Der Professor hielt in seinem Auf- und Abhumpeln inne; solch ein Ausfall von Ilse Gontrau ärgerte ihn noch immer und trieb ihm trotz seiner mehr als siebzig Jahre das Blut in die Wangen.

„So,“ sagte er unwirsch, „Sie haben mit den Jahren noch immer nicht verlernt, heftig zu sein, Frau Ilse.“

„Und Sie haben die Jahre nicht klüger gemacht,“ versetzte sie hitzig. „Sehen Sie denn nicht ein, daß wir durch herrisches und rücksichtsloses Auftreten die Sache nur verschlimmern würden? Wenn Irma und der junge Mann sich lieben oder sich zu lieben einbilden, können einige Scheltworte von uns die Liebe nicht aus ihren Herzen reißen.“

„Da mögen Sie wohl recht haben,“ meinte Onkel Heinz, ziemlich abgekühlt. „Aber was wollen Sie denn tun?“

„Das weiß ich nicht. Zuerst und vor allen Dingen mit Irma sprechen und hören, was sie zu sagen hat.“

„Natürlich, und da sie nun wohl bald herunterkommen wird und Sie diese Unterredung nicht aufschieben werden, will ich gehen.“

„Das ist nicht nötig; Sie wissen nun alles, und ich kann mit Irma in Ihrem Beisein sprechen.“

„Nein, Frau Gontrau, bin ich auch nur ein alter, einseitiger, unverbesserlicher Junggeselle, soviel Takt und Verständnis besitze ich denn doch noch, um herauszufühlen, daß ein junges Mädchen eine derartige Beichte doch lieber Ihnen allein ablegt.“

Ilse reichte ihm die Hand.

„Verzeihen Sie,“ bat sie sanft, „ich war heftig und ungerecht, ich meinte es aber nicht böse.“