Beide Missionen zielten nach der Hauptstadt der Großchane, nach Karakorum, in der Nähe des Baikal. Die Dominikaner-Gesandtschaft bestand aus Ascelin, Simon von St. Quentin, Alexander und Albert, mit denen sich auf der Reise noch Andreas von Lonjumel und Guichard von Cremona verbanden. Ascelin ging mit seinen Gefährten über See nach Syrien und drang durch Mesopotamien und Persien bis an die Grenze von Chowaresmien vor. Dort traf er mit dem Mongolengeneral Batschu zusammen und wandte sich dann zur Rückkehr, so daß die ganze Reise nur 59 Tage währte. Alles was wir über diesen Zug wissen, beschränkt sich auf die Mittheilungen, welche der berühmte Vincentius von Beauvais, nach den Aussagen des Simon von St. Quentin, in sein Speculum historiale aufgenommen hat. Für die Erdkunde ist wenig Gewinn daraus geflossen.

Nur das Eine wissen wir, daß Andreas von Lonjumel seine Wanderung weiter fortsetzte und um 1248 oder 1249 wirklich nach Karakorum gelangt ist.

Die Franziskaner-Gesandtschaft bestand aus Laurentius von Portugal, Benedict von Polen und Giovanni Piano di Carpine (in französischer Form: Plan Carpin). Von letzterem rührt der ausführliche Reisebericht. Sie erhielten den Auftrag, durch Mitteleuropa zum Batuchan, dem Fürsten von Kiptschak zu gehen und auf ihrem Weiterzuge möglichst viel Erkundigung über die asiatischen Völker, namentlich über die Tataren einzuziehen. Ihr Creditiv war am 5. März 1245 in Lyon ausgestellt. Am Ostersonntage verließen sie diese Stadt und reisten in einem weiten nördlichen Bogen über Troyes, Lüttich, Cöln, Dresden nach Prag, besuchten den König Wenzel von Böhmen, der sich bei dem Herrannahen der Mongolen 1241 so außerordentlich thätig und umsichtig bewiesen und alle Nachbarfürsten rechtzeitig auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht hatte. Er konnte gewiß schon mancherlei Auskunft ertheilen. Von Prag wandten sie sich nach Breslau, wo Benedict sich mit ihnen vereinigte und gingen über Krakau nach Kijew.

Von hier zogen sie sich den Dnjepr hinab nach Canove (Kaniew) und erreichten daselbst die Grenze des Tatarenreiches, durch welches sie zum Hauptquartier Batuchans nach der Wolga weiter zogen. Hierbei lernen wir von ihnen die modernen Namen jener großen Ströme Nepere (Dnjepr), Don, Wolga und Jaik (Ural) kennen.

Batu versah sie mit sicherem Geleite nach der Hauptstadt Karakorum. Diese Reise nahm 3½ Monate in Anspruch und dauerte bis zum 22. Juli. Dabei machten sie die Bekanntschaft der Kangiten oder Kanglen (Petschenegen) östlich vom Uralflusse, ritten durch die Kirgisensteppen, berührten Omyl, eine von den Karachitanen gegründete Stadt, welche östlich vom Balchaschsee am Steppenflusse Emyl oder Jemil lag, der sich in den Alakul ergießt. Von hier wandten sie sich zum Kysylbasch oder Ulungursee, an dem zu jener Zeit die Naimanhorde ihre Weideplätze besaß, und erreichten Ende Juli die Residenz des Chagan, welcher damals ½ Tagereise von Karakorum weilte. Sie trafen zu einer sehr bewegten Zeit dort ein, Kuyuk, der Sohn Okkodais, war zum Großfürsten ausgerufen und aus ganz Asien trafen die Abgeordneten der dem Weltreich einverleibten Völker und Stämme, sowie der benachbarten Fürsten ein. Es waren an 4000 Gesandte zugegen, welche dem neuen Herrn ihre Huldigungen darbrachten und Tribut zahlten. Es war also für Piano di Carpine und seine Gefährten eine sehr günstige Gelegenheit, von allen Seiten Erkundigungen einzuziehen, aber Irrthum und Wahrheit mischen sich in seiner Darstellung ineinander; verwechselte er doch selbst das schwarze und kaspische Meer. Hier lernten die Missionare auch zuerst Chinesen kennen, welche ihnen ein mongolenähnliches Gesicht zeigten, wenn dasselbe auch nicht so breit war wie bei den Mongolen. Piano gedenkt in rühmlicher Erwähnung der guten Sitten der Chinesen und der Geschicklichkeit ihrer Handwerker.

Im Frühling des nächsten Jahres kehrten sie ziemlich auf demselben Wege zurück, trafen im Mai wieder bei Batuchan ein und vollendeten über Kijew ihre Reise nach Lyon. Piano di Carpine erstattete ausführlichen Bericht über die Sitten und Lebensweise der Tataren, über ihren Cultus und Staatsorganismus. Seine Mittheilungen werden ergänzt und vervollständigt durch die Angaben, welche nach den Erzählungen seines Genossen Benedict von Polen niedergeschrieben wurden. Die ganze Reise hatte etwa zwei Jahre gedauert.

