„Ich bin betrübt, Kindchen, weil du kein Vertrauen zu mir hattest. Erzähle mir nun alles.“

„Ich darf nicht,“ stammelte Irma, „er hat es mir verboten.“

„Wer?“

„Otto.“

„Dann hat er sehr unrecht gehandelt, aber da das Geheimnis nun doch herausgekommen ist, siehst du wohl ein, daß du dein Versprechen nicht halten kannst.“

„Aber woher weißt du's denn, Großmama? Hat Agnes es dir erzählt?“

„Agnes? Nein. Fräulein Müller hat dich mehrmals mit ihm gesehen.“

Irma bedeckte ihr Antlitz mit beiden Händen und weinte bitterlich.

„Siehst du nun ein, Kind,“ fuhr Ilse in mildem und doch festem Ton fort, „daß es das beste ist, mir zu vertrauen und alles zu erzählen? Vielleicht finde ich dann noch eine Entschuldigung für dich; beharrst du bei deinem Schweigen, so ist mir das unmöglich.“

Da verbarg Irma ihr Köpfchen in Großmamas Schoß und beichtete alles. Sie erzählte, wie schrecklich es ihr anfangs gewesen sei, so heimlich zu Werke zu gehen, wie Otto aber gesagt habe, das sei nötig, um seine Eltern allmählich zu gewinnen; wie angestrengt er nun arbeite und wie er ihr die Versicherung gegeben habe, daß bald alles zu gutem Ende kommen würde. Sie erhob Otto bis in den Himmel und konnte nicht unterlassen, ein bißchen auf Agnes zu sticheln, der sie es nicht verzeihen konnte, daß sie nicht das gleiche schrankenlose Vertrauen in den Baron von Hochstein setzte.