Ich bin bei dir ... mein König Zedekia.
ZEDEKIA (nach ihm ins Leere tastend):
Wo bist du? Ich fühle dich nicht!
JEREMIAS:
Zu deinen Füßen bin ich, dein Diener und dein Knecht.
ZEDEKIA (zitternd):
Nicht höhne mich vor dem Volke, nicht beuge dich dem Gebeugten! Das Salböl ward zu Blut auf meiner Stirne und meine Krone zum Staube.
JEREMIAS:
Doch des Leidens König bist du geworden, und nie warst du mehr königlich! Zedekia, mein Herr und König, starr stand ich vor dir, da die Macht in dir war und die Stärke, doch dem Gebeugten Gottes beuge ich mich, des Leidens niederster Knecht. Der Erste hast du getrunken den Kelch unserer Bitternis, der Erste wärest du des Duldens, so mögest du der Erste sein unseres Volkes in alle Ewigkeit und seiner Erlösung Anbeginn. Oh, du König der Leiden, Gesalbter der Prüfung, Israels Herr, erheb deine Stirne, daß sie uns glänze, führe, der du Gott nur schauest und nicht mehr die Erde, führe, führe dein Volk!
JEREMIAS (aufstehend, zum Volke):