Als sie geendet hatte, schwieg die Großmutter eine Weile. In Gedanken versunken streichelte sie das goldschimmernde Haar ihrer Enkelin. Das legte sich Irma als ein günstiges Vorzeichen aus, und ein wenig ermutigt, fragte sie leise:
„Bist du sehr böse, Großmama?“
„Nein, mein Kind, aber du hast ein großes Unrecht getan; wie unpassend und unbesonnen du gehandelt hast, begreifst du bei deiner großen Jugend wohl selbst noch nicht, aber unter allen Umständen muß jetzt sofort ein Ende gemacht werden.“
„O, Großmama, ich sterbe, wenn ich ihn aufgeben muß.“
„Das brauchst du nicht, Kindchen, wenigstens nicht, wenn es sich herausstellt, daß er es ernst mit dir meint.“
„Wie kannst du nur daran zweifeln,“ schluchzte Irma, „er hat mir doch Beweise genug gegeben.“
„In meinen Augen noch nicht einen — aber wir werden ja sehen.“
„Was willst du denn tun?“ fragte angstvoll das junge Mädchen, das sich durch Ilses Ruhe immer beklommener fühlte. „Hast du die Absicht, an Papa und Mama zu schreiben?“
„Nein, Irma, denn dann würdest du dem Baron sofort entsagen müssen. Ich weiß nicht, ob es richtig ist, ihnen vorläufig die Sache noch zu verschweigen, aber ich habe Mitleid mit dir und will erst erforschen, was für eine Art Persönlichkeit dein Baron ist.“
„Du bist ein Engel, Großmama. Aber warum glaubst du, daß Mama so streng mit mir ins Gericht gehen würde? Sie ist eine Künstlerin und würde sich wohl in meine Lage hineinversetzen können.“