Am 21. December 1605 ging Quiros von Callao mit drei Schiffen ab, welche auf ein Jahr Lebensmittel an Bord hatten. Sechs Franziskaner und vier Johannisbrüder zur Krankenpflege begleiteten ihn. Luis Vaez de Torres befehligte unter ihm das zweite Schiff. Kühn steuerte er gegen Südwesten bis über den 26° s. Breite; als aber dort stürmisches Wetter die Fahrt unbequem machte, wich er nach dem tropischen Gürtel zurück, streifte die südlichsten Inseln der Paumotu und betrat zuerst das reizende Tahiti, von ihm Sagitaria genannt, und kam am 7. April in die Nähe von Sa. Cruz zu der Insel Taumaco, deren Häuptling ihm die Namen von etwa 70 Inseln gab und ihre Lage und Größe andeutete. Dadurch geleitet wandte sich Quiros nach Süden und entdeckte so am 1. Mai die Hauptinsel der neuen Hebriden, welche er, in merkwürdiger Selbsttäuschung befangen, für das gesuchte continentale Australland ausgab und Espiritu Santo nannte. In pomphafter Weise nahm er im Namen der heiligen Dreieinigkeit, der katholischen Kirche, des heil. Franciskus und seines Ordens, des Juan de Dios und seines Ordens und im Namen des Königs von dem Lande Besitz, beschloß auf der fruchtbaren Insel eine Stadt „Neu-Jerusalem“ am Fluße „Jordan“ zu gründen, und behauptete, dieser kaum vier Meilen lange Bach sei so breit als der Guadalquivir bei Sevilla. Bei der feindseligen Haltung der Insulaner mußte er aber bald von seinen phantastischen Plänen abstehen. Tagelang dauernde Stürme nöthigten ihn aus der Bucht an dem heiligen Geistlande aufs offene Meer zu flüchten, wo er von den beiden andern Schiffen getrennt wurde und am 20. Juni seinen Rückweg allein fortsetzte. Am 3. Juli erreichte er den Aequator, steuerte bis zum 1. September in nordöstlicher Richtung bis zum 38° n. Br., wandte sich dann nach Osten und gelangte am 20. October in den mexikanischen Hafen von Navidad.
In arger Uebertreibung schilderte er in seinen Berichten das entdeckte Land, die Australia del espiritu santo, als reich gesegnet mit allen tropischen Produkten und behauptete, das Land sei so groß als ganz Europa und Kleinasien bis ans kaspische Meer.[506] Unermüdlich suchte er in einer Reihe von Schriften, welche er an den König richtete, die Wichtigkeit und Nothwendigkeit einer Colonisation des schönen Landes darzuthun, aber ohne Erfolg. Und schon im Jahre 1613 bezeichnete Diego de Prado in einem Briefe an den König die ganze Erzählung als Täuschung und Lüge.[507]
Quiros beschloß die Reihe der spanischen Entdeckungszüge in dem südl. Theil des großen Oceans.
Einen größeren und namhafteren Erfolg als er selbst trug sein Capitän Torres davon, welcher, als er sich von dem Hauptschiffe getrennt sah, mit seinem kleinen Fahrzeuge kühn den geraden Weg nach den Philippinen einschlug. Am Louisiadenarchipel glaubte er bereits die Küste von Neu-Guinea erreicht zu haben, bahnte sich dann innerhalb zweier Monate an der Südseite dieser größten Erdinsel durch zahllose Klippen, Riffe, Eilande und Corallenbarrieren einen Weg nach Westen und Nordwesten, bis er endlich die Molukken erreichte, von wo aus er sich nach Manila begab. So wurde er der Entdecker der später mit Recht nach ihm benannten „Torresstraße“, welche den australischen Continent von dem Lande der Papuas scheidet; aber seine Entdeckung blieb bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts ein in den spanischen Archiven von Manila begrabenes Geheimniß, und James Cook war erst 1770 der erste Nachfolger des Torres durch jene Straße. Torres berührte das Australland an der Nordspitze, aber die Enthüllung der Küsten des Continents fiel im 17. Jahrhundert den Holländern, im 18. den Engländern zu.
Zum Schluß müssen wir noch einer wichtigen Entdeckung auf dem südwestlichen Wege nach Indien gedenken, welche die beiden holländischen Capitäne Le Maire und Schouten 1616 machten. Sie fanden nämlich das Südende des Feuerlandes und gingen mit Vermeidung der gefürchteten Magalhãesstraße um das Cap Hoorn, welches Schouten nach seiner Vaterstadt am Zuyderzee benannte, direct aus dem atlantischen in den großen Ocean und wiesen damit allen ihren Nachfolgern einen bequemeren Eingang in das stille Meer.
Viertes Capitel.
Die Versuche, einen nordwestlichen Weg nach Indien zu finden.
1. Giovanni und Sebastiano Cabotto.
Der Gedanke, von den Küsten Europa’s auf nordwestlicher Fahrt einen Weg nach China und Indien aufzusuchen, fand zuerst in England, als in dem für eine solche Unternehmung am günstigsten gelegenen Lande, eine thatkräftige Förderung. Auch hier ging die Anregung von einem Italiener, und zwar von einem Landsmanne des Columbus aus. Wenn er auch seine ersten Versuche vielleicht noch vor der ersten Fahrt des Entdeckers der neuen Welt gemacht hat, so darf doch bezweifelt werden, ob ihm die Priorität des Planes gebührt, denn man weiß, wie lange sich Columbus mit der Idee beschäftigt hatte, ehe es ihm vergönnt war, mit seinem ersten kleinen Geschwader von Palos aus in See zu stechen.
Der Träger des Gedankens einer nordwestlichen Bahn nach Asien ist Giovanni Cabotto, oder wie ihn die Engländer nennen, John Cabot.[508] Seine Zeitgenossen bezeichnen ihn allgemein als einen Genuesen, dessen Wiege am ligurischen Strande in Castiglione oder Savona stand.[509] Im Jahre 1461 wandte er sich nach Venedig, wo er am 28. März 1476 das Bürgerrecht erhielt, nachdem er, wie es das Gesetz vorschrieb, 15 Jahre in der Stadt ansässig gewesen war. Er erhielt das Privilegium civilitatis nach innen und außen, d. h. er konnte nun seine bürgerlichen Rechte nicht blos in der Stadt ausüben, sondern er genoß alle Handelsvorrechte auch in der Fremde und durfte unter der Flagge des heiligen Markus segeln.