Pacheco kehrte für diesmal wieder um, um noch Beistand zu holen, stach aber im nächsten Jahre wieder in See in Begleitung einer Brigantine. Das Einlaufen in Baros wurde ihm durch mehrere feindliche Schiffe von Kambaja und von Sumatra verwehrt, und ein Sturm trennte seine beiden Schiffe von einander. Pacheco selbst ging wahrscheinlich unter. So kostete also der Versuch dem ersten Abenteurer, der das Geheimniß lüften wollte, das Leben. Aber damit waren die Unternehmungen keineswegs abgeschlossen. Als König Manuel davon hörte, gab er dem Gouverneur von Indien, Diogo Lopez, welcher die königlichen Briefe in Kalahat (Kalhat), an den Küsten Arabiens erhielt, den Auftrag, ein Geschwader von drei Schiffen zur Aufsuchung auszuschicken. Zuerst sollte Christovão de Menezes die Führung übernehmen, dann wurde Pedro Eanes damit betraut. Die drei Schiffe bildeten aber einen Theil der Flotte, welche unter Jorge Albuquerque nach Malaka bestimmt waren. Als man jedoch zu diesem vielumstrittenen Hafen kam, konnte man dort die Schiffe nicht entbehren, weil der kleine Seekrieg mit den Nachbaren fast ununterbrochen fortging, und so unterblieb noch bei Lebzeiten Manuels eine weitere Expedition.

Dagegen gingen 1527 unter Leitung eines portugiesischen Piloten drei Schiffe von Dieppe aus, um als Freibeuter das indische Meer zu durchstreifen. Zwei Schiffe kamen nach Diu, ein drittes, welches schon am Cap der guten Hoffnung von den anderen getrennt war, segelte aufs Gerathewohl, ohne den Weg zu kennen, weiter und gerieth an die Küste von Sumatra. Von hier aus forschte er nach der Goldinsel, wo der ganze Strand, Kies und Sand, aus purem Golde bestehen sollte. Dieselbe wurde als ein üppiges Land geschildert, mit schönen Bäumen und klaren Wasserbächen und mit vielerlei wohlschmeckenden Früchten. Das nackte, wilde Volk kleidete sich nur mit Baumblättern, zeigte sich aber den Fremden gegenüber freundlich. Händler aus Sumatra erzählten später in Malaka, das Schiff habe die Goldinsel wirklich gefunden, sich mit Gold beladen und sei dann wieder abgesegelt, habe aber, der Meere unkundig, vielfach umhergeworfen, an der Küste von Sumatra Schiffbruch gelitten und alle Mannschaft verloren. Die dortigen Fischer hätten das Gold an sich genommen.[138] Dadurch schien also die Existenz dieser Inseln außer Frage gestellt. Und so schickte denn der Generalgouverneur Martim Affonso de Sousa im Jahre 1543 wieder eine Galee mit zwei Fusten aus, im Meere westlich von Sumatra nach der Goldinsel auszuspähen. Jeronimo de Figueiredo wollte zu dem Zweck von Goa ausgehen, aber das Unternehmen scheiterte bereits vor Beginn, infolge einer Intrigue.[139] Die Lage der Insel glaubte man ziemlich sicher ansetzen zu können. Man wird darum auch nicht vergebens suchen, wenn man auf den älteren Karten nach der Lage der Goldinsel forscht. Ortelius führt in seinem Theatrum Orbis[140] westlich von Sumatra sowohl Isole d’or, als isolas d’oure an. Im Atlas Mercators, 1613, lesen wir in derselben Gegend Andramania id est aurea insula. Und Willem Blaeu führt in seinem Kartenwerke 1634, ebenso wie Hend. Hondius die Insel „de Ouro“ an drei verschiedenen Stellen westlich von Sumatra an. Wenn man nun später auch etwas mehr Zweifel hegen mochte, so haben sich diese Fabelinseln doch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten. Eine von Homanns Erben 1748 veröffentlichte Karte unter dem Titel Cartes des Indes orientales führt auf der Linie von den Malediven nach Nord-Sumatra wiederum noch an drei Stellen die Inseln auf mit den Inschriften: 1) Ouro, juxta Anglos, positionis et existentiae incertae (südlich von Ceylon); 2) Iae ouro s. auri, juxta Batavos, pariter incertae; 3) Ouro, juxta Batavos.

Man erkennt auch hier wieder, daß Fabelwesen ein außerordentlich zähes Leben haben.

Daß man sich aber nicht blos unter den seefahrenden Nationen lebhaft mit diesen Inseln beschäftigte, beweist ein Brief, welcher (ohne Datum) an den Kurfürsten August von Sachsen gerichtet ist und folgendermaßen lautet: Es sind wahrhaftige (?) Zeitungen gekommen in kurzen Tagen aus Spania, wie daß der König habe eine neue Insel gefunden, Serieff, darin liegt nichts als lauter gediegen Gold, man hat zwei Gefangene aus den Königen allenthalben umhergeschickt, wer mit ihnen reden könnte, aber keinen gefunden, der sie hat verstehen können, vermeinend, man wolle viel erfahren durch sie, wie es um ihre Insel stehe. Sie sind aber bald gestorben. Der König hat wieder drei Schiffe verordnet, wie sie zu der Insel hinzufahren und zu besichtigen, wie sie zu gewinnen und zu erobern sei, nachfolgends will er erst ein Volk darauf verordnen. Er ist entschlossen, sie alle todt schlagen zu lassen, denn er könnte die Insel sonst vor ihnen nicht behalten, denn es ist ein rauhes, hartes und fahriges Volk.[141]

Wie alle solche Phantome, so wechselten auch diese Inseln ihre Stelle. Sie flackerten wie Irrlichter durch den großen Inselarchipel, tauchten einmal südlich von Timor auf und verloren sich schließlich in dem weiten fast insellosen Raum des nördlichen großen Oceans.

