„Ich kehre um, Irma, denn Baron von Hochstein kann jeden Augenblick erscheinen. Bei diesem Wetter hab' ich keine Lust, hier draußen auf dich zu warten. Ich geh' in die Konditorei von Bauer. Komm mir dahin nach, sobald du kannst.“
„Ja.“
„Wirst du's kurz machen?“
„Ja.“
„Und tapfer sein?“
„Ja.“
Agnes seufzte, gab ihrer Cousine einen Kuß und entfernte sich rasch, denn sie glaubte in der Ferne die hohe Gestalt Hochsteins zu erkennen. Nach einigen Minuten schaute sie sich um. Ein Gartenzaun entzog sie den Blicken der beiden, sie selbst aber konnte deutlich sehen, wie Irma und der Student unter einem Regenschirm zusammen weitergingen, bis sie im nahen Wäldchen verschwanden.
Bedrückten Gemüts begab Agnes sich in die Konditorei. Zum Glück waren keine Gäste dort. Sie setzte sich ans Fenster und bestellte Schokolade und Kuchen. Irma würde gewiß verfroren und betrübt ankommen und ein warmes Getränk ihr gut tun. Wenn sie jetzt nur tapfer war und fest blieb, dann nahm diese ganze elende Geschichte ein Ende. Agnes fühlte sich so zu sagen mitschuldig an dem Betrug, weil sie Schweigen gelobt hatte, und doch sah sie ein, daß sie ihr Wort nicht brechen durfte.
Während sie bei sich das für und wider überlegte, verging die Zeit. Sie sah nach der Uhr, eine halbe Stunde war schon verstrichen. Die Schokolade wurde kalt, sie wollte frische bestellen, wenn Irma kam. Himmel, wie lange dauerte das! Ob sie Abschied nahmen? Agnes fing an unruhig zu werden und stand im Begriff, sich nach dem Ort des Stelldicheins zu begeben. Da knarrte die Ladentür. Gott sei Dank, Irma trat ein mit strahlendem Gesicht, glühenden Wangen und glänzenden Augen. Agnes flog ihr entgegen.
„Ich brauche nicht zu fragen,“ rief sie, „alles ist gut?“