Facsimile der Molukken-Karte im Atlas des Diego Homen vom Jahre 1568. (Dresden, Königl. Bibliothek.)

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GRÖSSERE BILDANSICHT]

Ausschnitte aus der obenstehenden Karte:


Einen ganz andern Verlauf nahmen die Versuche der germanischen Seefahrer, der Engländer und Niederländer, im Nordwesten und Nordosten eine fahrbare Straße nach den asiatischen Tropenländern zu finden. Länger als ein halbes Jahrhundert setzten sie den Kampf mit dem Eise der Polarmeere fort, um schließlich, auf der Grenze zwischen den beiden hauptsächlich eingeschlagenen Bahnen, sich um den Besitz der Fischereien an den unwirthlichen Klippen von Spitzbergen zu befehden, bis auch hier, hundert Jahre nach dem Vertrage von Tordesillas, Friede geschlossen wurde. Welch ein Gegensatz! Dort unter den Romanen der Streit um die Gewürzinseln am Aequator, hier unter den Germanen der Kampf um die Eisfelder von Spitzbergen nahe am Pol. Aber die Gefahren im arktischen Meere, die stets erforderliche Wachsamkeit bei der Führung der gebrechlichen Fahrzeuge durch die Eislabyrinthe des hohen Nordens hatten die Kraft der germanischen Schiffer gestählt und ihr Selbstbewußtsein mächtig gehoben. Sie fühlten sich stark genug, um auch um den Besitz Indiens mit den Romanen zu ringen. Die Gründung der englischen und der holländischen ostindischen Handelsgesellschaften im Beginn des 17. Jahrhunderts eröffnete eine neue Aera des Kampfes um das alte vielumworbene Ziel Indien. Die Germanen blieben Sieger und theilten die Beute: England setzte sich in dem folgenden Zeitraum auf der Halbinsel von Vorderindien fest, die Niederländer gewannen die Sundawelt sammt den Molukken und haben bis heute diesen Besitz behauptet. —

Um ein Bild von der Kenntniß jenes merkwürdigen und wichtigen Inselgebietes zu geben, so weit es gegen das Ende der portugiesischen Herrschaft in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bereits erforscht war, geben wir zum Schluß eine getreue Copie der Karte eines ausgezeichneten portugiesischen Kosmographen Diego Homen vom Jahre 1568. Das Blatt ist einem auf Pergament gezeichneten Atlas entlehnt, welcher sich im Besitz der königlichen Bibliothek zu Dresden befindet und noch nicht veröffentlicht ist. Es zeigt uns die hohe Entwicklung und die Eigenthümlichkeit der kartographischen Kunst in der letzten Hälfte des Zeitalters der Entdeckungen.