Im Januar des Jahres 1486 erhielt er durch die Vermittlung des Cardinalbischofs Mendoza von Toledo bei der Königin Isabella Audienz, wurde, nachdem er seinen Plan vorgelegt, in das königliche Gefolge aufgenommen und erhielt dessen Freiheiten und Auslösung. Er war damit in den Dienst der spanischen Krone getreten. Aus den Jahren 1487 und 1488 haben sich mehrere Belege der kleinen Unterstützungen erhalten, welche Columbus aus der königlichen Kasse erhielt, und welche in den einzelnen Posten höchstens 10 Ducaten betrugen.[181]

Man hatte zwar von dem Vorhaben des Columbus im allgemeinen eine günstige Meinung, wollte aber zuvor das Urtheil der Gelehrten hören und wies ihn daher an die Universität von Salamanca. Hier hatte Columbus einen schlimmen Stand; denn er berief sich nicht blos auf seine kosmographischen Autoritäten, sondern glaubte vor dem Rath der gelehrten Geistlichen auch mit falschverstandenen Bibelsprüchen kämpfen zu können und legte von sich und seinem Beruf eine so eigenthümliche schwärmerische Meinung an den Tag, daß die Mehrzahl der Richter sich nicht für ihn erklären konnte.

Angebliches Porträt von Christoph Columbus.

(Madrid, National-Bibliothek.)

Die Art seines Auftretens läßt sich am besten aus den brieflichen Mittheilungen erkennen, welche Columbus später bei verschiedenen Gelegenheiten selbst gegeben hat.

„Ich habe mit wissenschaftlichen Männern, Geistlichen und Weltlichen, Lateinern und Griechen, Juden und Mauren und vielen anderen verkehrt. Dazu gab mir der Herr den Geist der Erkenntniß. In der Schifffahrtskunde gab er reiche Fülle; von der Sternkunde gab er mir, was ich brauchte und auch von der Geometrie und Arithmetik. In dieser Zeit habe ich alle Arten von Schriften studirt: Geschichtswerke, Chroniken, Philosophie und andere Wissenschaften.“[182]

„Die heilige Trinität,“ schreibt Columbus bei einer andern Gelegenheit,[183] „bewog Ew. Maj. zu dem Unternehmen nach Indien und durch ihre unendliche Gnade wählte sie mich, um es Ihnen zu verkündigen. Deshalb kam ich als ihr (der Trinität) Botschafter zu Ew. Maj., wie zu den mächtigsten Fürsten der Christenheit, welche sich im Glauben übten und so viel für seine Verbreitung thaten. Trotz alles Ungemachs, welches mir widerfuhr, war ich gewiß, daß meine Unternehmung gelingen werde, und beharrte bei dieser Ansicht, weil alles vergehen wird, ausgenommen das Wort Gottes. Und in der That, Gott spricht so klar von diesen Gegenden durch den Mund des Jesaias an mehreren Stellen der heiligen Schrift, wenn er versichert, daß von Spanien aus sein heiliger Name solle verbreitet werden.“[184]

In der Colombinischen Bibliothek zu Sevilla wird noch die handschriftliche Correspondenz des Columbus mit dem Pater Gorricio, einem Karthäuser aus dem Kloster Sa. Maria de las Cuevas zu Sevilla aufbewahrt, welche eine Menge Texte des alten und neuen Testamentes enthält, die sich auf die Entdeckung der neuen Welt beziehen sollen, sowie verschiedene Aussprüche der Kirchenväter und Classiker. Diese letzteren sind aus Aristoteles, Plinius, Seneca u. a. von Gorricio excerpirt in der besondern Absicht, von Columbus verwendet zu werden.[185] Unter diesen ist besonders berühmt und viel genannt worden die prophetische Stelle aus der Tragödie Medea von Seneca: