Die dritte und größte Gruppe endlich bilden die Amboinen südlich von Ceram, gegenwärtig dem Hauptpunkte der Molukken. Die Hauptinsel Amboina besteht aus zwei Halbinseln, die durch Seebuchten fast gänzlich von einander getrennt sind. Thätige Vulkane gibt es nicht mehr auf der Insel; früher kamen häufiger heftige Erdbeben vor. Seit 1824 ist der Vulkan auf der westlichen Seite der Insel still geworden. Der Seegrund, welcher die Insel umgibt, ist von einer wunderbaren Klarheit und von bezaubernder Schönheit der farbenprächtigen Korallenwelt, welche von zahlreichen blau, roth und gelb gefärbten Fischen und der Oberfläche näher von orangenen und rosigen, durchsichtigen Medusen belebt ist. Ueppiger Wald, von Kletterpflanzen durchwuchert, bedeckt das ganze Land, so weit es nicht für den Anbau gelichtet ist.[133]
Schon im sechzehnten Jahrhundert gediehen hier die Gewürznelken, wenn auch nicht in demselben Maße wie auf den Molukken, aber die Insel war damals bekannt wegen der Seetüchtigkeit der Bewohner. Die Malayen, welche diese Inselwelt größtentheils bewohnen, sind recht eigentlich ein Seevolk, und durch die Zersplitterung des heimischen Grundes in zahllose Berginseln, deren Gipfel weit über See aus blauer Ferne einladend winken, zum Seeleben erzogen. Die nur in ihrem Gebiete vorkommenden Gewürze steigerten den Verkehr und die Neigung zu weiten Wasserfahrten. Vom Süd- und Ostgestade des benachbarten asiatischen Festlandes kamen die arabischen, indischen, chinesischen Fahrzeuge zu ihnen, um die Gewürze zu holen. Da diese nun allein am äußersten Ende des Gebiets gediehen, mußten alle Meere innerhalb der Inselzone durchstreift werden und kundige Piloten sich an allen wichtigeren Sammelplätzen bilden. Aber über den scharfbegrenzten Südrand, über die von Java und den kleinen Sundainseln gezogenen Barrieren ging die Schifffahrt ins offene indische Weltmeer nicht hinaus, ebensowenig aber auch weiter gegen Osten und Südosten, sodaß die Bewohner keine Kunde hatten von dem nahegelegenen australischen Festlande. Der Gewürzhandel führte nicht in jene ungastlichen Gewässer, und so sind auch die Portugiesen nach dieser Richtung nicht weiter vorgedrungen, als ihr einziges Ziel, die Gewürzinseln zu erreichen, sie führen konnte.
Es ist bereits oben ([S. 174]) kurz angedeutet, daß der große Albuquerque, nachdem er sich des Hafens von Malaka bemächtigt hatte, drei Schiffe unter dem Oberbefehl Antonio’s d’Abreu absandte, um die Molukken aufzusuchen. Es war das äußerste und letzte Ziel der portugiesischen Handelspolitik. Mit d’Abreu gingen als Capitäne der beiden anderen Schiffe Francisco Serrão und Simão Affonso Bisigudo. Im December 1511 stachen sie von Malaka aus in See, richteten ihren Cours zunächst nach der Nordküste von Java und gelangten von da nach Amboina. Serrão’s Schiff ging in einem Sturm unter, aber die Mannschaft konnte sich auf eines der anderen beiden Fahrzeuge retten. Auf Banda bot sich Gelegenheit, eine Dschunke zu erwerben als Ersatz für das verlorene Schiff; auch konnte man hier bereits eine Gewürzfracht eintauschen. Nach den eigentlichen Molukken kam d’Abreu nicht. Die Gewürzinseln im weiteren Sinne hatte er gefunden. Er begnügte sich mit dem ersten Erfolg, zumal da seine Schiffe sich in schlechtem Zustande befanden, und kehrte bald darauf zunächst nach Malaka und später mit Fernão Peres d’Andrade nach Portugal zurück. Aber bereits bald nach seiner Abreise von Banda verlor er die eben erst gekaufte Dschunke, denn Serrão hatte zum zweitenmale Unglück, indem sein Fahrzeug an den Korallenriffen von Nusa-Pinja (Luci-para), südlich von Amboina, strandete. Der portugiesische Capitän rettete sich nicht allein glücklich mit den Seinen ans Land, sondern wußte sogar mit List sich eines malayischen Raubschiffes zu bemächtigen, dessen Mannschaft ahnungsvoll ans Ufer gegangen war. Serrão hatte das Schiff ankommen sehen, lag mit seinen Leuten auf der Lauer im Versteck und bemeisterte sich ohne Mühe des fast unbewachten