Sie wurde furchtbar rot, und Agnes schaute sie verwundert und forschend an.
„Allein?“ fragte sie. „Und du sagst Großmama, daß du mich abholen wolltest.“
„Ich ... ich bekam plötzlich Lust, allein zu gehen.“
„Wie komisch du bist! Was hast du? Was bedeutet das? Ich verstehe dich nicht.“
„Mach doch nicht so 'nen Sums daraus,“ rief Irma, in ihrer Verlegenheit plötzlich sehr reizbar werdend und nicht mehr wissend, wie sie sich herausziehen sollte. „Geht's dich was an, wenn ich mal allein spazieren gehen will? Dir hab' ich doch keine Rechenschaft abzulegen.“
„Aber Irma!“ sagte Agnes, im höchsten Grade erstaunt und gekränkt.
Schweigend schritten sie nebeneinander her. Agnes war zu entrüstet, um zu sprechen, aber als sie eine Weile später verstohlen nach ihrer Cousine schaute, sah sie, daß diese bebte und ihr die Augen voll Tränen standen. Sofort fühlte sie ihren Zorn schwinden.
„Irmachen,“ begann sie freundlich. „Sag mir doch, warum du so betrübt bist. Ich bin deine Freundin, mir kannst du vertrauen.“
Zum Glück befanden sie sich in einer stillen Straße, denn Irma konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.
„Ich kann nicht, Agnes,“ stammelte sie fast schluchzend, „frag mich nicht.“