Dann erhielten sechs Frachtschiffe ihre Ladung in Gewürz und gingen Ende December und Anfang Januar 1506 von Kananor zurück nach Portugal. Zwei andere Handelsschiffe folgten im Frühjahr nach. Einige von der ersten Abtheilung wurden auf der Rückfahrt über den indischen Ocean durch Sturm aus der gewohnten Bahn getrieben und segelten an der Ostseite Madagascars hin, darunter auch zwei von den deutschen Schiffen, und fanden so einen kürzeren Seeweg. Sie waren die ersten, welche den südlichen Theil jener größten afrikanischen Insel entdeckten, die damals S. Lourenço genannt wurde.
Vier Schiffe, darunter auch San Raffael und San Jeronimo, ließen bereits am 22. Mai 1506 im Hafen von Lissabon die Anker fallen. Sprenger langte mit seinem Fahrzeuge erst im November daselbst an. Dies glückliche Ereigniß für die deutsche Unternehmung erwähnt auch Lucas Rem:[101] „Adj. 22. Mayo 1506 (Rem schreibt irrthümlich 1505) kamen Sct. Jeronimo, Sct. Raffael und adj. 24. Nof. die Lionarda. Da meret sich erst mie, anxt undt arbait. Sonder erhuben sich on mas fil große und schwere Recht, den Ich aus wartet ob 3 Jar“. Die berührten Rechtshändel beziehen sich wahrscheinlich darauf, daß die Deutschen einen Antheil an der bei der Erstürmung von Kiloa und Mombas gemachten Beute forderten, deren Werth auf 22,000 Cruzados geschätzt wurde. Aber auch ohne dies war der Reingewinn bedeutend. Zwar erhielt dem Vertrage gemäß die portugiesische Krone 40% vom Gewinn und hatten die fremden Kaufherren nicht direct, sondern durch Vermittelung der portugiesischen Factoren die Gewürze in Indien einkaufen müssen, theils um nicht etwa die Preise zu steigern, theils aber und vor allem, um das Monopol der Entdecker des Seewegs nicht in Frage zu stellen; trotz alledem betrug nach Rems Angabe die „nutzung dieser armazion bey 150 pro Cento“.
Darum betheiligten sich die Deutschen auch sofort bei der Ausrüstung der nächsten Handelsflotte, die unter Tristão da Cunha 1506 nach Indien segelte. Leider gingen zwei Schiffe dabei zu Grunde; da aber Geld und Gut gerettet wurden, war der Verlust gering. Doch wurde das Interesse geschwächt, weil man in Folge des Schiffbruches einen längeren Rechtsstreit mit dem König führen mußte. Als aber die Pfefferpreise von Jahr zu Jahr aufschlugen — im Jahre 1505 kostete der Centner Pfeffer in Lissabon 20 Cruzados, 1520 dagegen schon 34¼ C., — da verloren die Deutschen allmählich die Lust, sich an dem Handel direct zu betheiligen.
Nach der Abfahrt Almeida’s von Portugal waren wiederum acht Schiffe entsendet worden, welche unter Leitung Pero’s d’Anhaya die Ostküste Afrikas ansegeln und in Sofala eine Befestigung anlegen sollten. Aus Mangel an Steinmaterial wurde dieselbe aus Holz aufgeführt. Aber das höchst ungesunde Klima der Niederung raffte viel Mannschaft hin; auch der Capitän Pero d’Anhaya erlag demselben. Zu seinem Nachfolger wurde später Nuno Vaz Pereira bestimmt; bemerkenswerth ist, daß unter ihm der berühmte Fernão de Magalhães diente.
