Die Portugiesen hatten von diesen Vorfällen und Plänen aber bereits 1505 Kunde erhalten und konnten danach ihre Maßregeln treffen. Die bisherige Kriegsführung, welcher eine einheitliche Leitung fehlte, mußte abgeändert werden. Es war vor allem nöthig, dem Oberbefehl eine größere Continuität zu geben und ihn auf mehrere Jahre auszudehnen. So entstand das Institut des Vicekönigthums, dem Portugal thatsächlich den indischen Besitz verdankt. Die Unternehmungen des Sultans von Aegypten trugen also wesentlich dazu bei, die portugiesische Macht im Orient zu befestigen.

6. Francisco d’Almeida, Vicekönig von Indien.

Zum ersten Vicekönig wurde Francisco d’Almeida bestellt, ein Mann von ausgezeichneter Tapferkeit, welcher sich schon im Kampfe der Spanier gegen Granada ausgezeichnet hatte. Es wurde die Bestimmung getroffen, daß in Zukunft nur die Lastschiffe aus Indien zurückkehren sollten, während die Kriegsschiffe daselbst stationirt blieben. Eine stattliche Flotte sollte die neue Aera einleiten. Die Zahl der Schiffe steht nicht ganz fest, nach der geringsten Angabe waren es zwanzig. Auf den Kriegsschiffen wurden 1500 Mann Soldaten befördert, welche sich verpflichtet hatten, wenigstens drei Jahre im Orient zu dienen. Unter den Capitänen treffen wir João da Nova und João Serãro; auch Ferdinand Magalhães nahm an dem Zuge theil. Ein besonderes Interesse gewinnt aber gerade diese Expedition dadurch für uns, daß sich an dem indischen Handel zum ersten Male auch deutsche Kaufleute von Augsburg, namentlich die Welser, Vöhlin u. a. betheiligten; daneben aber auch Genuesen und Florentiner. Nur die Venetianer hielten sich grollend fern; denn es war ihnen, wie der Chronist E. Sender schreibt, „fast wider“, daß die Portugiesen den Seeweg zu den Gewürzländern mit wachsendem Erfolg betraten und ihnen so gefährliche Concurrenz machten.

Die Welser hatten schon 1503 einen thätigen Agenten Namens Simon Seitz nach Lissabon entsendet, welcher mit König Manuel über die Gründung einer deutschen Handelsgesellschaft einen Vertrag abschloß, wonach die Augsburger Kaufherren in Portugal gebaute und mit Portugiesen bemannte Schiffe entsenden konnten, um Spezereien und Brasilholz einzuhandeln. Zu gleicher Zeit diente der deutsche Buchdrucker Valentin Ferdinand, welcher sich wahrscheinlich schon seit 1494 in Lissabon aufhielt, als Mäkler (corretor) und war seinen neuangekommenen unternehmenden Landsleuten durch seine Kenntniß der portugiesischen Sprache sehr nützlich.[96]

Auf Simon Seitz folgte alsbald ein zweiter Vertreter der Welser Lucas Rem, welcher von 1503 bis 1508 in Portugal weilte.[97] Ihm lag die schwere Arbeit ob, drei Schiffe auszurüsten und ihre Ladung zu besorgen; denn die deutsche Handelscompagnie betheiligte sich mit 21,000 Cruzados (à 2,75 Mark). „Die on mas enxtig mie, überflisig arbait, gros widerwertigkait mir damit gegnet, ist unerschreibenlich.“ So lauten die Worte seines Tagebuches.

Aber nicht blos deutsches Capital war bei dieser Fahrt eingesetzt; es machten auch zwei Deutsche im Auftrage der Compagnie die Reise nach Indien mit, und C. Peutinger schrieb voll Stolz und Freude darüber: „es ist uns Augsburgern ein großes Lob als für die ersten Deutschen, die India suchen“. (B. Greif a. a. O. 85). Der eine von ihnen, Balthasar Sprenger, hat seine Reise beschrieben unter dem Titel: „Die Merfart von erfarung nüver Schiffung und Wege zu vile onerkanten Inseln vnd Kunigreichen, von dem großmechtigen Portugalischen Kunig Emanuel Erforscht, funden, bestritten vnnd Ingenomen, auch wunderbarliche Streyt, ordnung, leben wesen handlung und wunderwerke des volcks und Thyrer dar inne wonende, findestu in diessem buchlyn warhaftiglich beschryben vnn abkunterfeyt, wie ich Balthasar Sprenger sollichs selbs: in kurtz verschynn zeiten gesehen vnn erfaren habe etc. Gedruckt Anno MDIX.“ Der Berichterstatter nennt sich darin einen „der Geschickten des Großmechtigen Kunigs zu Portugal: Emanuel genannt: und der Furtreffen kaufherren der Fucker, Welszer, Hochstetter, Hyrßfogel, deren im Hofe (Imhof) und anderer yrer Gesellschaften.“[98] Der zweite, Hans Mayr, welcher sich Factoreischreiber auf dem Schiffe Raphael nennt, hat ebenfalls einen, noch handschriftlich erhaltenen Bericht überliefert.[99]

