Sodre war nordwärts nach Gudjerat gesegelt und von da nach der Küste Südarabiens hinübergegangen. Hier wurde er von einem furchtbaren Sturme überfallen und ging mit mehreren Schiffen bei den Kuria-Muria-Inseln sammt der Mannschaft zu Grunde, wahrscheinlich im Juli oder August des Jahres 1503.

Der Rest des Geschwaders wandte sich nach Indien zurück und wartete bei den Andjediven auf neuen Zuzug aus der Heimat, da sie ohne denselben sich nicht stark genug fühlten, irgend etwas zum Schutz ihrer Bundesgenossen zu unternehmen. Die erwartete Hilfe ließ auch nicht lange auf sich warten, denn schon im April 1503 waren wieder sechs Schiffe segelfertig, um von Tejo auszulaufen und im Mai sollten noch andere folgen. Am 6. April brachen Alfons und sein Vetter Francisco d’Albuquerque mit je drei Schiffen auf. Affonso d’Albuquerque, den portugiesische Geschichtschreiber den „Großen“ nennen, unzweifelhaft der bedeutendere der beiden Verwandten, betrat hier zuerst den Schauplatz, auf dem er sich unsterblich machen sollte, denn in ihm haben wir den eigentlichen Begründer der portugiesischen Macht in Indien vor uns. Er war im Jahre 1453 in der kleinen Stadt Alhandra am Tejo sechs Leguas oberhalb Lissabon, als zweiter Sohn des Gonçalo d’Albuquerque, des Herrn von Villaverde und der Donna Leonor da Menezes geboren. Im königlichen Palaste erzogen, hatte er sich zuerst 1480 bei Otranto im Kampfe gegen die Türken ausgezeichnet.

Affonso stand im fünfzigsten Lebensjahre, als er die erste kleine Flotille von drei Segeln nach Indien führte.

Einer seiner Landsleute hat ihn folgendermaßen geschildert: „Affonso d’Albuquerque war von mittlerer Größe und von angenehmem Aeußern. Das längliche Gesicht von frischer Farbe und mit einer Adlernase zierte später ein mächtiger bis über den Gürtel reichender weißer Bart, der ihm ein sehr würdiges Ansehn gab. Er war mit dem Lateinischen vollkommen vertraut und ebenso vorsichtig in seinen Worten wie in seinen Schriften. Er war geliebt und gefürchtet, ohne daß sein Wohlwollen in Parteilichkeit, oder sein Tadel in Härte überging. Er war ein Mann von Wort, ein Feind der Lüge, ein gewissenhafter Richter. Zu Lande und zu Wasser hat er viele Wunden davon getragen und mit seinem Blute bezeugt, daß er keiner Gefahr aus dem Wege gehe. Er war verschwenderisch freigebig und überließ seinen Capitänen die ganze Siegesbeute, da er stets mehr auf Ruhm als auf Reichthum bedacht war.“

Alfons von Albuquerque.

Nach dem Manuscript des Pedro Barretto de Resenda.
(In der Sloane Bibliothek des British Museum, London.)

Diesen Helden begleitete ein anderer kühner Capitän, Duarte Pacheco Pereira, dem später eine Aufgabe, ähnlich der des Spartanerköniges Leonidas, zufallen sollte. In dem Gefolge des Francisco d’Albuquerque befand sich Nicolao Coelho, welcher sich schon auf der ersten Fahrt Gama’s hervorgethan hatte. Am 6. April 1503 waren beide Abtheilungen von Lissabon abgesegelt. Im August erreichten sie die Küste von Malabar. Francisco langte zuerst an, hatte aber unterwegs ein Schiff eingebüßt. Dafür fand er die Schiffe von Sodre’s Geschwader vor und segelte damit südwärts nach Kananor und Kotschin. Als auch Affonso bald danach eintraf, hatten die Portugiesen wieder die Uebermacht, verdrängten ihre Gegner aus dem befreundeten Hafen und führten den Radscha von Kotschin in sein Gebiet zurück. Im Gefühl der Nothwendigkeit und Erkenntlichkeit willigte dieser sodann in die Anlage einer festen Citadelle. Die Capitäne stellten dem Fürsten vor, daß alle Drangsale seines Reiches nur daher rührten, daß sie aus Mangel an eigner Sicherheit ihren Bundesgenossen weniger helfen könnten. So entstand also in Kotschin die erste portugiesische Festung, welche bereits in Portugal geplant war und durch die Sendung der beiden Albuquerque ins Werk gesetzt werden sollte. Um die Citadelle rasch zu vollenden, theilten sich beide Capitäne in die Arbeit, und so entstand ein Holzbau mit Pallisaden. Bei der Besetzung der Commandantenstelle traten zwischen den portugiesischen Führern bereits Eifersüchteleien zu Tage. Jeder gab dem Bollwerk einen besonderen Namen; aber da Affonso nach dem Befehl seines Königs zuerst in Kollam Gewürzfracht einnehmen sollte, mußte er vorläufig seinem Vetter das Feld überlassen. In Kollam wurde Antonio de Sa als Factor eingesetzt. In den ersten Tagen des Jahres 1504 hatte Affonso seine Aufgabe gelöst und wollte, wie die Vorschrift lautete, gemeinschaftlich mit Francisco den Rückweg antreten. Aber dieser zögerte mit dem Einkauf der Frachten, sodaß Affonso Ende Januar sich veranlaßt sah, um die günstige Fahrzeit nicht zu versäumen, allein aufzubrechen. Mit einem geschickten Piloten steuerte er zum erstenmal, statt den Umweg über Melinde zu machen, direct auf Mosambik, umschiffte am 1. Mai bei schönem Wetter das Cap der guten Hoffnung, wurde zwar an der Guineaküste eine Zeitlang von verderblichen Windstillen aufgehalten, erreichte aber glücklich die Capverden, wo er in dem Hafen von Sa. Maria die Fahrzeuge ausbessern ließ, und langte am 3. September wohlbehalten vor Lissabon an. In seiner Begleitung befand sich ein Venetianer Bonavito d’Alban, der vor zweiundzwanzig Jahren über Aegypten nach Indien gegangen und sich lange Zeit in Malaka aufgehalten hatte. Von ihm erhielt Albuquerque manche wichtige Nachrichten über die entfernten Gewürzländer und über Malaka besonders, was für die späteren Unternehmungen von großem Einfluß war.

