Im Jahre 1570 wurde der erste Angriff auf die Insel Luçon gemacht und dabei das Dorf Manila erobert. Im nächsten Jahre erschien Legaspi mit einer größeren Flotte an der Bai von Manila, — denn er hatte wiederum von Mexiko neue Schiffe und Mannschaften erhalten und war vom König Philipp II. in Anerkennung seiner Leistungen zum Adelantado ernannt — und brachte nach einem glücklichen Gefecht gegen die feindliche mohammedanische Partei eine Anzahl von Häuptlingen zur Anerkennung der spanischen Oberhoheit. An der Mündung des Pasigflusses, an welchem jetzt sich die bedeutendste Stadt der Inselgruppe, Manila, erhebt, baute er eine Festung und legte damit den Grund zur Hauptstadt der Philippinen. Legaspi starb im August 1572, aber seine Nachfolger wußten sich zu behaupten, so daß die Colonie dauernd im Besitze Spaniens verblieb. —
Alle Fahrten über den großen Ocean boten bis auf Legaspi und die ihm in den nächsten Jahren zur Hilfe nachgesandten Schiffe für die Bereicherung der Erdkunde durch Entdeckungen wenig Gewinn, da der vorgeschriebene Cours durch den an Inseln ärmsten Theil des Meeres führte. Das wichtigste war, abgesehen von der Erforschung und Besitzergreifung der Philippinen, die Entdeckung der Nordküste von Neu-Guinea durch Retes. Durch diese Entdeckung wurde aber der Glaube an ein großes unbekanntes Südland, dessen Vorstellung aus dem Alterthum herübergenommen und weiter ausgebildet wurde, neu belebt. Man setzte die nach Südosten verlaufende Küstenlinie des Landes der Papuas mit dem Feuerlande in Verbindung und erwartete von der Auffindung und Ausbeutung dieses großen Landes unberechenbaren Gewinn.
Die Lösung dieser Aufgabe fiel naturgemäß dem Vicekönig von Peru zu, während Mexiko seine Thätigkeit auf die Kräftigung der Colonisation der Philippinen zu richten hatte. Als ein Vorläufer der ersten größeren Expedition kann die kühne Fahrt des Juan Fernandez bezeichnet werden, von welcher wir leider nur sehr verschwommene Nachrichten besitzen. Fernandez fand nämlich, indem er der an der Westseite Südamerika’s nordwärts gehenden Küstenströmung auswich und, um von Peru nach Chile zu gelangen, einen weiteren Bogen durch den Ocean machte, die westlich von Valparaiso gelegenen Felseninseln, welche noch seinen Namen tragen und im Anfange des 18. Jahrhunderts der Schauplatz und unfreiwillige Aufenthalt eines englischen Matrosen Alexander Selkirk wurden, aus dessen Erlebnissen Daniel Defoe seinen weltberühmten „Robinson“ schuf. Juan Fernandez sah aber, wahrscheinlich auf einer andern Fahrt, weiter gegen Südwesten die Küsten eines hohen Berglandes, vermuthlich Neuseeland, welches in der folgenden Zeit aber wieder zu einem Theil des gesuchten Südlandes gestempelt wurde.
Pedro Sarmiento erbot sich zuerst, 1567, durch einen Streifzug in den Ocean über die Lage des Südlandes Klarheit zu schaffen; aber wenn er auch die Idee angeregt hatte, so übergab doch nicht ihm, sondern dem General Alvaro de Mendaña der Vicekönig von Peru das Commando über die beiden zu der Expedition bestimmten Schiffe. Sarmiento ging indes auch als Capitän des Hauptschiffes mit[501] und unter ihm Hernan Gallego als Pilotmayor. Wie sicher man das große unbekannte Land zu finden hoffte, erhellt daraus, daß zur Verkündigung des Christenthums vier Geistliche an der Fahrt theilnahmen. Mendaña segelte am 20. November 1567 von Callao, dem Hafen Lima’s, gegen Südwesten; nach Zurücklegung von 170 Leguas verlor, wie es scheint, der General den Muth, noch weiter südwärts vorzudringen. Mit seiner Genehmigung steuerte Gallego trotz der Proteste Sarmiento’s, welcher sich auf ihre Instruction berief, wieder nach Norden. Acht Tage später, als man sich schon unter der geringen Breite von 14° s. Br. befand, forderte Sarmiento noch einmal, den südwestlichen Cours wieder aufzunehmen. Mendaña lehnte es ab und segelte in der Richtung nach den Philippinen weiter. Erst als man unter 5° s. Br. noch auf kein Land gestoßen war, — man folgte offenbar dem Pfade Magalhães’ — gab der General in sofern dem wiederholten Drängen Sarmiento’s nach, daß er West ¼ zu Süd steuern ließ. So wurde am 15. Januar 1568 eine kleine bewohnte, mit Palmen bedeckte Coralleninsel gefunden, welche den Namen Jesus erhielt. Dieselbe hatte auf der Nordseite ein Riff, welches eine Viertelmeile in die See hinausging, auch die Südseite war mit einem kleineren Riff besetzt und nur im Osten zeigten sich in demselben Lücken, durch welche man an den Strand gelangen konnte.