Er schaute sie unter seinen buschigen Brauen freundlich an, drückte fest ihre Hand und ging.
Einen Augenblick später steckte Irma ihr Köpfchen zur Tür herein.
„Ist sie fort?“ fragte sie mit schelmischem Ausdruck. „Was, und Onkel Heinz hat dich auch schon verlassen, Großmama? Weshalb ist er so früh fortgegangen?“
Sie erhielt keine Antwort, und als sie fröhlich näher trat, bemerkte sie, daß die Großmutter mit ernster, bekümmerter Miene nach ihr schaute.
„Was ist denn los?“ forschte sie, die alte Frau zärtlich umarmend; „hat das verschrobene Fräulein Müller etwas gesagt, was dich ärgert?“
Großmutter Ilse schlang ihre Arme um das junge Mädchen und zog es auf ihren Schoß.
„Irma,“ sagte sie ohne Umschweife, „du hast mich belogen, als ich dich neulich fragte, ob zwischen dir und dem Baron von Hochstein keinerlei Beziehungen beständen.“
Irma wurde totenbleich und wollte aufspringen, doch mit sanftem Zwang hielt die alte Dame sie zurück. Entsetzt schaute das junge Mädchen sie an und las auf dem geliebten alten Gesicht einen so schmerzlichen, traurigen Vorwurf, daß es plötzlich in leidenschaftliches Schluchzen ausbrach.
Ilse streichelte das blondgelockte Köpfchen, sprach aber kein Wort.
„Großmama,“ schluchzte Irma, „bist du mir böse?“