Es war am Ende des 16. Jahrhunderts, als Schiffer von der Insel Solor, nordwestlich von der Insel Timor, ins südliche Meer verschlagen wurden, und nun erzählten, sie hätten die Goldinsel gefunden. Als man dann zum zweitenmale die Entdeckung ausbeuten wollte, war das goldene Eiland nicht wieder zu finden. Aber die Kunde davon kam nach Malaka, wo damals Manoel Godinho de Eredia weilte, ein portugiesischer Mestize, welcher 1563 in Malaka geboren war und, nachdem er eine kurze Zeit dem Jesuitenorden angehört hatte, sich mit Kosmographie beschäftigte. Zuerst im Jahre 1594 schlug er vor, eine Expedition nach den langgesuchten Inseln auszurüsten und schrieb zu dem Zweck auch eine besondere Abhandlung.[142] Aber leider wurde der Plan zerstört, da zwei Jahre später Cornelis Houtman mit einer holländischen Flotte bei Sumatra erschien. Als dann nach Beseitigung dieser Gefahr für Malaka Godinho wieder Zurüstungen machte, wurde seine Vaterstadt 1601 zum zweitenmale von dem Holländer Jacob van Heemskerk angegriffen und Godinho wieder abgehalten, die Schätze der Goldinsel zu heben. Somit unterblieb der Zug überhaupt.[143]

Als dann kurz darauf die Holländer sich auf den Molukken und auf Java festsetzten, traten sie auch die Erbschaft bezüglich der Goldinseln an. Es war im Jahre 1635, als ein Beamter der holländischen Handelscompagnie, Willem Verstegen, dem holländischen Generalgouverneur Henricq Brouwer, dem Vorgänger des berühmten Antonio van Diemen, eine Schrift überreichte, worin er den Vorschlag machte, die Gold- und Silberinsel, welche östlich von Japan im großen Ocean unter 37½° nördl. Breite liegen sollte, für Holland in Besitz nehmen zu lassen. Brouwer mußte, da er 1636 abberufen wurde, die Ausführung seinem Nachfolger überlassen. Dieser war aber in den ersten Jahren durch wichtigere Angelegenheiten gegen seinen Willen (tegen ons gemoet) abgehalten, obwohl er die Wichtigkeit eines solchen Zuges nicht unterschätzte, und konnte erst 1639 zwei Schiffe unter dem Commandeur Matthys Quast aussenden mit dem Befehl, unter dem angegebenen Breitenparallel vierhundert Meilen nach Osten zu steuern, um die reichen Inseln aufzusuchen. Aber die ziemlich unglückliche Fahrt blieb resultatlos, da die Schiffe nur bis zu den Bonininseln kamen, welche südöstlich von Japan zwischen dem 20. und 30. Breitengrade liegen. Darum mußte der Versuch 1643 wiederholt werden. Wiederum sandte van Diemen zwei Fahrzeuge unter Martin de Vries aus, welcher zuversichtlich die so oft vergeblich gesuchten Inseln zu finden hoffte, da man sichere Kunde von ihrer Existenz in der bezeichneten Gegend zu haben meinte; denn die spanischen Schiffe, welche seit Jahren zwischen Manila und Mexiko verkehrten, hatten seit 1610 oder 1611 die Inseln schon gesehen. Es sollten hohe Gebirgsinseln sein, welche über die Maßen gold- und silberreich und von einem hellfarbigen, freundlichen, civilisirten Volke bewohnt wären. Unzweifelhaft liegt diesen Mittheilungen eine dunkle Nachricht von den hohen Sandwichinseln zu Grunde, deren Lage aber erst durch J. Cook, auf seiner dritten Reise, 1778, bestimmt wurde.

Die beiden Schiffe des Capitän Vries wurden an der Küste von Japan von einander getrennt; beide unternahmen daher selbständig die Forschungsreise. Vries wußte genau, wohin er zu steuern hatte, denn er besaß sogar eine japanische Karte, auf welcher an der Ostseite der Goldinsel ein Fluß verzeichnet war, in dem er ankern konnte. Vries drang 460 Meilen weit von Japan gegen Osten vor, das andere Schiff kam sogar 500 Meilen weit, aber das gesuchte Land blieb verborgen, denn die Sandwichinseln liegen nicht in der Nähe des 37. Parallelkreises, sondern nahe dem nördlichen Wendekreise.[144]

So blieb also der gehoffte Erfolg aus und man gab weitere Unternehmungen auf; aber zur Erweiterung der Kenntniß von den östlichen Meeren hatten auch diese fruchtlosen Fahrten beigetragen.