[502] Von hier aus ging die Fahrt etwa auf dem 6° s. Br. gegen Westen, und so entdeckte man am 7. Februar die mittlere der hohen Salomonsinseln, auf welcher sich die Berge bis 1200 Meter erheben. Man taufte sie Santa Isabel de la Estrella, weil man am Tage der heiligen Isabella von Peru abgefahren war und fügte „estrella“ hinzu, weil man bei der Landung am hellen Tage einen Stern zu sehen meinte. In der Sternbai (bahia de la estrella) gingen die Schiffe vor Anker. Die dunkelhäutigen Einwohner[503] sahen zu, wie die Spanier in üblicher Form von der Insel Besitz nahmen, es wurde sogar notariell bescheinigt, daß die Häuptlinge dem Könige von Spanien gehuldigt hätten. Das Land war reich an Lebensmitteln, es gab Schweine und Hühner; man fand vortreffliches Schiffbauholz und vermeinte auch alsbald geschätzte Gewürze und Droguen als Ingwer und Zimmt, Aloe und Sarsaparille entdeckt zu haben. Vor allem war man aber entzückt, sichere Anzeichen von Gold zu finden (grande disposicion de oro) und belegte daher später in dem kühnen Wahn, hier das langgesuchte, goldreiche Ophir des Königs Salomo gefunden zu haben, die ganze Gruppe mit dem Namen Salomonsinseln. Anfänglich hielt man das entdeckte Land für einen Theil des Südlandes, als aber Pedro de Ortega die ganze Insel umfahren hatte, mußte man sich von der Inselnatur überzeugen. Die Schiffe blieben bis zum 8. Mai im Sternhafen und wandten sich dann nach Südosten, um die von Ortega bereits gemachten Entdeckungen weiter zu verfolgen. So wurden dann auch die südlichern großen Inseln, welche zum Salomonsarchipel gehören, bis zu San Cristoval entdeckt; aber der Wunsch Sarmiento’s, noch weiter nach Süden vorzudringen, blieb unerfüllt. Man trat den Rückweg an, ging am 4. September über den Aequator und steuerte nach Neuspanien, wurde dort aber noch mehrere Monate durch Sturm umhergeworfen und verlor durch Hunger und Entbehrungen viele Leute, ehe man in dem mexikanischen Hafen von Santiago (19° n. Br.) am 22. Januar 1569 Zuflucht fand, nachdem das Schiff Mast und Böte verloren hatte. Erst im März konnte die Fahrt nach Peru fortgesetzt werden, wo am 22. Juli die höchst beschwerliche Reise beendigt wurde.[504]
Fast ein Menschenalter blieben die Entdeckungen liegen; erst unter dem Vicekönig Garcia Hurtado de Mendoza, Marques de Cañete wurden sie wieder aufgenommen. Mendaña erhielt zum zweitenmale die Leitung und unter ihm als Pilotmayor der Portugiese Pedro Fernandez de Quiros. Eine Flotte von vier Schiffen ging am 9. April 1595 von Callao, und nachdem sie in Paita ihre Ausrüstung vollendet hatte, von diesem Hafen am 16. Juni ab. Das Ziel bildeten die Salomonsinseln. Auf dem Wege dahin entdeckte man zuerst die südliche Gruppe der hohen Gebirgsinseln, welche nach dem Vicekönig den Namen Marquesas de Mendoza erhielten. Es wurden nacheinander die Inseln Magdalena, S. Pedro, S. Cristina und Dominica besucht. Die kriegerischen Polynesier trieben etwas Ackerbau und besaßen Hühner und Schweine. Die Spanier lernten hier den geschätzten Brotfruchtbaum kennen, nahmen von den Inseln in üblicher Weise Besitz und segelten am 5. August nach Westen. Weiterhin wurden San Bernardo (jetzt Pukapuka) und Solitaria (Olosenga) gefunden, zwei flache, grüne Coralleneilande. Die weiter südlich gelegenen Samoa- und Vitiinseln wurden nicht gesehen.
