„Eine nette Begrüßung,“ meinte Irma lachend. „Komm aber wenigstens mal her und gib mir einen Kuß, und dann wollen wir das Fenster aufreißen, denn in diesem Rauch ersticken wir ja.“
„Wenn ein Luftzug hereinkommt, werden die Kohlen erst recht nicht anbrennen.“ Und sofort kehrte Flora zum Ofen zurück.
„Aber Kind, warum rufst du nicht das Mädchen?“
„Ach, Irma, ich getraue mich nicht. Vor ein paar Stunden brannte das Feuer ganz gut; ich habe vergessen danach zu sehen, und nun wage ich nicht, sie noch einmal zu bemühen. Sie würde böse werden, und ich hab' solche Angst vor ihr.“
„Wenn es das Wesen ist, das mir aufmachte, dann glaube ich dir's. Die sah ja aus wie ein Mann. Wie konntest du nur so ein Mädchen nehmen, Flora?“
„Ach, sprich nicht davon; wir sind zwei Monate verheiratet, und dies ist schon die Fünfte.“
„So? Wie kommt denn das?“
„Ich weiß es nicht,“ klagte Flora, immer noch das Feuer anblasend. „Ich glaube, ich verstehe nicht mit ihnen umzugehen. Die erste, die wir hatten, radelte leidenschaftlich und wollte nicht kochen; dann kam eine, die stahl wie ein Rabe, in zwei Tagen war das Wirtschaftsgeld alle, ohne daß ich es ausgegeben hätte; die dritte ging in einem meiner Kleider und mit meinem Hut spazieren; die vierte hatte eines Tages ihren Schatz und noch fünf oder sechs Soldaten in der Küche. Von dieser glaube ich, daß sie trinkt, denn sie flucht entsetzlich, und ich habe schreckliche Furcht vor ihr.“
„Und Gustav?“ fragte Irma, die trotz allem lachen mußte.
„Ach, du siehst doch wohl ein, daß ich ihm mit dieser häuslichen Misere nicht lästig fallen kann. Er findet es so wie so schon merkwürdig, alle Augenblicke ein andres Gesicht zu sehen. Der Haushalt und das Mädchen gehören doch zu meinem Wirkungskreis.“