Zwei Tage später, nach einem erdrückend heißen Tage, ging Senecé um Mitternacht auf dem Korso spazieren, um frische Luft zu schöpfen. Ganz Rom war auf den Beinen. Als er wieder in seinen Wagen steigen wollte, vermochte ihm sein Diener kaum zu antworten. Er war betrunken. Der Kutscher war verschwunden. Der Diener meldete ihm lallend, der Kutscher hätte einen Streit mit einem »Feinde« gehabt.

»Großartig! Mein Kutscher hat Feinde!« lachte der Chevalier und schickte sich an, zu Fuß nach Haus zu gehen.

Unterwegs, kaum zwei oder drei Straßen vom Korso weg, nahm er wahr, daß er verfolgt wurde. Drei, vier oder fünf Männer blieben jedesmal stehen, sobald er haltmachte. Wenn er weiterging, setzten auch sie ihren Weg fort.

»Ich könnte einen Bogen machen und auf einer andern Straße nach dem Korso zurückkehren,« überlegte sich Senecé. »Unsinn!« meinte er dann wieder. »Was stören mich diese Kerle? Ich bin ja bewaffnet.«

Er nahm den blanken Dolch in die Hand.

Mit diesen Gedanken schritt Senecé weiter, durch mehrere abgelegene Straßen, von denen eine immer einsamer war als die andere. Er hörte, daß die Männer hinter ihm schneller gingen. Er spähte nach vorwärts. Da bemerkte er gerade vor sich eine kleine Kirche, die den Franziskanermönchen gehörte. Seltsamer Schimmer leuchtete hinter den hohen Fenstern.

Senecé stürzte auf das Portal und pochte mit dem Holzknauf stark an die Tür. Die Männer, die ihm nachgegangen, waren fünfzig Schritt von ihm entfernt. Jetzt begannen sie auf ihn zuzulaufen. In diesem Augenblick öffnete ein Mönch die Tür. Senecé trat eilends in die Kirche. Der Mönch schlug die Tür rasch zu. Gleich darauf donnerten die Banditen mit den Füßen gegen die Türe.

»Gottlose Buben!« murmelte der Mönch.

Senecé gab ihm eine Zechine.

»Offenbar wollten sie mir ans Leben,« sagte er.