Im nächsten Jahre 1523 sandte Brito seinen Neffen Simão d’Abreu nach Malaka zurück. Derselbe mußte einen neuen, bisher von den Europäern noch nicht betretenen Weg einschlagen und nördlich um Borneo herumfahren, während die gewöhnliche Fahrbahn südlich an dieser Insel hinlief. Es sollte dadurch die Kenntniß in dem weiten Inselgebiet erweitert werden. d’Abreu stach im Juni in See und kam nach einer langen Fahrt von sechs Monaten glücklich nach Malaka.
In umgekehrter Richtung machte denselben Weg drei Jahre später Dom Jorge de Menezes auf Befehl des damaligen Gouverneurs von Malaka, Pero de Mascarenhas, weil, wie Barros ausdrücklich betonte, diese Route noch zu wenig bekannt war. Menezes ging am 22. August 1526 von Malaka ab, landete auf Borneo in einem Hafen etwa unter 5° nördl. Br., segelte dann zwischen Sulu und Mindanao hindurch und wurde hier vom Westmonsun weit über sein Ziel hinaus ostwärts bis an die Nordküste von Guinea verschlagen. So wurde er der Entdecker der Insel der Papuas, jener dunkelfarbigen Bewohner, welche wegen ihres dichten Wollhaares von ihren westlichen Nachbarn, den Malayen, den Spottnamen Papuas, d. h. Krausköpfe erhalten haben. Mehr als zwei Jahrhunderte galt Neu-Guinea als ein vorspringender Theil des großen unbekannten Südlandes. Von dort kam Menezes erst gegen Ende Mai 1527 an das Ziel seiner Bestimmung, nach Ternate; er hatte also zu seiner Fahrt volle acht Monate gebraucht. Man erkennt aber aus diesen Beispielen, wie zeitraubend die Verbindung zwischen Malaka und den Molukken war.
Im Jahre 1524 erhielt de Brito Verstärkungen, indem aus Indien die Schiffe des Martim Affonso de Mello Jusarte und des Martim Correa anlangten.
Nicht weit westlich von den Molukken springt die schlanke Halbinsel von Celebes vor. Diese eigenthümlich gegliederte Insel wurde damals, weil man die seichten und tiefgehenden Buchten noch nicht untersucht hatte, noch für eine Inselgruppe gehalten und Ilhos des Celebes genannt. Zu ihrer Erforschung, denn es wurde viel von ihrem Goldreichthume berichtet, ging von Ternate eine Fuste ab; aber dieselbe wurde an mehreren Stellen bei Versuchen zu landen von den Einwohnern feindlich empfangen und wollte darum nach Ternate zurückkehren. Auf dem Heimwege trieb der Monsun das Fahrzeug weit nach Nordosten ins offene Meer und führte es nach einer Fahrt von 200 Meilen an das Gestade einer der Marianen oder Ladronen, welche Magalhães schon entdeckt hatte. Vier Monate wurde die Fuste hier durch widrigen Wind festgehalten und kam erst im Januar 1526 nach den Molukken zurück.
Um diese Zeit war Brito von seinem Posten abgerufen und wurde durch einen neuen Commandanten in der Person des Dom Garcia Henriquez ersetzt; dieser aber brachte durch seine falschen Maßnahmen die Portugiesen in mancherlei Ungelegenheit, weshalb an seine Stelle Menezes trat.
Es wirft ein eigenthümliches Licht auf die Handlungsweise des Henriquez, wenn wir lesen, daß derselbe zuerst seinen Nachfolger Menezes dadurch zu beseitigen hoffte, daß er ihn auf falsche Aussagen hin gefangen nehmen ließ und dann, als er genöthigt wurde, ihn wieder frei zu geben und als Statthalter anzuerkennen, doch ehe er das Fort verließ, die Kanonen desselben zu vernageln befahl, weil er fürchtete, Menezes würde, wenn er in See gehe, die Kanonen auf ihn richten und sein Schiff in den Grund schießen!
Ueber die weiteren Ereignisse auf den Molukken werden wir später zurückkommen, da sie ihr volles Verständniß erst im Zusammenhange mit von den Spaniern unternommenen Fahrten nach den Gewürzinseln erhalten (vgl. 3. Buch. 3. Capitel).
10. Das Phantom der Gold- und Silberinseln.
Zu allen Zeiten, wo durch weit ausgedehnte Eroberungszüge oder durch kühne Seefahrten große Strecken und Gebiete früher unbekannter Länder entdeckt worden sind, und dadurch der Gesichtskreis in kurzer Zeit bedeutend erweitert wurde, ist die Phantasie mächtig aufgeregt worden und hat neben den wahrheitsgetreuen Berichten von den fernen Ländern und Inseln auch den haltlosesten Gerüchten Glauben geschenkt, welche von unglaublichen Wunderwesen und Wunderlanden zu erzählen wußten. So ist es den Griechen nach dem Zuge Alexanders des Großen nach Indien gegangen, so erging es nun auch den Portugiesen in Indien und sollte es, wie wir später sehen werden, auch den Spaniern in Amerika ergehen.