Um dieselbe Zeit machten auch mehrere Mitglieder des königlichen Hauses von Armenien bedeutende Reisen nach dem innern Hochlande von Asien. Das damals noch selbständige Königreich von Klein-Armenien war, von den Seldschucken in Kleinasien und den ägyptischen Ehubiden eingeengt, auf den östlichen Theil der Südküste Kleinasiens beschränkt. Der König Hayton oder Hethum I. beschloß, um sich mit der immer näher drohenden mongolischen Macht friedlich abzufinden, seinen Bruder Sempad oder Sinibald abzusenden, um den Großchan Kuyuk bei seiner Thronbesteigung ebenfalls zu begrüßen. Prinz Sempad war vier Jahre unterwegs. Ein Brief von ihm, wahrscheinlich von Samarkand aus an den König von Cypern gerichtet, ist uns erhalten. Darin wird erzählt, daß die mongolische Macht sich schon über fast ganz Asien ausgedehnt habe, und daß verschiedene Chane in Indien und China (Chata), in Kaschgar und Tauchat (Tangut) herrschen. Dieses letztere Land hielt Sempad für dasjenige, aus dem die drei Könige des Morgenlandes nach Bethlehem gekommen seien, um das Christkind anzubeten.

Acht Jahre später, 1254, machte sich König Hayton selbst auf den Weg, und brachte dem Nachfolger Kuyuks, Mangkukaan zu seiner Thronbesteigung seine Glückwünsche dar, um sich auch ferner ein gutes Einvernehmen mit den Mongolen zu sichern. Hayton schlug den Weg durch Kleinasien und Armenien ein, besuchte erst den mongolischen Heerführer Batschu (Batschu Noian) in Kars, wandte sich dann zum kaspischen Meere, umging den Kaukasus durch den Paß von Derbend und traf mit Batu und seinem Sohne Sartasch an der Wolga zusammen. Von hier nahm der König einen etwas nördlicheren Weg als Piano di Carpine und der Sendling Ludwig des Heiligen, Rubruck, der mit ihm in demselben Jahre die weite Steppenreise nach Karakorum vollendete. In der mongolischen Residenz, wohin er am 13. September gelangte, ward ihm eine ehrenvolle Aufnahme zu Theil; nach einem Aufenthalte von 6 Wochen nahm er am 1. Nov. Abschied und kehrte auf dem südlichen Wege durch die Dsungarei, über Otrar, Samarkand und Bochara und weiter durch Nordpersien und Armenien in seine Heimat zurück. Hayton weiß manches Interessante über die Völker Ostasiens zu berichten, natürlich stehen die Chinesen (Chataier) in erster Reihe. Von ihrem Cultus weiß er, daß sie ein Götzenbild, namens Schakemonia (Sakya-Muni), d. h. also Buddha anbeten.

Endlich haben wir hier noch eines dritten Mitgliedes der königlichen Familie zu gedenken, des Prinzen Hayton von Gorigos, der auch durch politische und kriegerische Verhältnisse weit nach Osten geführt wurde, später nach einem bewegten Leben sich in ein Kloster auf Cypern zurückzog und von hier aus als Mönch dem Pabste Clemens V. in Avignon einen Besuch abstattete. Der Pabst verlieh ihm die Prämonstratenser Abtei in Poitiers. Dort dictirte er dem Nicolaus Salconi eine Geographie von Asien und eine Geschichte der Mongolenfürsten in französischer Sprache, worauf Salconi dieselbe 1307 ins Lateinische übersetzte. Es ist die erste systematische Geographie von Asien, die wir aus dem Mittelalter besitzen; und da dieselbe im Abendlande niedergeschrieben war, fand sie bald weitere Verbreitung, namentlich in den Klöstern, wo man sich für die Thaten der Ordensbrüder lebhaft interessirte. Der prinzliche Mönch beginnt mit China. Dieses erste Capitel darf als das wichtigste bezeichnet werden, wenn auch die Züge der Darstellung allgemein gehalten sind. Cathai ist danach das größte Reich der Welt, voll Volks und voll Reichthums und liegt am Gestade des Oceans, welcher mit unzähligen Inseln besäet ist. Die Chinesen sind überaus geschickt und verachten alle andern Nationen, welche an Kunstfertigkeit ihnen nachstehen. Darum behaupten sie auch, sie allein hätten zwei Augen, die Lateiner, das heißt die Völker des Abendlandes, besäßen nur ein Auge und alle andern Nationen seien blind. Ihre Geschicklichkeit ist ganz erstaunlich und die Erzeugnisse ihres Gewerbfleißes sind bewunderungswürdig. Die Cathaier haben kleine Augen und von Natur keinen Bart. Ihre Schrift hat Hayton nicht verstanden, denn er meint, die chinesischen Buchstaben kämen an Schönheit der lateinischen Schrift gleich. Besser ist sein Urtheil über das religiöse Leben; treffend bemerkt er, die Chinesen hätten kein Verständniß für geistliche Dinge. Auch ihre Tapferkeit kann er nicht rühmen. Merkwürdig ist das Papiergeld, das mit dem rothen kaiserlichen Stempel versehen, überall im Lande cursirt und wenn es abgenutzt ist, in der Staatsbank gegen neues Papier eingewechselt wird.

Westlich von China liegt das Reich Tarse. Da dasselbe als von Uiguren bewohnt bezeichnet wird, so läßt sich die Localität mit ziemlicher Gewißheit angeben, wenn der Name auch noch nicht befriedigend erklärt ist. Tarse liegt zwischen China und Turkestan, demnach im Gebiet des Tarim. Hayton kennt die eigenthümliche uigurische Schrift, welche bei den Chinesen bereits seit dem 6. Jahrhundert Erwähnung gefunden, bewundert die großen Tempel im Lande und rühmt die Städte und die Fülle des Getreides. Weiter westwärts folgt das Hirtenland Turkestan und die von Wüsten umgebene Oase Chorasmien (Chiwa); sodann wird das kaspische Meer für den größten Landsee der Welt erklärt und ausdrücklich hervorgehoben, daß dasselbe keine Verbindung mit dem Ocean habe. Das Hauptland im südlichen Asien ist Indien; die dazu gehörigen Inseln sind reich an Edelgestein, Gold, Perlen und Specereien, besonders reich ist die Insel Selan (Ceylon).