Auch in Spanien fand Columbus anfangs keinen günstigen Boden, aber er harrte, da sich allmählich die Aussichten günstiger zu gestalten schienen, jahrelang aus, bis die Zeitverhältnisse die Erfüllung seiner heißesten Wünsche, denen er von nun an sein ganzes Leben widmete, gestatteten.
4. Columbus in Spanien.
Es ist ein beachtenswerther Umstand, daß wir kein Porträt von Columbus besitzen, welches erwiesenermaßen als getreu bezeichnet werden darf. Daher weichen die Bildnisse, welche es von dem Entdecker der neuen Welt gibt, so außerordentlich von einander ab. Vielleicht liegt die Ursache darin, daß Columbus nur wenige Jahre sich der höchsten Gunst erfreute und bei seinem Tode unter seinen Zeitgenossen fast vergessen schien. Wenn man indeß die Schilderungen der Mitlebenden prüft, werden die beigegebenen Porträts wohl als die annähernd getreuesten zu erachten sein. Columbus war von hoher und kräftiger Gestalt, aber nach der Eigenthümlichkeit seines Kopfes und seiner Farbe hätte man ihn eher für einen Nordländer als für einen Italiener halten sollen. In dem länglichen, gerötheten, mit Sommersprossen bedeckten Gesichte leuchteten ein Paar hellblaue Augen; auch sein Kopfhaar war röthlich, ergraute aber frühzeitig, weshalb man ihn in der Regel für älter hielt, als er wirklich war. Die älteste Charakteristik verdanken wir dem Italiener Angelo Trivigiano,[177] welcher 1507 die Reiseberichte veröffentlichte. In der deutschen Uebersetzung des Jobst Ruchhamer vom Jahre 1508 lautet diese Darstellung, welche uns zugleich in die Unternehmung des Columbus einführen soll, folgendermaßen:
Hie anhebet das vierde Buch, Vnd ist von der schieffarthe des kuniges von Castilia, von Inseln vnd landen in kurtze erfunden. Das lxxxiiij Capitel, wie der kunige von Hispania rüstet, oder beraythe zway schieffe, dem Christoffel Dawber[178] von Jenua zu faren gegem nidergang.
DIser Christoffel Dawber von Jenua was ein man̄e lang vnd gerade, was grosser vernunfft, hette ein lang angesicht, nachuolgte vnd anhienge lange zeythe den Allerdurchleuchtigsten kunigen von Hispania, an alle orthe vnd ende so sie hin raysten, begerthe, das sie ime solten helffen zurüsten vnd belastigen etwan ein Schieffe, erbothe sich, er wölte finden gegen dem nidergange Inseln, anstossende an India, daselbstdann̄ die mennge der Edlen gestaynen, vnd Spezereyen, vnd auch des goldes, welches man leychtlich möchte vberkummen, der Kunig vnd Kunigin, vnd auch alle die vorgeensten in Hispania, hetten lange zeyte ein spyle, oder kurtzweyl an diesem furnemen dises Christoffels, vnd zu letzste nach siben jaren oder vber siben jare, vnd nach seynem manigualtigen begeren, bitten, vnd anlangen, wurden sie zu gefallen seynem willen, vnd rusten ime ein Naue, das ist, ein großses schieffe, vnd zway Grauele, mit welcher er hinweg fure von Hispania, vnd also anfienge sein rayse oder schieffarthe, vmb die ersten tage des Septeēber, das ist, des Herbstmondes, im MCCCCxCij Jare. —[179]
Am Schluß der originellen Uebersetzung steht: Also hat ein endte dieses Büchlein, welches auß wellischer sprach in die dewtschen gebrachte vnd gemachte ist worden, durch den wirdigē vnd hochgelarthen Herrn̄ Jobsten Ruchamer der freyen Künste, vnd artzenneien Doctorn̄ etc. Vnd durch mich Georgen Stüchßen zu Nüreinbergk, Gedrückte vnd volendte nach Christi vnsers lieben Herren geburdte. M.ccccc.viij Jare, am Mittwoch sancthi Mathei, des heiligen apostels abenthe, der do was der zweyntzigiste Tage des Monadts Septembris.
Columbus ging nach Südspanien. Hier gelang es ihm, einflußreiche Gönner zu finden, unter denen namentlich der Herzog von Medinaceli sich seiner annahm und ihn fast zwei Jahre lang als Gast in seinem Hause beherbergte, damit derselbe nicht, wie er beabsichtigte, nach Frankreich gehe, um dort dem Könige sein Project anzubieten.[180]
Angebliches Porträt von Christoph Columbus.
(Madrid, Marine Ministerium.)