Die drei auf Kosten der Deutschen ausgerüsteten Schiffe hießen: San Raffael, San Jeronimo und Lionarda.

Das ganze Geschwader ging am 25. März 1505 von Lissabon ab. Eins der Schiffe sank unterwegs in Folge eines Leckes; die übrigen steuerten glücklich um das Cap der guten Hoffnung und langten größtentheils am 18. Juli vor Mosambik an. Von hier wandte sich die Armada zunächst nach Kiloa und eroberte die Stadt. An Stelle des vertriebenen Scheich wurde ein den Portugiesen willfähriges Oberhaupt eingesetzt und zum Schutze der Handelsinteressen eine Citadelle St. Jago erbaut, in welcher man eine stärkere Besatzung nebst „Artegleria“ zurückließ. Vor Mombas wurde die Expedition am 13. August ebenfalls feindlich empfangen und aus den Kanonen beschossen, welche der Fürst der Stadt einem gescheiterten portugiesischen Schiffe entnommen hatte.[100] Darum mußte auch diese Hafenstadt mit Verlust von vier Todten und siebenzig Verwundeten am 15. August erstürmt werden. Dann wurde die Stadt geplündert und niedergebrannt. Von dem befreundeten Melinde, in dessen Hafen sich vierzehn der schnellsegelnden Fahrzeuge eingefunden hatten, steuerte man dann in sechzehn Tagen, resp. neunzehn Tagen nach den Andjediven hinüber. Diese Inseln, welche als günstiger Sammelplatz der Indienfahrer erkannt worden waren und daher von den Portugiesen besetzt wurden, erhielten, auf der größten der fünf Eilande, nach dem Befehle des Königs gleichfalls eine Citadelle nebst Besatzung. Panischer Schrecken ergriff das Handelsvolk von Kalikut, als sie die Ankunft Almeida’s vernahmen; denn die Portugiesen machten unverweilt auf alle Handelsschiffe Jagd. Im Hafen von Onor wurden alle Fahrzeuge, die vor Anker lagen, verbrannt und dabei ging ein Theil der leichtgebauten Stadt in Flammen auf. Bei seiner Ankunft in Kananor nahm gegen Ende October Almeida den Titel Vicekönig an, den ihm der König Manuel beigelegt hatte. In dieser Stadt wurde die dritte Citadelle, S. Angelo, angelegt und mit hundertundfünfzig Mann besetzt. Der Hafen hatte gleichfalls für die Portugiesen eine besondere Wichtigkeit, denn „do pflegen,“ wie Sprenger berichtet, „die Schiff allweg vor irem Abschied Speis und Wasser zu nehmen“. Inzwischen lief die traurige Nachricht ein, in Kollam sei der Factor Antonio de Sa sammt seinen Leuten ermordet und die Factorei geplündert. Es waren nämlich zwanzig maurische Schiffe dort eingelaufen und hatten den Kampf begonnen. Der Factor war mit sechzehn Portugiesen in eine Kirche geflüchtet; aber der Fürst von Kollam ließ dieselbe anzünden und die Fremden darin verbrennen. Der Sohn des Vicekönigs, Lourenço d’Almeida, erhielt den Auftrag, diese Unthat zu rächen, er rückte mit acht Schiffen vor den Hafen und zerstörte die ganze maurische Flotte.

Francisco d’Almeida selbst begab sich nach Kotschin und krönte den dortigen Fürsten und Bundesgenossen im Namen des Königs Manuel mit einer goldenen Krone, welche als Geschenk mitgebracht war, und verehrte dem Königsvasallen zugleich einen goldenen Becher mit sechshundert Cruzados, eine gleiche Summe wurde für alle Jahre zugesagt. Dafür erzielte Almeida die Erlaubniß zum Bau einer Steinburg.