Ein sendbrieff des mechtigsten vnd vnuberwintlichsten Emanuels des Königs jnn Portugal, vnd Algarbien von den sygen, die er gehabt hat jnn India vnd Malacha, zu dem Heyligsten jnn Gott vatter, vnd vnserm Herrn, Herrn Leoni dem zehenden des namens Babst zu Rom.

„Wie vast wir vns mit Gott dem Herrn vnd dir frewen sollen, Allerheyligster vatter das erscheynet aus der bottschaft, die vnser Indische schiffrüstung bracht hat. Dweyl vnder dir Römischem Bischoff, und presidenten der Römischen vnd Christlichen Kirchen so wunderbarliche Ding, zu lob vnd eher dem Allmechtigen nach wunsch ergangen seind, das man dir billich zum lob und eher rechnet. Darumb hat vns fur billich angesehen, was in India sich verloffen hat, mit der Hilff Gots, vnd vnsern waffen zu deiner Heyligkeyt als zu eym Haupt der gmeynen Christenheyt vnd richtschyt aller Christlichen Religion kurtz vnd summarien weys zubeschreyben, das alle Ding nach jhrem werd geschetzt werden, vnd Gott dem Herren darumb gedanckt. Auch dz wir hoffen mögen tägliche merung deines lobs sambt zunemung des Christlichen glaubens vnd leren.“

Es wurden also auch die indischen Siege als Glaubenssiege aufgefaßt; aber der Schauplatz dieser Kreuzzüge lag viel weiter im Osten, „am güldenen Chersoneso, in den auswendigsten Morgenländern“, wo durch die portugiesischen Waffen auch das Christenthum verbreitet werden sollte. Albuquerque’s Verdienst wurde mit höchster Anerkennung gepriesen. Der Generalcapitän Indiens stand damals auf der Höhe seines Ruhmes. In Asien und Afrika erscholl sein Name mit Schrecken, in Europa mit Bewunderung.

Noch von Malaka aus wurden drei Schiffe am Schluß des Jahres 1511 abgesendet, um das letzte Ziel der Portugiesen, die Gewürzinseln oder Molukken aufzusuchen. Das kleine Geschwader stand unter der Führung des Antonio d’Abreu. Derselbe hatte sich beim zweiten Sturm auf Malaka ausgezeichnet, war dabei durch einen Schuß in die Backe, welcher ihm mehrere Zähne und einen Theil der Zunge nahm, verwundet, hatte aber trotzdem nach Anlegung eines Verbandes sich am Kampfe wieder betheiligt. Wie diese erste Kundschaft nach den Molukken verlief, werden wir später im Zusammenhange mit den folgenden Vorfällen auf den Gewürzinseln zu schildern haben.

Die Angelegenheiten zu Malaka ordnete Albuquerque der Art, daß er Ruy d’Araujo zum Richter und Factor (alcaide mór e feitor), Ruy de Brito Patalim zum Commandanten der Festung einsetzte. Die Besatzung belief sich auf 300 Mann, ebenso stark war die Mannschaft auf der dort stationirten Flotte von zehn Segeln, welche unter dem Befehle des Fernão Peres d’Andrade zurückblieb. Diese beträchtliche Macht war erforderlich, um Malaka gegen Angriffe von der Land- und Seeseite vertheidigen zu können. Und solche Angriffe waren um so mehr zu erwarten, als die Macht des früheren Herrschers keineswegs gebrochen war; denn Mahmud hatte sich auf Bintang, südöstlich von der alten Residenz Singapur, und sein Sohn Alaeddin in Dschohor festgesetzt, so daß sie von da aus die Straße nach den Gewürzinseln und nach China nicht nur beherrschten, sondern die Portugiesen in Malaka beständig beunruhigen konnten.

Im Januar 1512 ging Albuquerque mit drei Schiffen nach Indien zurück. Auch nahm er eine Anzahl (gegen 60) javanischer Zimmerleute sammt ihren Familien mit, welche ihm beim Schiffbau dienlich sein sollten. An der gefährlichen Küste von Sumatra ging Albuquerque’s Schiff, Flor de la mar, auf einer Sandbank zu Grunde. Er selbst verlor alle Beute und Siegeszeichen in diesem Schiffbruche sammt den Manuscripten, in denen er seine Thaten aufgezeichnet hatte. Die Mannschaft rettete sich zwar auf das folgende portugiesische Schiff, aber die malayischen Zimmerleute benutzten die Gelegenheit zu einer Meuterei, bemächtigten sich des Fahrzeuges, auf dem sie segelten, mit Gewalt und gingen an der Küste von Sumatra ans Land. Albuquerque selbst erreichte in den ersten Tagen des Februar den Hafen von Kotschin.

In Goa waren unterdessen, während der Abwesenheit des Oberbefehlshabers, die Portugiesen belagert worden und arg bedrängt. Die verhältnißmäßig kleine Besatzung von 450 Portugiesen und 1250 indischen Hilfstruppen wurde fortwährend beunruhigt und durch kleine Gefechte ermüdet. Sie verlor sogar zwei ihrer besten Hauptleute und sah sich genöthigt, den noch gefangen gehaltenen Diogo Mendes de Vascogoncellos seiner Bande zu entledigen und an die Spitze zu stellen. Die Feinde hatten der Stadt gegenüber eine starke Burg in Benestarim errichtet und drohten von da aus, die Fremdlinge zu vertreiben. Zum Glück kamen im Sommer 1512 nacheinander mehrere Schiffe mit Mannschaft und Lebensmitteln zu Hilfe, und als im August sogar eine größere Flotte von dreizehn Schiffen mit 1800 Soldaten einlief, gewann man allen Muth wieder und ging selbst zum Angriff über. Albuquerque durfte es daher wagen, seine Ankunft zu verzögern, um vorher die Handelsflotte nach Europa abzufertigen, und ging erst am 16. September mit sechzehn Segeln nach Goa.

Sein Erscheinen änderte die Lage vollständig. Aus den bisher Bedrängten wurden wieder Bedränger und siegesgewisse Angreifer. Benestarim wurde erobert. Den portugiesischen Ueberläufern in der Festung hatte Albuquerque das Leben gesichert, aber er ließ ihnen zur Strafe, anderen zur Warnung, Ohren und Nase abschneiden, die rechte Hand, sowie den linken Daumen abhauen und schickte die Verstümmelten nach Portugal zurück. Benestarim wurde noch stärker befestigt und Goa bei dem folgenden Friedensschlusse an Portugal abgetreten. Der verhältnißmäßig leichte Sieg ist zum Theil auch der steten Eifersucht der dekhanischen Fürsten untereinander zuzuschreiben, die einerseits nie gemeinschaftliche Sache gegen die Abendländer machten, andererseits sich im Geheimen um die Freundschaft der Portugiesen bewarben. Dann wurde durch eine an der Küste kreuzende Flotte der Hafen von Kalikut gesperrt und dadurch der Fürst auch zur Nachgiebigkeit gezwungen. Dagegen begann Goa als Handelsplatz aufzublühen. Albuquerque hatte dafür gesorgt, daß nur nach Goa die Pferde aus Persien eingeführt werden durften. Die einheimischen Kriege wurden damals in Indien aber hauptsächlich durch Reiterei entschieden. Die indischen Fürsten waren also dadurch, daß Goa allein der Einfuhrhafen für Pferde wurde, auf den guten Willen und die Freundschaft der Portugiesen angewiesen, wenn sie ihre Reiterei verstärken wollten.

In Portugal selbst erkannte man die Bedeutung Goa’s noch nicht, oder wurde durch falsche Berichte, die möglicherweise absichtlich von den Gegnern Albuquerque’s verbreitet wurden, über die wahre Sachlage getäuscht. Nur so erklärt es sich, daß Manuel in einem Schreiben an den Oberbefehlshaber anordnen konnte, Albuquerque möge mit seinen Hauptleuten wohl überlegen, ob Goa behauptet werden solle oder nicht. Goa sei ein ungesunder Ort und seine Behauptung koste unnützes Geld.[110] Man werde dadurch in immer erneute Kriege mit den nächsten Landesherren verwickelt und es werde sehr fraglich sein, ob jemals die Abgaben vom festen Lande eingezogen werden könnten, welche der Generalcapitän als nicht unbeträchtlich bezeichnet hatte. Albuquerque aber legte auf die Wiedereroberung Goa’s das größte Gewicht. Er schrieb dem Könige, daß dieser Sieg in Indien mehr gewirkt habe für die Macht des Königs, als alle Flotten, die seit fünfzehn Jahren dahin abgeschickt worden seien. Der Bund der feindlichen Fürsten sei dadurch gesprengt. Die Räthe des Königs wüßten die indischen Angelegenheiten nicht richtig zu beurtheilen. Ohne feste Stütze auf dem Lande sei in Indien die portugiesische Macht ohne Dauer. Alle Citadellen in Kotschin, Kananor und anderen Orten hielten in Werth und Bedeutung keinen Vergleich mit Goa aus. Er wisse wohl, daß er in Portugal Feinde habe; aber der König möge nicht auf sie hören; denn wenn Goa wieder aufgegeben würde, dürfte auch die portugiesische Herrschaft in Indien ihrem Ende nahe sein. Er verdiene mehr Dank vom Könige dafür, daß er Goa gegen Portugiesen vertheidige, als dafür, daß er es zweimal den Feinden abgenommen.[111]