„Nein, nein, ein paar große Kremser, das ist gemütlicher.“

„Wie viele sind wir denn?“ zählte die Kleine. „Tante Marianne und Onkel Fritz; ihr drei Kinder, Großmama, Papa, Mama, Gustav und ich, Onkel Heinz, die drei Gäste, das macht vierzehn Personen.“

„Und Tante Elisabeth?“

„Nein, ach bitte, die nicht,“ riefen die Kinder. „Wenn die mitkommt, geht alles schief. Du wirst sehen, dann haben wir schlechtes Wetter und es passiert ein Unglück.“

„Welcher Unsinn! Ihr braucht euch nicht um sie zu kümmern. Onkel Heinz wird bei dieser Gelegenheit ihr Kavalier sein, nicht wahr?“

„Besten Dank,“ seufzte der Professor erschreckt; „das Frauenzimmer hat ein Gesicht, als ob sie beständig in eine Zitrone beißen würde; da kommen einem ja die Tränen in die Augen.“

Alle lachten, Frau Gontrau erklärte aber in entschiedenem Tone:

„Ich gebe die Landpartie und habe daher das Recht einzuladen, wen ich will. Tante Elisabeth kommt mit.“

Wenn Großmutter Ilse so energisch sprach, ließ sich kein Widerspruch hören. Ruth und Marianne gaben den Kindern einen Wink zu schweigen. Es wurde nicht mehr über Fräulein Müller gesprochen und alles, was auf die Landpartie Bezug hatte, weiter beraten.

Einige Tage darauf kamen die jungen Gäste an. Flora Werners ältester Großsohn, Ludwig Reicher, war ein schneidiger Offizier. Sein hübsches Gesicht mit dem keck aufgedrehten Schnurrbart hatte einen angenehmen Ausdruck. Es zeigte sich indessen bald, daß er nicht wenig von sich eingenommen war, und noch hatte Onkel Heinz keine Stunde in seiner Gesellschaft zugebracht, da nannte er ihn in Gegenwart der jungen Mädchen schon einen Affen in Uniform; diese aber erwiderten, daß man es dem alten Brummbären nie recht machen könne, und alle erklärten einmütig den Leutnant für einen sehr netten Menschen mit feinen Manieren, der sich höchst vorteilhaft einführte. Der zweite Bruder, Hans, war ganz anders. Kurz und breit von Gestalt, stach er gewaltig gegen den schlanken, zierlichen Leutnant ab. Sein Antlitz, mit der gebräunten Farbe, den grauen Augen, dem großen Munde und der gebogenen Nase war eher häßlich zu nennen; einem erfahreneren, scharfblickenden Auge aber erschien es viel intelligenter als das Antlitz des schönen Ludwig. Wenn dieser sprach, schwieg Hans meistens; er ließ sich von seinem Bruder völlig in den Schatten stellen, und in gewisser Hinsicht war ihm das sogar angenehm; denn er zeigte sich sehr verlegen und wurde zum großen Gaudium, besonders der Amerikanerinnen, bis über die Ohren rot, wenn jemand ihn unverhofft anredete. Vorzugsweise war das der Fall, wenn Irma die großen blauen Augen zu ihm aufschlug; und da das kleine, eitle Ding sofort merkte, daß es ihn in Verlegenheit setzte, machte es ausgiebig Gebrauch davon, um hinterher mit Agnes herzlich über „den Bauer“ zu lachen. Die Jüngste, nach ihrer Großmutter Flora getauft, war eine einfache, liebliche Erscheinung mit blonden Zöpfen, auch wohl ein wenig schüchtern und verlegen, aber so sanft und gretchenhaft in ihrem ganzen Wesen, daß jeder sich gleich zu ihr hingezogen fühlte.