„Aber dann wird aus unsrer Verlobung nichts!“ seufzte Irma, „deine Eltern werden nie ihre Einwilligung geben.“
Er nahm ihre kleinen Hände in die seinen und streichelte sie.
„Das werden sie sicher nicht, geliebte Irma, wenn wir sie ohne weiteres mit dem fait accompli überfallen und erschrecken. Ich muß sie ganz allmählich darauf vorbereiten, und dann werden sie ohne Zweifel nachgeben. Wir müssen warten, das ist alles, um was ich dich bitte. Hast du mich nicht so lieb, um etwas Geduld zu haben?“
„Aber meine Eltern und Großmama,“ stammelte Irma.
„Glaube mir, Liebling. Durch zu frühes Reden würden wir alles verderben. Wenn du mich liebst, so gelobe mir zu schweigen.“
Irma war sich innerlich bewußt, daß sie nicht recht tat, aber sie vermochte nicht, seinem heißen Drängen zu widerstehen; sie war von den äußeren blendenden Eigenschaften des jungen Barons so betört, daß sie ihm schließlich alles versprach, sogar ein Stelldichein in der nächsten Woche.
Solange sie bei ihm war, vergaß sie ihre Bedenken und gab sich dem Glück des Augenblicks hin, aber als sie allein nach der Stadt zurückkehrte, konnte sie sich eines Gefühls der Furcht und Beklommenheit nicht erwehren. Zum erstenmal in ihrem Leben tat sie etwas Heimliches, Unaufrichtiges, etwas, was die Ihrigen niemals gutheißen würden.
Heftig erschrak sie, als in der Nähe ihrer Wohnung Agnes plötzlich auf sie zutrat.
„Wo kommst du her, Irma? Ich war bei Großmama, die sagte mir, du hättest mich zu einem Spaziergang abholen wollen. Wie ein Hase lief ich nach Hause, dort hatte dich aber niemand gesehen.“
„Ich bin spazieren gegangen,“ murmelte Irma.