetzen. Man sah diese Insel als spanisches Eigenthum an, seit die Häuptlinge bei Anwesenheit Magalhães’ der spanischen Krone gehuldigt hatten. Durch geschickte Unterhandlung erreichte Legaspi sein Ziel; die Bewohner von Zebu huldigten von neuem und begaben sich unter seinen Schutz, wofür er sie gegen ihre Feinde zu vertheidigen versprach.

Nachdem so die Anfänge der Besiedelung geglückt, kehrte Urdaneta nach Mexiko zurück, um über die Resultate der Fahrt zu berichten. Er schloß mit Recht, daß man ähnlich wie im atlantischen Ocean, in höheren Breiten, außerhalb des tropischen Gürtels mit seinen constanten Passatwinden werde auf westliche Winde rechnen können, welche eine Fahrt von Asien nach Amerika über den Ocean ermöglichten. So ging er mit seinem Schiffe getrost von den Philippinen nach Nordosten bis zum 43° n. Br. und landete nach einer Fahrt von vier Monaten am 30. October 1565 wohlbehalten in Acapulco. Diese nicht aufs Gerathewohl unternommene, sondern auf wissenschaftlichen Erwägungen beruhende Segelrichtung zeigte für alle folgende Zeit den Spaniern die Bahn, auf welcher man von den Philippinen den Rückweg nach Mexiko einzuschlagen habe. Die Verbindung der Philippinen mit der neuen Welt war von da an nicht mehr dem Zufall preisgegeben, sie wurde eine durchaus geregelte und knüpfte naturgemäß diese asiatische Inselgruppe an die Verwaltung Neuspaniens. Urdaneta ging von Mexiko mit seinen Berichten nach Spanien, kehrte dann wieder in sein Kloster zurück und starb daselbst am 3. Juni 1568.

Legaspi erhielt unterdessen schon im August 1567 auf zwei Schiffen neue Truppen von Mexiko und wurde dadurch in Stand gesetzt, gegenüber dem Ansinnen der Portugiesen, von den Philippinen zu weichen, sich behaupten zu können. Gonzalo Pereira, der Statthalter auf den Molukken, suchte die spanische Niederlassung mit Heeresmacht zu überrumpeln, konnte aber seinem wachsamen Gegner nichts anhaben und mußte unverrichteter Sache wieder abziehen. Legaspi ersah eben daraus, daß seine Niederlassung auf Zebu doch in zu gefährlicher Nähe der Molukken läge und daß es gerathener sei, einen entfernteren Platz zum Ausgangspunkt seiner Colonisation zu wählen, wo er sich vor unerwarteten feindlichen Besuchen sicherer fühlen könne.