Nach Nordwesten steuerte er nur noch einmal, wahrscheinlich 1503. Aber über diese Fahrt hat sich nur eine einzige Bemerkung in Robert Fabians Chronik erhalten, wonach Sebastian Cabotto von den neugefundenen Inseln mehrere in Felle gekleidete Wilde mitbrachte, welche rohes Fleisch aßen und deren Sprache niemand verstand.[515]

Nach dem Tode Heinrichs VII. (1509) ging der Venetianer, vermuthlich 1512, nach Spanien, wo er mit einem Gehalt von 50,000 Maravedis als Capitän angestellt wurde. Ob er im indischen Rathe Sitz und Stimme erhalten, ist zweifelhaft; denn sein Name findet sich in den betreffenden Listen nicht. Doch wurde er später unter den Kosmographen mit zu Rathe gezogen, welche die Anrechte Spaniens an die Molukken erweisen sollten. Für das Jahr 1516 war eine Nordwestfahrt unter seiner Leitung geplant; da aber König Ferdinand schon im Anfange dieses Jahres starb, so unterblieb diese Expedition.

Sebastian Cabotto ging wieder nach England, suchte hier seine Idee zu verwirklichen, doch scheiterte auch diese Expedition an der Zaghaftigkeit des Viceadmirals Thomas Pert (1517).

Sobald daher Cabotto vernahm, daß der junge König Karl nach Spanien gekommen sei, beeilte er sich, diesem seine Dienste anzubieten, und erhielt als Pilot mayor ein Gehalt von 125,000 Maravedis (= 300 Ducaten). Trotzdem finden wir ihn 1519 auf kurze Zeit in England.

Aus den Berichten des venetianischen Gesandten Contarini geht hervor, daß Cabotto sich um 1522 sogar der Republik Venedig heimlich zur Verfügung stellte, um seiner Vaterstadt den Nordwestweg nach China zu zeigen. Denn nachdem die erste Erdumsegelung die große Ausdehnung der Meere im Westen der neuen Welt nachgewiesen hatte, schien es nicht mehr zweifelhaft, daß man auch im Nordwesten von Amerika einen Durchgang zum großen Ocean finden müsse. Aber diese perfiden Anerbietungen des in spanischen Diensten stehenden Piloten wurden vom Rathe in Venedig vorsichtig verschoben und blieben unerledigt,[516] da Cabotto bald darauf die Leitung einer größeren Expedition erhielt, welche dem Pfade Magalhães’ folgend in den stillen Ocean eindringen und nach den Molukken segeln sollte. Aber diese Unternehmung, welche von 1526–30 dauerte, scheiterte vollständig, denn Cabotto kam nur bis zum Laplata. Da man dem Leiter alle Schuld an dem Miserfolge beimaß, so wurde er nach seiner Rückkehr zuerst gefangen gesetzt und dann (1532) auf zwei Jahre an die afrikanische Küste nach Oran verbannt. Doch ließ König Karl schon im nächsten Jahre Begnadigung eintreten.

Gegen Ende 1547 verließ er Spanien, ohne seine Titel und seine Pension aufzugeben, und ging wieder nach England, wo er ebenfalls als Pilot mayor einen Gehalt von 166 £ bezog. Der König von Spanien rief ihn mehrmals zurück, aber der englische Kronrath erklärte, Cabotto sei Unterthan des Königs von England, und kein Recht, kein Grund könne ihn zwingen, das Land zu verlassen. Und während er so Englands Schutz und Gnadengeschenke annahm, hielt er es doch für erlaubt, noch im August 1551, zum letztenmale, seiner Vaterstadt das Anerbieten zu erneuern, eine venetianische Flotte auf dem nur ihm bekannten geheimnißvollen Wege nach China zu führen. Ob er damals noch den nordwestlichen Weg im Auge hatte, muß bezweifelt werden, wenn man bedenkt, daß er gleich darauf die Ausrüstung der Schiffe zu überwachen hatte, welche zum erstenmal die nordöstliche Straße um Europa und Nordasien nach China einschlagen sollten. Sebastian Cabotto starb wahrscheinlich bald nach dem Jahre 1557, Ort und Zeit sind unbekannt.

Wenn auch die letzte Hälfte seines sehr bewegten Lebens nur in Projecten verlief, die der in drei Staaten eingebürgerte und doch heimatlose Mann mit fieberhafter Unruhe, unbeirrt um Gewissensfragen, allenthalben ins Werk zu setzen suchte, so hat er doch das eine unleugbare, große Verdienst gehabt, daß er die englische Nation für große Unternehmungen zur See begeisterte und so gleichsam der Begründer der englischen Seeherrschaft wurde. Auf die Anregungen und Fahrten der beiden Cabots sind alle späteren Versuche, in polaren Regionen einen Weg nach China und Indien zu bahnen, zurückzuführen. Auf die unter den Auspicien der Königin Elisabeth besonders regen Expeditionen nach dem Westen und Nordwesten gründen sich die britischen Ansprüche auf den ausgebreiteten Besitz in der neuen Welt.

2. Portugiesen, Italiener und Franzosen auf dem Nordwestwege.

Fast zur selben Zeit mit Giovanni Cabotto wurden auch von Portugal aus mehrere Versuche gemacht, nach Nordwesten vorzudringen. Die Träger dieser Idee waren die beiden Brüder Gaspar und Miguel Cortereal; aber leider sind uns über ihre kühnen Fahrten nur verschwommene Mittheilungen überliefert. Es scheint, als ob der erste Vorstoß gegen Nordwesten über den atlantischen Ocean von Gaspar Cortereal schon vor dem Jahre 1500 ausgeführt, aber ohne Erfolg verlaufen ist. Auf der zweiten Expedition, 1500, welche mit mehreren Schiffen unternommen wurde, gelangte er an die Küste von Labrador, welche man als einen Theil des Continents (nach damaliger Auffassung natürlich Asiens) erkannte und wich vor dem Eise bis an die Klippen von Neufundland zurück. Alte Karten verlegen das Corterealland unter 50° bis 53° n. Br.