»Ich muß Sie vielmals um Entschuldigung bitten,« erklärte Vanina. »Meine törichte Neugier mag Ihnen sehr ärgerlich sein. Ich schwöre Ihnen Geheimhaltung, und wenn Sie es verlangen, komme ich niemals wieder her.«
»Wer sollte Ihren Anblick nicht als Glück empfinden?« erwiderte die Fremde. »Wohnen Sie hier im Palaste?«
»Gewiß!« antwortete Vanina. »Sie kennen mich also nicht! Ich bin Vanina, die Tochter des Hauses.«
Die Unbekannte machte ein erstauntes Gesicht und wurde rot.
»Gönnen Sie mir die Hoffnung, Sie alle Tage hier zu sehen,« sagte sie. »Nur möchte ich nicht, daß der Fürst von Ihren Besuchen erfährt.«
Vanina, die starkes Herzklopfen hatte, fand das Benehmen der Unbekannten vornehm. Gewiß hatte die arme junge Frau irgendeinen Machthaber beleidigt, oder vielleicht in einem Anfalle von Eifersucht ihren Liebhaber umgebracht. Einen gemeinen Grund hatte ihr Unglück sicherlich nicht.
Die Unbekannte gestand ihr, daß sie an der Schulter verwundet sei. Die Wunde reiche bis in die Brust und sei sehr schmerzhaft.
»Und Sie haben keinen Wundarzt?« rief Vanina aus.
»Wie Sie wissen, sind in Rom die Ärzte verpflichtet, der Polizei über alle Wunden, die sie behandeln, genau zu rapportieren. Der Fürst hat mir diesen Verband hier eigenhändig anzulegen geruht.«
Mit vollendetem Geschick vermied die Unbekannte jegliche Rührseligkeit. Vanina war toll verliebt. Etwas freilich störte die junge Prinzessin stark. Sie machte nämlich die Wahrnehmung, daß die Fremde einmal mitten in der doch so ernsten Unterhaltung Mühe hatte, eine plötzliche Lachlust zu unterdrücken.