„Ja, gnädige Frau.“

„Für den Augenblick ist sie entschlossen, Ihnen ihr Jawort zu geben. Ist Ihre Liebe stark genug, um dasselbe jetzt nicht anzunehmen und sie zu hindern, daß sie etwas tut, was schlecht und ihrer nicht würdig ist?“

„Ja, gnädige Frau.“

Bewundernd drückte Ilse ihm die Hand.

„Ich wußte wohl, daß ich mich in Ihnen nicht getäuscht habe. Alles, was wir gesprochen haben, bleibt ein Geheimnis zwischen uns beiden. Es wird eine Zeit kommen, in der Irma ihr Unrecht einsieht.“

„Das glaube ich nicht, gnädige Frau, wage auch nicht, darauf zu hoffen. Ich werde Irma ewig lieben, weil ich nicht anders kann, weil ich gleich beim ersten Mal, als ich sie sah, fühlte, diese oder keine. Aber liebe ich sie auch noch so unendlich, mit mir spielen lasse ich nicht.“

Großmutter Gontrau zog sich, so bald sie wieder nach Hause gekommen war, ungesehen auf ihr Zimmer zurück. —

Zum Abend hatte Onkel Heinz die ganze Familie zu sich eingeladen; er wollte doch auch das Brautpaar durch eine Festlichkeit ehren. Schon seit Tagen hatte er mit Hansens Hilfe seine Zimmer ausgeräumt und die Leute, bei denen er wohnte, in Wut versetzt, weil er das ganze Haus von unterst zu oberst kehrte. In seinem Studierzimmer stand die große Tafel zum Abendessen gedeckt. Solche Unmengen hatte er von allem bestellt, daß seine Hauswirtin seufzend erklärte, es würde hinreichen, ein ganzes Regiment zu bewirten. Aber der alte Herr hatte sich nicht raten lassen.

Kalter Lendenbraten, zierlich geschnitten, mit Sülze belegt und von Petersilie eingefaßt, war zwischen Schüsseln mit Hühnern und Koteletts aufgestellt, die Beinchen und Knochen sauber in Papiermanschetten gesteckt; der polnische Salat wetteiferte in kunstreicher Anordnung und Farbenpracht mit den schönen gelben und rosa Torten. Knall-Bonbons in vergoldeten Hülsen, Schalen mit eingemachten Früchten, Puddings und Crêmes spiegelten sich wieder im Grün und Goldgelb der Rheinwein- und Champagnergläser. Das Allerschönste und Kunstvollste aber war das Mittelstück, ein hoher, aus Mandelteig gebackener, von einer sinnbildlichen Darstellung aus Zucker gekrönter Tempel.

Am Kamin stand, wie Soldaten in Reih und Glied, eine Batterie Flaschen, allerhand feine Marken. Die Sektflaschen mit ihren goldenen und silbernen Hälsen stellten die Offiziere inmitten der Gemeinen vor. Onkel Heinz' Schlafstube, der größte Raum der ganzen Wohnung, war in einen Tanzsaal verwandelt; alle Möbel waren entfernt und der Himmel weiß in welche Ecken und Winkel des Hauses gestopft worden. Er und Hans hatten schon die Nacht vorher in der guten Stube der Wirtsleute geschlafen. Um den Tanzsaal würdig auszustatten, hatte er Bänke und Diwans gemietet und längs den Wänden aufgestellt. Auch ein Klavier war herbeigeschafft worden, und da keiner der Gäste sich mit dem Ableiern der Tanzmusik abmühen sollte, erschien ein dünnes Menschlein, das für fünfzehn Mark den ganzen Abend aufspielen und schon während des Soupers etwas zum Besten geben sollte. Doch bevor sich dieser Künstler ans Klavier setzte, hatte der Professor ihn so mit allerhand guten Dingen vollgestopft und ihm so viel Burgunder zu trinken gegeben, daß es sehr fraglich war, ob er seine Aufgabe zur Zufriedenheit lösen würde.