„Agnes,“ rief Irma zornig, „du bist unausstehlich!“
„Bin ich? So? Na, dann wollen wir nur nach Hause gehen, mein armes, dummes Prinzeßchen.“
Die Kleine war sehr böse. Mit stolz erhobenem Haupte schritt sie neben ihrer Cousine her und sagte ihr sehr kühl Lebewohl, als sie an ihrer Wohnung angelangt waren.
Einige Tage später erhielt Frau Gontrau einen Brief von ihrem Großsohn Gustav von Holten, mit der Bitte, ihm Irma doch einige Wochen nach I. auf Besuch zu schicken. Er selbst wäre durch seine rege Berufstätigkeit viel von Hause fort und sein noch so wenig an das Stadtleben und die neue Umgebung gewöhntes Frauchen fühle sich ein bißchen einsam. Es wäre daher herrlich, wenn sie für eine Zeitlang Gesellschaft bekäme.
Das Blut stieg Irma in die Wangen, und ihre Augen glänzten vor Freude. Wie entzückend in I. auf Besuch zu sein und dort vielleicht Otto häufig zu begegnen!
„Möchtest du gerne hin, Kindchen?“ fragte Ilse.
„Ach, wie gern, Großmama! Aber dann bist du so allein!“
„O, das tut nichts, ich kann mich schon beschäftigen, und seit Müllers hier wohnen, habe ich ja immer Gesellschaft.“
„Das ist wahr. Agnes und Maud können dich alle Tage besuchen.“
„Gewiß, mein Liebling, und dann ist noch Onkel Heinz da, so wird mir's an Unterhaltung nicht fehlen. Ich glaube, daß es auch für dich heilsam ist, einmal in andre Umgebung zu kommen, Irma, denn du siehst in der letzten Zeit nicht gut aus; auch hast du dich überhaupt sehr verändert.“