Als sie den Bischof im Kloster erscheinen sah, sagte Celia zu Fabiana: „Wir sind verloren. Dieser fanatische Prälat, der um jeden Preis die Reform des Konzils von Trient in den Klostern seiner Diözese einführen will, wird sich ganz anders zu uns verhalten, als der Graf Buondelmonte.“

Fabiana warf sich weinend in Celias Arme: „Der Tod macht mir nichts, aber ich werde doppelt verzweifelt sterben, weil ich dich ins Verderben gestürzt 153habe, ohne damit das Leben dieser unglücklichen Äbtissin zu retten.“

Sogleich begab sich Fabiana in die Zelle der Nonne, welche an diesem Abend die Torwache hatte. Ohne sich auf die Einzelheiten einzulassen, sagte sie ihr, daß es Ehre und Leben Martonas zu retten gelte, welche die Unvorsichtigkeit begangen habe, einen Mann in ihrer Zelle zu empfangen. Nach vielen Schwierigkeiten willigte die Nonne ein, etwas nach elf Uhr abends die Tür offen zu lassen und sich einen Augenblick zu entfernen.

Während dieser Zeit hatte Celia Martona sagen lassen, sie möge sich in den Chor begeben. Das war ein Saal wie eine zweite Kirche, die nur durch ein Gitter von der dem Volke zugänglichen getrennt war; sie hatte mehr als vierzig Fuß Höhe. Martona hatte sich in der Mitte des Chors niedergekniet, so daß niemand hören konnte, wenn sie leise sprach. Celia begab sich an ihre Seite.

„Hier“ — sagte sie ihr — „ist eine Börse, die alles Geld enthält, das Fabiana und ich finden konnten. Heute abend oder morgen abend werde ich es ermöglichen, daß die Türe des Klosters einen Augenblick offen bleibt. Laß Giuliano entschlüpfen und du rette dich bald danach. Sei gewiß, daß die Äbtissin dem schrecklichen Bischof alles gesagt hat und daß sein Gerichtshof dich ohne Zweifel zu fünfzehn Jahren Kerker oder zum Tode verurteilen wird.“

Martona machte eine Bewegung, um sich Celia zu Füßen zu werfen.

„Was tust du, Unvorsichtige?“ rief diese, und es gelang ihr, die Bewegung aufzuhalten. „Bedenke, daß man Giuliano und dich in jedem Augenblick verhaften 154kann. Halte dich von jetzt an, bis zum Augenblick deiner Flucht, so versteckt wie möglich, und gib vor allem acht auf die Personen, die in das Sprechzimmer der Frau Äbtissin eintreten.“

Als der Graf am nächsten Morgen im Kloster eintraf, fand er vieles verändert vor. Martona, die Vertraute der Äbtissin war während der Nacht verschwunden; die Äbtissin war so geschwächt, daß sie genötigt war, sich in einem Lehnstuhl ins Sprechzimmer tragen zu lassen, um den Vikar des Fürsten zu empfangen. Sie gestand ihm, daß sie dem Bischof alles gesagt habe.

„In diesem Fall werden wir Blut oder Gift haben“, rief dieser aus.

Die erste Sorge des Vertreters des Fürsten war, das Wohl der jungen Felizia zu sichern. Graf Buondelmonte, der menschlich fühlte, konnte den Gedanken nicht ertragen, daß dieses schöne junge, ihm so zärtlich gesinnte Mädchen verdammt sein sollte, keinen andern Gemahl als einen verpesteten Kerker zu haben oder sogar Gift zu trinken. ‚Wie schade wäre es,‘ dachte er sich, ‚wenn Felizia wegen der gefährlichen Einfalt unsrer Äbtissin und wegen des Fanatismus dieses schrecklichen Bischofs ein Leben verlieren müßte, welches das Glück eines rechtschaffenen Mannes ausmachen könnte! Man muß um jeden Preis ein so gräßliches Los zu verhindern trachten.‘ Und er sann nach, wie er sie unter irgendeiner Verkleidung entfliehen lassen könnte.