Während der ersten Wochen, die auf die Heimkehr der amerikanischen Familie folgten, herrschte in dem sonst so stillen Haushalt der Frau Gontrau fröhliches Leben und Treiben. Sie bestand darauf, ihre Kinder und Großkinder alle Tage zu sehen, und so wurden eine Menge kleiner Familienfeste gefeiert. Zuweilen nahm auch Tante Elisabeth daran teil, aber sie hatte viel zu tadeln und zu nörgeln. Sie stöhnte über Kälte, wenn die andern es vor Hitze kaum aushalten konnten, und war rauhes Wetter, so fand sie es drückend heiß. In spitzem Ton erklärte sie, daß ihr nichts daran gelegen sei, Besuche zu machen oder zu empfangen. Doch kamen die andern ohne sie zusammen, so fühlte sie sich verletzt und beklagte sich bitter, wenn eine Woche verging, ohne daß jemand aus der Familie sie besuchte. Es war schwer mit ihr umzugehen und ohne Zureden der Großmutter, die Mitleid mit ihr hatte und stets bemüht war, Tante Elisabeth freundlicher zu stimmen, würden sich die andern wenig um sie bekümmert haben.

Ein herrlicher Sommertag folgte dem andern und Holtens fingen an, von der Abreise zu reden. Die Zeit, die sie ihrer Familie widmen konnten, nahte dem Ende, und sie mußten nach München, wo sie sich für verschiedene Konzerte und Musikaufführungen verpflichtet hatten. Vor ihrem Scheiden wollte Großmama Gontrau noch gern ein Abschiedsfest geben, doch konnten sie sich nicht recht über die Art desselben einigen. Irma schlug eine „garden-party“ vor. Im Garten sollten lange Tafeln aufgeschlagen und auf dem großen Rasenplatz vor dem Hause gespeist werden. Das Eßzimmer ließe sich leicht ausräumen und in einen Tanzsaal verwandeln. Der Garten müsse am Abend glänzend illuminiert werden. Sie war sogar für ein Kostümfest; welch herrliche Wirkung würde das im Grünen mit den Papierlaternen und tausend kleinen Lämpchen machen.

Die andern aber lachten sie gründlich aus. Onkel Heinz fragte, wo die Herren wohl herkommen sollten? Außer Gustav und dem kleinen Karl gab es keine jungen Leute; er neckte sie so mit ihrem schönen Plan, daß sie sich erst beschämt zur Großmama setzte und dann ganz bös erklärte, Onkel Heinz solle etwas besseres vorschlagen.

„Ich schlage vor, daß wir gar nichts unternehmen. Wir haben in der letzten Zeit nichts getan als Feste gefeiert und gut gegessen. Ich meine, nun könnten wir wohl Schluß machen.“

Aber gegen diese Meinung erhob sich ein wahrer Sturm der Entrüstung von seiten des jungen Volkes. Onkel Heinz wurde von den Mädchen so in die Enge getrieben, daß er sich schließlich schuldig bekannte und untertänig gelobte, an jeder Festlichkeit teilzunehmen, wie verrückt sie auch sein möchte.

„Hört mal,“ nahm Ilse das Wort, „ich habe einen Plan. Aber erst muß ich euch erzählen, daß ich gestern einen Brief von meiner Jugendfreundin Flora Werner erhielt. Ruth, Marianne, erinnert ihr euch noch ihrer beiden Töchter Thusnelda und Hildegard?“

„Ja, Mama,“ versetzte Marianne. „Mir ist, Thusnelda hätte sich verlobt, als Fritz und ich nach San Franzisko abreisten.“

„Du hast ganz recht, sie war damals mit einem Kaufmann verlobt, ist aber nun schon seit zehn Jahren Witwe. Auch der alte Herr Werner ist gestorben, und Flora lebt bei ihrer Tochter.“

„Und Hildegard?“

„Die ist in Indien. Thusnelda hat drei Kinder, ihr ältester Sohn ist Offizier, der zweite Ingenieur, bewirtschaftet aber gegenwärtig die ausgedehnten Landgüter, die sein Großvater hinterließ; dann ist noch eine Tochter da in deinem Alter, Agnes.“