„Nein,“ fuhr Irma etwas nervös und gereizt fort. „Du brauchst dich nicht gleich zu ereifern. So rasch geht das nicht. Otto muß erst eine günstige Gelegenheit abwarten, seine Eltern vorzubereiten.“

„Himmel, Irma, was hat er dir denn wieder vorgeflunkert? Das ist ja immer die alte Leier.“

„Die alte Leier. Hör' mal, du hast selbst gesagt, daß du Otto unrecht getan hast; nun fängst du schon wieder an.“

„Ich höre,“ versetzte Agnes, mit einem Gesicht, auf dem Ungeduld und Entrüstung deutlich zu lesen standen.

„In drei, höchstens vier Monaten macht Otto sein Examen. Daß er durchkommt, ist sicher, er ist ja so klug. Seine Eltern werden riesig erfreut sein, denn in den ersten Semestern hat er viel gekneipt und gebummelt, aber wenig studiert. Wenn er durchkommt, kann er von seinen Eltern verlangen, was er will — dann will er ihnen alles sagen, und es unterliegt keinem Zweifel, daß sie ihre Einwilligung geben.“

„Und in der Zwischenzeit?“

„Bleibt alles natürlich, wie es ist. Was bedeuten drei bis vier Monate? Nun wir wissen, daß es nur noch so kurze Zeit dauert, wäre es doch mehr als dumm, alles durch zu frühe Veröffentlichung aufs Spiel zu setzen.“

Agnes sagte nichts. Sie stand auf und bezahlte, was sie verzehrt hatten. Dann setzte sie sich noch einmal, schwieg aber.

„Warum sagst du nichts?“ fragte Irma endlich mit bedrückter Miene.

„Ach, du lieber Augustin, alles ist weg, weg, weg,“ sang die andere.