Francisco d’Albuquerque war erst am 5. Februar von Indien aufgebrochen, wurde aber an der Ostküste Afrikas von Stürmen überfallen und ging sammt Nicolao Coelho unter. Von einem anderen Schiffe, welches früher zum Geschwader Sodre’s gehört hatte, rettete sich nur die Mannschaft. In Indien blieb vorläufig Duarte Pacheco mit einigen Schiffen zurück.

Bald nach der Abfahrt der beiden Albuquerque von Lissabon war ihnen im Mai 1503 der Castilier Antonio de Saldanha mit drei Schiffen gefolgt, um an Stelle Sodre’s vor dem rothen Meere zu kreuzen. Schon im Golfe von Guinea wurden die drei Fahrzeuge von einander getrennt, das erste Schiff, welches sich verlor, segelte allein um Afrika und hielt sich länger bei der Insel Sokotra auf, welche die Portugiesen bei dieser Gelegenheit zuerst betraten. Ein zweites Schiff unter Ruy Lourenço Ravasco kam vor dem Sturmcap abhanden, ging ebenfalls auf die Ostküste Afrikas und trieb schamlose Piraterie; alle Kauffahrer, die man antraf, wurden geplündert. Bei Sansibar, dessen Herrscher im Namen des Königs Manuel auch besteuert wurde, ließ er in zwei Monaten mehr als 20 Sambuken anhalten. Nur das einzige Verdienstliche that Ravasco, daß er dem befreundeten Scheich von Melinde gegen seine eifersüchtigen Nachbarn in Mombas erfolgreichen Beistand leistete. Darüber verging der Sommer, ehe Saldanha sich einfand. Dieser war noch nördlich vom Sturmcap ans Land gegangen, in dem Glauben das gefährliche Cap bereits hinter sich zu haben und hatte dort eine Bucht und einen Wasserplatz, Aguada da Saldanha, entdeckt. Dann hatte er, nach Besteigung des Tafelberges (Meza da Cabo), sich wieder auf den Weg gemacht, hatte die Südspitze Afrikas glücklich überwunden, an der Ostküste ebenfalls dem Seeraub obgelegen und endlich vor Melinde seine Genossen gefunden. In der Nähe des rothen Meeres hatten sich alle drei Schiffe wieder vereinigt und waren nach der arabischen Küste herübergesteuert, um dort zu überwintern, hatten aber, bei der Feindseligkeit der Bewohner, Wassermangel gelitten und waren dann nach den Andjediven gesegelt, wo sie von der großen Flotte des Lopo Soarez eingeholt wurden, welcher fast ein Jahr später von Portugal aufgebrochen war, um mit dreizehn Segeln direct nach Indien zu fahren, wo er Ende August 1504 anlangte. Auf Vasco da Gama’s Rath hatte man die Kräfte nicht zersplittert, sondern eine imposante Armada mit vielem Kriegsgeräth und 1200 Mann Besatzung entsendet. Der Krieg mit den Moslemin sollte mit Nachdruck geführt werden. In Kananor erfuhr Soarez, wie in der Zwischenzeit, seit die Albuquerques zurückgekehrt, die Angelegenheiten verlaufen waren.