„Das können Sie, Frau Gontrau.“

Dann ging sie nach einer sehr förmlichen Verbeugung vor Onkel Heinz.

Ilse ließ sich erschöpft in ihren Sessel sinken und schaute in schweren Gedanken vor sich hin.

Der Professor aber humpelte in großer Erregung hin und her.

„Schöne Geschichte das,“ rief er endlich, „bald weiß die ganze Stadt von diesem Klatsch, denn Fräulein Müller wird mit wahrer Wonne für Weiterverbreitung sorgen. Das ist was so recht nach ihrem Sinn.“

„Das glaube ich nicht,“ versetzte Ilse, „sie wird schweigen, weil ich sie darum gebeten habe. Sie waren unverzeihlich grob gegen sie, Onkel Heinz; aber viel Worte darüber zu verlieren hilft nichts. Was sollen wir tun?“

„Nun,“ nahm der alte Herr heftig das Wort, „dem Jungfräulein tüchtig den Kopf waschen und ihr für die Zukunft solche Streiche verleiden; mit dem jungen Menschen aber werde ich Abrechnung halten, das können Sie getrost mir überlassen, ich will's ihm ordentlich geben.“

„Und damit, glauben Sie, ist alles getan?“ fragte die Großmutter mit trübem Lächeln.

„Was wollen Sie denn noch mehr? Natürlich hat der junge Taugenichts allein schuld; wenn Sie's verlangen, Frau Ilse, will ich ihn lendenlahm prügeln — das hat er wahrlich verdient.“

„Onkel Heinz, Onkel Heinz! Da sieht man wieder, daß Sie ein einseitiger, unverbesserlicher Junggeselle sind, der von zarten Herzensangelegenheiten auch nicht das mindeste versteht.“