„Vielleicht! Aber drei Talente in einer Familie, das ist wirklich genug. Ich würde es als eine schwere Bürde ansehen, wenn ich noch ein viertes vorstellen müßte.“
Agnes lachte. „Was für ein närrisches kleines Mädchen bist du, Irma! Aber sie hat recht, Maud. Es braucht doch nicht jede Frau etwas Besonderes zu sein.“
„Das habe ich auch nicht behauptet; Irma beachtet nur zu wenig, daß jetzt von den Frauen etwas anderes verlangt wird, wie in früheren Zeiten.“
„Ach was,“ rief Irma. „Onkel Heinz würde sagen, die Hauptsache ist bei einer Frau zu allen Zeiten, daß sie anmutig, sanft und lieb ist.“
„Das läßt sich alles vereinigen,“ versetzte Maud so ruhig, als hätte sie den Stich nicht verstanden; „eine geistig hochstehende Frau kann schön, anmutig und lieb sein, das paßt sehr gut zusammen.“
„Na, dann gratulier' ich deinem John, der kriegt ein vollkommenes Wesen,“ fuhr Irma gereizt fort, denn oft konnte sie Mauds etwas pedantische, überlegene Art zu sprechen, nicht ausstehen.
Die Amerikanerin zuckte die Achseln, und Agnes flüsterte Irma zu.
„Nun vergißt du ja Onkel Heinz' Behauptung, daß Liebsein das Anziehendste an einem jungen Mädchen ist.“
Schmollend verzog Irma ihr hübsches Mündchen, dann leuchtete es in ihren Zügen auf, und sie trat zu Maud.
„Ich war unartig,“ sagte sie, ihr die Hand reichend, „sei nur nicht böse.“