Schon fing die Mannschaft an zu murren, daß man die Salomonsinseln nicht finden könne, und als das Geschwader am 8. September an dem steil aus der Meeresflut in Gestalt eines Zuckerhutes auftauchenden Kegel eines Vulkans, der den Namen Volcano erhielt, vorüberging, trennte sich das zweite Schiff, die Almirante, und verschwand für immer. Gleich darauf kam gegen SO. die hohe Insel Sa. Cruz in Sicht und belebte den sinkenden Muth. Die dunkle Bevölkerung zeigte sich anfänglich für friedlichen Verkehr geneigt, allein bald sahen die Spanier sich bei der Landung von mehreren hundert Insulanern angegriffen. An der schönen Hafenbai im NW. der Insel, an der Bahia graciosa, wollte Mendaña eine Niederlassung gründen, er hatte zu dem Zwecke 280 Soldaten mit an Bord; allein die Truppen revoltirten, wollten an dem ungastlichen Gestade sich nicht verbannen lassen, sondern sehnten sich nach Peru zurück. Zum Unglück starb während dieser Zeit Mendaña nebst zwei Geistlichen; sein Nachfolger Quiros hielt es für gerathen, den Plan einer Besiedelung aufzugeben und das Land zu verlassen. Am 18. November stach er wieder in See, um die Salomonsinseln zu suchen; da ihm aber die Lage nicht genau bekannt war, steuerte er statt nach W., nach NW. und bekam daher die vielversprechenden Inseln nicht zu Gesicht. Bei dem schlechten Zustande seiner Fahrzeuge und den traurigen Gesundheitsverhältnissen an Bord (er hatte in einem Monat 47 Leute verloren) sah sich Quiros nicht in der Lage, weitere Entdeckungen zu versuchen; er richtete vielmehr seinen Cours nach den Philippinen, wenn er auch keine Karten von jenen Inseln bei sich hatte, und erreichte glücklich Manila, nachdem auch noch ein zweites Schiff im Stich gelassen war, weil es wegen eines Leckes schlecht segelte.
Auf dem bekannten Wege trat er dann seine Rückreise über den Ocean nach Mexiko an, erreichte am 11. December 1597 Acapulco und im Mai 1598 Paita in Peru.
Als Grund, weshalb man die Salomonsinseln nicht wiedergefunden, giebt Quiros vor allem die falschen Berechnungen des Piloten Gallego auf der ersten Fahrt Mendana’s an, welcher die Entfernung zu kurz geschätzt habe.
Man findet nämlich in dieser Zeit statt der Längenbestimmungen nur nach der Fahrgeschwindigkeit gemachte Schätzungen der Entfernung der Inseln von der Westküste Peru’s angegeben. Gallego hatte den Abstand von Lima bis zu den Salomonsinseln zu 1450 spanischen Meilen (Leguas) angenommen, während Quiros behauptete, schon bis Sa. Cruz betrage die Entfernung 400 Meilen mehr. Wenn demnach (und die Berechnungen, welche Quiros anstellte, waren sicher richtiger als jene Gallego’s) die Salomonsinseln eher im Osten als im Westen von Sa. Cruz vermuthet wurden, so ahnte Quiros doch ganz richtig, beide Inselgruppen könnten nicht zu fern von einander liegen und dürften sich gegen Nordwesten an die Landmassen und Inseln anlehnen, welche bis Neu-Guinea und selbst bis zu den Philippinen reichten; denn dafür spreche außer der gleichartigen Erscheinung der Gebirgsinseln die nämliche dunkle Bevölkerung, welche wir jetzt als Melanesier bezeichnen, mit denselben Hausthieren (Hühnern und Schweinen), gleichen Waffen und manchen verwandten Formen der Sitte.[505]
Die Salomonsinseln blieben noch durch das ganze folgende Jahrhundert in Dunkel gehüllt, und erst Bougainville fand sie 1768 wieder. Quiros erbot sich zwar, sofort noch einen Versuch zu wagen; doch da der Vicekönig Bedenken trug, ohne besonderen Befehl des Königs die Mittel zur Ausrüstung einer neuen Flotte zu geben, so wandte er sich persönlich an den Papst Clemens VIII. und durch dessen Empfehlung an Philipp III. von Spanien und erlangte so, daß ihm endlich 1605 einige Schiffe für seine Unternehmung zur Verfügung gestellt wurden. Er hatte wissenschaftliche Probleme zu lösen in Aussicht gestellt: er behauptete nämlich eine leichtere und sicherere Bestimmung der geogr. Breite zu kennen, und wollte seine Reise um die ganze Erde ausdehnen, um überall die Abweichung der Magnetnadel zu beobachten. Sein Hauptaugenmerk war auf die australischen Länder von Sa. Cruz und die Salomonsinseln bis nach Neu-Guinea und Java gerichtet. Aber er verstand auch die Geistlichkeit durch seinen auffällig an den Tag gelegten Eifer für die Verbreitung des Glaubens zu gewinnen. Seit Columbus war kein Entdecker wieder so devot erschienen; aber bei Quiros scheint der Glaubenseifer nur Mittel zum Zweck gewesen zu sein. Der König Philipp III. bezeichnete es indes als ein gottwohlgefälliges Werk, das Australland entdecken und die Bewohner bekehren zu lassen.