Fahrzeuges, einer sogen. Korra-korra. Wollten die Seeräuber nicht selbst gleichsam als Schiffbrüchige zurückbleiben, dann mußten sie sich bequemen, die Portugiesen wieder nach Amboina zu bringen. So gelangte Serrão zum zweiten Male dahin, und erfuhr hier, wo er freundliche Aufnahme fand, daß der Radscha oder Sultan von Ternate (denn die Gewürzinseln standen unter einzelnen Häuptlingen, unter denen der Herr auf Ternate der mächtigste war) bereits von dem unter d’Abreu nach seiner Insel beabsichtigten Zuge Kunde erhalten hatte und ihn zu sich einlud, um ihn mit seinen Leuten womöglich in seinen Dienst zu nehmen. Da sich auf diese Weise die sicherste Gelegenheit bot, die eigentlichen Gewürzinseln zu erreichen, so ging Serrão darauf ein, kam nach Ternate und wurde mit dem Sultan befreundet. Durch ein mit Gewürzfracht von dort abgehendes malayisches Schiff, welches nach Malaka bestimmt war, aber auf Java strandete, gelangte im Frühjahr 1513 die Nachricht von dem Schicksal Serrão’s nach jener hinter-indischen Hafenstadt. Um die so fern verschlagenen Landsleute abzuholen, wurde nun Antonio de Miranda d’Azevedo mit einem Geschwader nach den Molukken gesandt. Die Sultane von Ternate und dem benachbarten Tidor, eifersüchtig aufeinander, bewarben sich beide um die Freundschaft der zur See so mächtigen Fremdlinge, von deren Thaten in Indien man auch auf den Molukken natürlich längst gehört hatte, und erboten sich beide, den Portugiesen einen Platz zu ihrer Niederlassung anzuweisen, denn sie hofften beide, mit Hilfe dieser neuen Freunde den Rivalen überwältigen zu können. Vorläufig aber nahm Miranda seinem Auftrage gemäß nur die Mannschaft Serrão’s mit sich zurück, während dieser selbst auf Ternate blieb. Indeß gab Serrão dem abfahrenden Schiffe einige Briefe an seine Freunde in Indien mit, darunter einen an Fernão Magalhães, worin er ruhmredig die Entfernung der Gewürzinseln von Malaka noch übertrieb und von seinen Thaten in einer Weise berichtete, als ob er die Leistungen eines Vasco da Gama damit verdunkelt hätte. Dieser Brief ist deshalb von weittragender Bedeutung geworden, weil Magalhães, seinem Freunde trauend, aus den angegebenen Entfernungen den Schluß zog, die Molukken lägen nicht mehr auf der den Portugiesen zugewiesenen Erdhälfte, und weil er dann weiterhin daraus den Plan baute, auf westlichem Wege von Spanien aus die Gewürzinseln aufzusuchen, um sie für Kaiser Karl V. in Besitz zu nehmen.
Einen weiteren Besuch stattete 1518 Dom Tristão de Menezes den Molukken ab. Er kam nach Ternate, wo er Serrão fand und wo der Radschah sich sofort anheischig machte, den Portugiesen eine feste Factorei zu bauen. Darüber entstanden, durch Eifersucht erregt, Streitigkeiten mit den benachbarten Herren von Tidor und Batjan. Da nun Menezes fürchtete, in diesem Zwiste möchte ihm die Gelegenheit verloren gehen, eine volle Gewürzladung zu bekommen, so lehnte er die Einladung des Gebieters von Ternate zunächst ab und erklärte, der König habe ihn nur gesandt, um sich in den Productionsländern der Gewürze umsehen und eine Fracht einzukaufen. So gelang es ihm, außer seinem eigenen Schiffe auch noch vier Dschunken beladen zu können. Serrão und ein Abgesandter des Radschah begleiteten ihn, die Dschunken wurden von Serrão, Simão Correa und Duarte da Costa geführt, gingen aber, als sie bald nach der Abfahrt von Ternate in einem Sturme von dem Hauptschiffe getrennt wurden, nach den Molukken zurück, während Menezes sich nach Banda flüchtete. Von da kehrte dieser, weil er den Aufenthalt der verlorenen Schiffe richtig vermuthete, nach Batjan zurück, fand dort aber seine Landsleute in einen Streit mit den Eingeborenen verwickelt, in welchem alle Mannschaft von der Dschunke Correa’s bis auf einen Einzigen erschlagen wurde. Serrão war wieder nach Ternate gelangt. Menezes wandte sich, da er dem Correa nicht mehr helfen konnte, nach Amboina, vervollständigte dort seine Ladung und gelangte glücklich nach Malaka, starb aber bald darauf.
