„Aber Großmama,“ sagte die Kleine mit erzwungenem Lächeln und klopfendem Herzen.

Ilse streichelte das blonde Gelock ihrer Enkelin und küßte sie. „Du hast doch nichts, was dich bekümmert?“

„Gewiß nicht, Großmama; wie kommst du nur darauf?“

„Ich beobachte dich, mein Liebling, und finde, daß du oft so sonderbar bist. Weißt du, was ich mir einbildete?“

„Nein, wie sollte ich das wissen?“

„Daß der schöne Student, der auf unsrer Landpartie so aufmerksam gegen dich war, tieferen Eindruck auf dich gemacht hat, und daß du dich unglücklich fühlst, weil er seitdem nichts mehr von sich hören ließ.“

Im Zimmer herrschte Dämmerung, und Irmas Köpfchen lag an Ilses Schulter. So konnte die Großmama die Schamröte nicht sehen, welche die Wangen der Enkelin bedeckte, als diese zögernd erwiderte:

„Aber Großmama, wie hast du dir nur so was in deinen lieben, alten Kopf setzen können?“

„Nicht wahr, Kindchen? Sie haben mir bange gemacht, Onkel Heinz und deine Mama, die in jedem Brief fragte, ob ich nichts von jenem Baron gesehen habe; und dann, wie ich schon erwähnte, warst du mitunter so sonderbar; aber ich glaubte, wenn etwas derartiges wäre, würde mein Kind mir's doch sagen, denn nicht wahr, Irma, du hast Vertrauen zu mir und läßt mich an deiner Freude, wie an deinem Kummer teilnehmen?“

„Natürlich, Großmama.“