Mitten in der Nacht drang einer von Vaninas Dienern plötzlich in das Zimmer. Ohne daß es Vanina geahnt, war auch er Karbonaro. Missirilli hatte also Geheimnisse vor ihr, sogar in derlei Nebensachen. Sie erbebte.

Der Mann meldete Pietro, daß in Forli in der Nacht die Häuser von neunzehn Karbonari umstellt worden seien. Im Augenblick, da die Verschwörer von der Venta heimkehrten, habe man sie verhaftet. Von den Überrumpelten hätten sich trotz alledem neun retten können. Zehn seien von den Karabinieri nach der Zitadelle abgeführt. Beim Betreten des Burghofes habe sich einer der Gefangenen in den tiefen Brunnen gestürzt. Er sei tot.

Vanina verlor völlig ihre Fassung. Zum Glück bemerkte es Pietro nicht; sonst hätte er ihr die Untat an den Augen abgelesen.

Der Diener berichtete einige weitere Einzelheiten. Die ganze Garnison von Forli sei alarmiert. Als er hinaus war, versank Missirilli in Nachdenken, aber nur ein paar Minuten.

»Im Augenblick ist nichts zu machen,« erklärte er.

Vanina war halbtot. Sie zitterte unter den Blicken des Geliebten.

»Was regt dich denn das so auf?« fragte er. Aber schon dachte er wieder an andre Dinge und sah Vanina nicht weiter an.

Gegen Mittag wagte sie ihm zu sagen:

»Schon wieder eine entdeckte Venta! Ich denke, du hast nun für eine Weile genug ...«

»Übergenug!« unterbrach er sie und lachte, daß es Vanina graute.