»Sind Sie wenigstens allein?« fragte der Polizeipräsident.

»Gänzlich allein! Das schwör' ich Ihnen,« rief Vanina.

Monsignore stellte dies genauestens fest, indem er im ganzen Zimmer herumging und alles durchsuchte. Darauf setzte er sich in einen Lehnstuhl, drei Schritte von Vanina entfernt.

Sie sagte im friedlichsten Tone:

»Welches Interesse könnte ich wohl haben, einem politisch maßvollen Manne nach dem Leben zu trachten, damit an seine Stelle höchstwahrscheinlich ein jähzorniger Schwachkopf träte, der imstande wäre, sich und die anderen zugrunde zu richten?«

»Was wollen Sie eigentlich, Principessa?« fragte Catanzara ärgerlich. »Die Geschichte paßt mir nicht. Sie hat schon lange genug gedauert.«

Hochmütig und ihre Grazie plötzlich verlassend, entgegnete ihm Vanina:

»Was ich noch zu sagen habe, ist für Sie wichtiger als für mich. Man will, daß der Karbonaro Missirilli mit dem Leben davonkommt. Wenn er hingerichtet wird, ist es binnen acht Tagen auch um Sie geschehen. Ich selbst habe keinerlei Interesse an der Sache. Die Torheit, die Ihnen unangenehm ist, begehe ich erstens zu meinem Vergnügen und zweitens, um einer meiner Freundinnen gefällig zu sein ...« Indem sie ihren früheren artigen Ton wieder annahm, fuhr sie fort: »Auch wollte ich einem klugen Manne einen Dienst erweisen, der demnächst mein Onkel wird und offenbar den Glanz seines Hauses noch strahlender machen kann.«

Der Polizeipräsident verlor seine ärgerliche Miene. Vaninas Schönheit trug zweifellos zu diesem plötzlichen Stimmungswechsel bei. Monsignore Catanzaras Vorliebe für hübsche Frauen war stadtbekannt, und in ihrer Maskerade als Lakai mit straffsitzenden seidenen Strümpfen, roter Weste und kokettem himmelblauen silberbetreßten Rocke, die Pistole in der Hand, sah Vanina verführerisch aus.

»Meine liebe Nichte in spe,« sagte Catanzara, fast lachend. »Sie begehen eine große Torheit. Es wird wohl nicht die letzte sein.«