In Indien war inzwischen, nach Abfertigung der ersten Lastschiffe, der Vicekönig seinem Auftrag gemäß zum Angriff auf die maurischen Flotten übergegangen. Sein Sohn Lourenço d’Almeida erfocht am 17. und 18. März 1506 einen glänzenden Sieg vor dem Hafen von Kananor über zweihundert Segel (Prauen), welche der Beherrscher von Kalikut ausgerüstet hatte. In Kananor, wo der Sieger einlief, kam der Venetianer Ludovico di Varthema zu ihm aufs Schiff. Derselbe war 1502 von seiner Vaterstadt in den Orient gewandert, hatte Aegypten, Syrien, Arabien und Persien besucht, dann in den wichtigsten Hafenplätzen der westlichen Küste Vorder-Indiens geweilt, am bengalischen Meerbusen die Landschaften Bengalen und Pegu gesehen und endlich sogar Malaka und die Gewürzinseln erreicht. Von Java war er dann nach Kalikut und Kananor zurückgekehrt und hatte so, unter der Maske eines Mohammedaners, den ganzen Sunda-Archipel durchstreift.[102] Was er nun über die indischen Zustände und über den fernen Osten berichten konnte, war den Portugiesen von hohem Werthe und gab wahrscheinlich auch die Veranlassung, daß die Regierung in Portugal ihrem indischen Vicekönig den Auftrag ertheilte, einige Schiffe zur Erforschung des Gewürzmarktes von Malaka auszusenden. Allein Almeida konnte und wollte, da er in Vorder-Indien selbst vollauf beschäftigt war und seine Macht nicht zersplittern mochte, vor der Hand noch nicht darauf eingehen. Es war offenbar, daß die mohammedanischen Schiffe, um zu den Gewürzhäfen zu gelangen, andere Wege als bisher einschlugen. Statt die durch die Portugiesen unsicher gemachten malabarischen Plätze anzulaufen, gingen die Kauffahrer über die Malediven nach Ceylon, um dort die aus den östlichen Productionsländern herbeigeführten Waaren in Empfang zu nehmen.
Als der Vicekönig dies in Erfahrung gebracht, schickte er seinen tapfern Sohn zum zweiten Male mit Schiffen aus, um bei den Malediven den Feinden auch diese Straße zu verlegen. Aber Lourenço verfehlte sein Ziel vollständig und gelangte schließlich, statt nach den Malediven, nach Ceylon. Es scheint, daß er sich hier durch eine List der Mauren täuschen ließ und unverrichteter Sache wieder zurückkehren mußte. Dem Oberbefehlshaber war es jedenfalls lieb, daß sein Sohn sich in Ceylon nicht auch in blutige Conflicte eingelassen hatte; denn die mohammedanische Stellung auf der großen Insel galt als bedeutend, und ein blutiger Zusammenstoß hätte die Schaar seiner Gegner unnöthigerweise vermehrt. Darum waren ihm auch die Unternehmungen Affonso’s d’Albuquerque in Arabien durchaus zuwider; selbst die kriegerischen Streifzüge an der Ostküste Afrikas hielt er für nutzlos, weil sie die für Indien nothwendigen Streitkräfte zersplitterten. Er wollte alle Macht und alle kriegerische Tapferkeit nur daran gesetzt sehen, den werthvollsten Theil der indischen Küste dem portugiesischen Handel und Staate tributpflichtig zu machen.
Aber in Portugal dachte man anders und meinte, alle Küsten des indischen Oceans, soweit die Glaubensfeinde auftauchten, angreifen und auch bezwingen zu können.
So gingen also im Frühjahr 1506 wieder fünfzehn Schiffe von Lissabon ab: die zehn Lastschiffe, von denen wieder einige durch Deutsche und Italiener ausgerüstet waren, sollten unter Tristão da Cunha direct nach Indien segeln, während Alfons d’Albuquerque mit fünf Kriegsschiffen und 1300 Mann Soldaten nach der arabischen Küste beordert wurde, um die Eingänge in das rothe Meer und den persischen Golf zu bewachen. In Sokotra sollte er überdies eine Festung anlegen, weil hier an dieser Insel die mohammedanischen Schiffe Wasser einzunehmen pflegten.