Unterwegs entdeckte Tristão da Cunha, als er vom Cap Agostinho in Brasilien nach dem Caplande hinübersteuerte und seine Flotte durch Sturm zerstreut sah, die nach ihm genannte einsame Felseninsel im südlichen atlantischen Ocean unter 39° s. Br.; indeß fanden sich die meisten Fahrzeuge bei Mosambik wieder zusammen. Nur Ruy Pereira wurde auch noch im indischen Meere verschlagen und gerieth in den Hafen Matatane auf Madagascar. Dort, glaubte er aus den Mittheilungen der Eingebornen schließen zu dürfen, sei ein Reichthum an Silber, Pfeffer, Ingwer u. a. einzuernten, ohne auf solche Handelsschwierigkeiten zu stoßen wie in Indien.

Auf diese Kunde hin machte sich Tristão da Cunha selbst nach dem vielversprechenden Lande auf und erreichte im December 1506 die Bai Angra da Concepção am nördlichen Ende der Insel. Aber hier traf er noch Mauren. Wenn auch nicht eben wohlwollend empfangen, hütete sich Tristão doch, sich in blutige Händel zu verwickeln, sondern er zog nur sorgfältige Erkundigungen ein, aus denen leider hervorging, daß die verlockenden Angaben Pereira’s auf Mißverständniß beruhten. Den Plan, die ganze Insel zu umschiffen, gab er auf, nachdem er bei diesem Versuch ein Schiff eingebüßt hatte, und kehrte an die afrikanische Küste zurück. Südlich von Magadoscho (Makdischu) lag die feindliche Stadt Brava (Barawa); dieselbe wurde nach heftiger Gegenwehr erstürmt und geplündert. Die Portugiesen sollen dabei in der Schatzkammer des Fürsten die reiche Beute von 2000 Centner (!) Silber gemacht haben.

Dann steuerte die vereinigte Flotte nach Sokotra, wo Christen abessinischer Abkunft, von den Portugiesen Jakobiten genannt, ansäßig waren, aber seit 1480 in die Abhängigkeit von dem südarabischen Fürsten von Fartach gerathen waren, welcher bei dem Hafen Soko (Tamarida) eine Citadelle erbaute und mit hundert Mann besetzte. Diese Festung wurde natürlich alsbald mit Sturm genommen, wieder ausgebaut, St. Miguel getauft und mit portugiesischer Mannschaft belegt.

Durch solche Nebenoperationen wurde viel Zeit vergeudet, ohne dem eigentlichen Zwecke wesentliche Förderung zu bieten; denn man verfeindete sich dadurch nur noch mehr mit dem Beherrscher Aegyptens und war gleichwohl nicht im Stande, von Sokotra aus den Handelsverkehr nach dem rothen Meere überwachen oder abschneiden zu können.

Da Tristão da Cunha so lange ausblieb, gerieth Almeida in große Verlegenheit, weil er sich bei unzulänglichen Mitteln in seinen Unternehmungen gehemmt sah. Sein Sohn Lourenço verfolgte indessen im kleinen Kriege alle fremden Handelsschiffe, welche sich der indischen Küste näherten.

Inzwischen starb aber auch der den Portugiesen befreundete Fürst in Kananor, und sein Nachfolger verbündete sich wieder mit dem Samudrin, weil der portugiesische Capitän Gonçalo Vaz da Goar ein kananorisches Schiff, trotz seines portugiesischen Geleitsbriefes, hatte versenken und die Mannschaft hatte ertränken lassen, angeblich, weil man es für ein kalikutisches Schiff gehalten habe.

Die neuangelegte Festung in Kananor wurde vier Monate belagert und mehrere Male bestürmt; aber der tapfere Commandant Lourenço de Brito hielt sich, bis Tristão da Cunha endlich gegen Ende August erschien und ihn befreite. Die Festung wurde nun dauernder aus Stein erbaut. Da der Vicekönig bereits genug Waaren hatte aufspeichern lassen, so konnten Tristão’s Handelsschiffe rasch beladen und schon im December nach Europa zurückgeschickt werden.

Dann begab sich Lourenço d’Almeida mit einer Anzahl von Schiffen nordwärts, um im Hafen von Tschaul, südlich von Bombay, Gewürze einzunehmen. Nisam Schah, der Fürst von Tschaul, hatte sein kleines Gebiet, welches gegen Norden an Gudjerat grenzte, von Dekhan unabhängig gemacht und sich den Portugiesen angeschlossen. Inzwischen rückte die ägyptische Macht unter Hussein heran. Der Admiral des Schahs von Gudjerat, Melek Aias oder Aß, (angeblich ein Russe von Geburt, dessen ursprünglicher Name Jakob, in der russischen Koseform Jascha, von den Orientalen in Eias oder Aß verwandelt wurde,) kam den Aegyptern mit vierzig Fusten (s. [Abbildung auf Seite 155]) zu Hilfe. Als Statthalter von Diu hatte er diesen Hafen zu einer blühenden Handelsstadt erhoben und trat zunächst scheinbar für die Sache des Islam ein, wußte sich aber bald auf schlaue Weise seines Bundesgenossen wieder zu entledigen. Lourenço lag noch mit seinen Schiffen im Flusse vor Tschaul, als die vereinigte feindliche Flotte herannahte. Da er die ägyptischen Schiffe aber für das Geschwader des von Ormuz her erwarteten Albuquerque hielt, blieb er ruhig liegen. So sah er sich genöthigt, im Flusse den Kampf aufzunehmen.

Am ersten Kampfestage erfolgte noch keine Entscheidung. Trotz der feindlichen Uebermacht wollte aber Lourenço nicht bei Nacht auf die See zurückweichen, weil er den Vorwurf seines spartanisch gesinnten Vaters fürchtete, der bei einer früheren Gelegenheit seine zu große Vorsicht getadelt hatte. So entspann sich am folgenden Morgen das Seegefecht von neuem. Das Schiff des portugiesischen Capitäns erhielt durch einen Kugelschuß einen bedenklichen Leck und mußte versuchen, sich durch ein anderes Schiff aus dem Flusse herausschleppen zu lassen. Dabei gerieth es in das von den Fischern behufs des Fischfanges angebrachte Pfahlwerk und blieb, indem ein Pfahl in den Leck eindrang, wie angespießt, darauf hängen. Das Bugsirtau riß und Lourenço war den feindlichen Angriffen wehrlos preisgegeben. Trotz der verzweifelten Lage blieb er standhaft. Seine Tapferkeit war für alle ein leuchtendes Vorbild. Hatte er doch noch bei dem Kampfe von Panane im Handgemenge einem maurischen Hauptmanne mit seinem Schlachtschwerte den Kopf bis auf die Brust von einander gespalten. Da verwundete ihn eine Stückkugel am Schenkel; er ließ sich verbinden, auf einen Stuhl neben den großen Mast setzen und commandirte weiter, bis ihn eine zweite Kugel tödtete. Erst nachdem fast die ganze Mannschaft gefallen oder verwundet auf Deck lag, wurde das Schiff genommen, sank aber auch alsbald unter und blieb nicht als Trophäe in den Händen der Sieger. Die übrigen Fahrzeuge kamen glücklich nach Kotschin zurück, wo damals der Vicekönig lag. Dieser empfing die Todesnachricht seines tapferen Sohnes ernst und gefaßt, aber er schwur an den Mohammedanern Rache zu nehmen, zumal da diese an den ersten Sieg große Hoffnungen knüpften.