„Ach, du lieber Augustin,
Alles ist weg, weg, weg!“
„Das war sehr hübsch,“ meinte Irma mit erzwungenem Lächeln, „ich sehe nur nicht ein, was dies Märchen mit mir oder Hans Reicher zu schaffen hat.“
„Dann bist du gerade so dumm wie die Prinzessin,“ versetzte der alte Herr trocken, sie von sich weg schiebend.
Agnes blickte Irma vielsagend an, aber an diesem Abend fand sie keine Gelegenheit, ihre Cousine allein zu sprechen.
Wußte Onkel Heinz am Ende gar, daß sie mit Otto von Hochstein im geheimen Briefe wechselte, ihn auch mitunter an einem vorher verabredeten Platze traf? Irma erbebte bei diesem Gedanken; sie fragte Agnes, was sie davon dächte, aber diese meinte, Onkel Heinz ahne nichts; denn wäre das der Fall, so würde er sicher mit der Großmama darüber gesprochen haben; er sei doch nicht der Mann, so etwas zu verschweigen. Nein, er zog nur seine Schlüsse aus Irmas Benehmen gegen Hans und aus dem, was er bei der bewußten Landpartie beobachtet hatte.
Trotzdem riet Agnes ihr, vorsichtig zu sein, und nahm gleichzeitig nochmals die Gelegenheit wahr, ihr das Unrecht vorzuhalten. Sie bemühte sich, Irma zu überzeugen, daß Otto es unmöglich gut mit ihr meinen könne, wenn er fortfuhr zu verlangen, daß sie ihre nächsten Angehörigen so hintergehen solle. Anfangs hatte er doch nur von einigen Wochen gesprochen, bis es so weit sein werde, daß sie ihrer Großmutter alles erzählen könne; nun waren bereits Monate ins Land gezogen, und noch immer gebot er ihr Schweigen.
Unter Tränen und Seufzen mußte Irma zugeben, daß die Cousine recht hätte; aber sie liebte Otto zu sehr, sie könnte nicht von ihm lassen, sie würde sterben, wenn alles aus sein müßte.
„Unsinn,“ wandte Agnes ein, „daß du großen Kummer haben würdest, will ich glauben, aber an so etwas stirbt man nicht.“
„Wie kannst du so reden? Versetz' dich doch an meine Stelle. Würdest du nicht sterben, wenn du Ludwig entsagen müßtest?“
„Nein. Ich würde sehr unglücklich sein; aber ich würde mich bemühen, daran zu denken, daß es noch so viele gibt, die mich lieben: Eltern, Geschwister, Freunde, und daß ich daher nicht das Recht hätte, mich so ganz und gar meinem Schmerz hinzugeben.“