Die Angaben und Vorschriften Toscanelli’s für eine westliche Fahrt zu den Gewürzländern waren so bestimmt und zuversichtlich gegeben, daß Columbus dieselben nur zu adoptiren brauchte. Und daß er sich in diesem Sinne ausgesprochen hat, läßt sich aus der darauf folgenden Antwort Toscanelli’s erkennen. Da sind keine Zweifel zu beseitigen, keine dunklen Punkte mehr aufzuhellen, keine Fragen zu beantworten. Columbus hat sich bereit erklärt, die Idee Toscanelli’s zu verwirklichen und dieser versichert noch einmal, der Weg sei ganz sicher und führe zum Ziel: „Ich lobe eure Absicht,“ schreibt der Physiker, „nach Westen zu fahren und ich bin überzeugt, wie ihr auf meiner Karte bereits gesehen habt, daß der Weg, den ihr nehmen wollt, nicht so schwierig ist, als man denkt; im Gegentheil der Weg nach jenen Gegenden, welche ich eingezeichnet habe, ist ganz sicher. Ihr würdet keine Bedenken haben, wenn ihr, wie ich, mit vielen Personen verkehrt hättet, welche in jenen Ländern gewesen sind, und seid gewiß, mächtige Könige anzutreffen, viele volkreiche wohlhabende Städte und Provinzen zu finden, welche an jeder Art Edelsteinen Ueberfluß haben; und es wird die Könige und Fürsten, welche in jenen entfernten Ländern herrschen, hoch erfreuen, wenn man ihnen einen Weg bahnt, um mit den Christen in Verbindung zu treten und sich von denselben in der katholischen Religion und in allen Wissenschaften, welche wir besitzen, unterrichten zu lassen. Deshalb und wegen vieler anderen Ursachen wundere ich mich nicht, daß ihr so viel Muth zeigt wie auch die ganze portugiesische Nation, in welcher es immer Männer gegeben hat, die sich in allen Unternehmungen auszeichnen.“

Zwei Momente sind in diesem Schreiben noch beachtenswerth, einmal die besondere Bedeutung der Fahrt für die Verbreitung des Glaubens, auf welche Columbus selbst möglicherweise in seinem Brief angespielt hatte und sodann die Anerkennung des portugiesischen Unternehmungsgeistes. Toscanelli weiß offenbar nicht, daß Columbus Italiener ist, er hält ihn vielmehr für einen Portugiesen, und dieser hat über seine Heimat und sein Vaterland keine Mittheilung gemacht.


Wahrscheinlich im Jahre 1483 trat Columbus zuerst mit seinem Plane hervor. Der König Johann II. forderte darüber das Gutachten einer Commission ein, welche aus den bedeutendsten Gelehrten, Diego Ortiz, Bischof von Ceuta und Beichtvater des Königs, so wie aus den beiden königlichen Aerzten Rodrigo und Joseph bestand. Aber diese Räthe nahmen, wie Barros erzählt[176] die Reden des Genuesen für eitle Prahlerei und erklärten das ganze Project für Träumerei, welche nur in den Berichten Marco Polo’s ihren Grund habe. Und da auch der König sah, daß Columbus ein höchst fantastischer Schwätzer sei, so schenkte er ihm keinen Glauben. Und als bald darauf seine Gemahlin starb, verließ Columbus 1484 Portugal für immer, um in Spanien sein Glück zu versuchen. Man hat das Urtheil der Commission scharf getadelt wegen der rücksichtslosen Abweisung eines Unternehmens, welches noch im Laufe des nächsten Decenniums mit Erfolg gekrönt zu sein schien. Allein man darf nicht vergessen, daß die portugiesischen Ziele bestimmt nach einer andern Richtung wiesen und daß, wenn auch das Südende Afrikas noch nicht entdeckt war, doch die Erforschungen des Weges nach Indien nicht wieder auf einem ganz andern Wege begonnen werden konnten, nachdem man bereits so manchen Erfolg zu verzeichnen gehabt hatte. Es würde die Mittel des Reiches zersplittert haben. Dazu hatten die portugiesischen Räthe im Grunde Recht, den geringen Abstand der Westküste Europas von der Ostküste Asiens zu leugnen; und es ist nicht abzusehen, was aus dem Geschwader des Columbus geworden wäre, wenn er die wirkliche Breite des Weltmeers bis zu den Gestaden Chinas hätte durchmessen müssen.

Das später ausgesprengte Gerücht, der König Johann habe heimlich ein Schiff zur Westfahrt abgesendet, um den Plan des Columbus auszuführen, entbehrt jedes historischen Glaubens.