Vanina erfuhr das Urteil und dessen Umwandlung wenige Augenblicke, nachdem Monsignore Catanzara den Vatikan verlassen hatte.
Als er am Abend darauf gegen Mitternacht in seinen Palast zurückkam, war sein Kammerdiener nicht zur Stelle. Erstaunt klingelte Catanzara mehrmals. Endlich erschien ein alter gebrechlicher Lakai. Der Präsident verlor die Geduld und beschloß, sich selbst auszukleiden. Als der Diener hinaus war, verschloß er die Tür.
Es war sehr heiß. Er zog den Rock aus und warf ihn achtlos auf einen Stuhl, warf ihn aber mit solcher Wucht, daß er über den Stuhl hinwegflog, gegen den Musselinvorhang eines der Fenster. Da ward die Form eines hinter dem Vorhang stehenden Menschen erkennbar.
Monsignore stürzte nach dem Nachttisch und ergriff seine Pistole. Als er sich dem Fenster näherte, trat ein junger Mann in der Livree des Hauses hervor, ebenfalls eine Pistole in der Hand.
Catanzara erhob die seine und wollte losdrücken. Da rief ihm der junge Mann lachend zu:
»Monsignore, erkennen Sie Vanina Vanini nicht?«
»Was soll der schlechte Scherz?« fragte er zornig.
»Sprechen wir in aller Ruhe!« sagte die Principessa. »Übrigens ist Ihre Pistole entladen.«
Der betroffene Präsident überzeugte sich von der Tatsache. Dann zog er einen Dolch aus seiner Westentasche.
»Setzen wir uns, Monsignore!« schlug Vanina mit einer entzückend gebieterischen Gebärde vor und nahm ruhig auf einem Sofa Platz.