Die Kirche strahlte im Glanze von mindestens tausend Kerzen.

»Seltsam! Messe zu dieser Stunde?« fragte der Chevalier den Mönch.

»Zu Befehlen, Eccellenza! Mit besonderer Erlaubnis Seiner Eminenz des Herrn Kardinal-Vikar.«

Das Chor der kleinen Kirche – genannt San Francesco a Ripa – war auf das prächtigste zu einer Trauerfeier hergerichtet. Man sang die Totenmesse.

»Wer ist der Verstorbene?« erkundigte sich Senecé. »Ein Fürst?«

»Ich glaube,« antwortete der Priester. »Denn man hat nichts gespart. Wahrlich, das ist Geld- und Lichtverschwendung! Der Herr Pfarrer hat uns übrigens erzählt, der Entschlafene sei ohne das Sakrament gestorben.«

Senecé ging näher heran und erblickte ein Wappenschild von französischer Form. Seine Neugier steigerte sich. Er trat dicht an den aufgebahrten Sarg und erkannte sein eigenes Wappen und las die lateinische Inschrift:

NOBILIS HOMO
IOANNES NOBERTVS SENECE
EQVES
DECESSIT ROMAE
A. D. MDCCXXVI

Zu deutsch: Der edle Herr Johann Norbert Chevalier von Senecé, gestorben zu Rom im Jahre des Herrn 1726.

»So habe ich also den Vorzug, meiner eigenen Leichenfeier beizuwohnen,« sagte sich Senecé halblaut. »Bisher hat sich meines Wissens nur Kaiser Karl der Fünfte dieses Vergnügen geleistet. Mir scheint, hier weiter zu verweilen ist vom Übel.«