Als diese Ereignisse in Portugal bekannt wurden, beschloß man ein größeres Geschwader nach den Gewürzinseln zu entsenden und übergab dem Antonio de Brito die Leitung. Derselbe ging 1521 mit mehreren Schiffen ab, wandte sich zunächst, als er Indien erreicht hatte, nach Malaka, denn das war der natürliche Ausgangspunkt für alle weiteren Unternehmungen im fernen Osten, wo auch alle Nachrichten zusammenliefen, und steuerte dann nach Java. Hier gesellte sich noch Garcia Henriquez mit einem Schiffe und drei Dschunken zu ihm. Auf der weiteren Fahrt traf er ein von den Molukken kommendes javanisches Schiff, welches einen in spanischer Sprache ihm ausgestellten Paß von dort mitbrachte.
Da nun Brito wußte, daß Fernão de Magalhães in spanische Dienste gegangen war und von Kaiser Karl V. Schiffe bekommen hatte, um auf dem westlichen Wege um Südamerika herum die Molukken zu erreichen (vgl. weiter unten 3. Buch, 3. Capitel), so schloß Brito mit Recht, daß spanische Schiffe wirklich den Weg bis zu den Gewürzinseln gefunden hätten. Seine Flotte wurde zwar durch einen Sturm auseinander gejagt, fand sich aber auf Banda wieder zusammen (Februar 1522). Hier schloß er mit dem Fürsten einen Handelsvertrag ab, indeß erlaubte derselbe nicht, daß die Portugiesen auf seinem Gebiete einen Wappenstein errichteten. Im Mai setzte er die Fahrt nach den Molukken weiter fort, züchtigte die Bewohner von Batjan für die Ermordung der Portugiesen und traf, als er bei Tidor vorüberfuhr, einen spanischen Factor Juan de Campos, welcher in der Meinung, die Ankömmlinge seien Spanier, arglos zu ihm herangekommen war. Vom Geschwader Magalhães’ hatten zwei Schiffe die Molukken in der That erreicht und waren von dem Radscha auf Tidor freundlich aufgenommen, während der Fürst von Ternate zu den Portugiesen hielt.
Nachdem die beiden spanischen Schiffe nach verschiedenen Richtungen hin die Gewürzinseln verlassen hatten, war Campos als Factor zurückgeblieben und nun aus Versehen in die Hände Brito’s gefallen, der ihn mit nach Ternate nahm. Serrão scheint damals nicht mehr am Leben gewesen zu sein. Auch der frühere Radscha war gestorben, und die Wittwe hatte für ihren minderjährigen Sohn, den Prinzen (Kaitjil) Taruwés (portugiesisch Cachil Daroës), einen Verwandten, als Mitregenten angenommen.
Der früher erhaltenen Zusage gemäß baute Brito eine Festung nahe der Stadt und nannte sie nach dem Tage der Grundsteinlegung am Johannistage S. João Bautista. Dann wurde ein weiterer Vertrag abgeschlossen über die Preise der Gewürze, wonach die Portugiesen für ein Bahar Gewürznelken 800 Reis in Geld, oder 1000 Reis (ein Milreis) in Waaren zu zahlen hatten. Indes gab dieser Vertrag bald zu allerlei Mißbrauch und Mißhelligkeiten Veranlassung. Andere Unruhen entstanden dadurch, daß Prinz Taruwés nach der Krone strebte und die Fürstin-Mutter verdächtigte, so daß diese sich genöthigt sah, nach Tidor zu entfliehen, während man ihren Sohn gefangen zurückbehielt. Daraus entstanden kriegerische Verwickelungen mit Tidor.