Ein paar Tage später wurde sogar Gustav aus seiner behaglichen Gleichgültigkeit wachgerüttelt. Seine Frau war mit Irma spazieren gegangen. Als er nach Hause kam, stand ein Haufen Menschen vor der Türe der kleinen Villa, und über dem Dach schwebte eine dichte schwarze Rauchwolke.

„Es brennt,“ rief es von allen Seiten, und bei seinem Eintritt schlug ihm ein erstickender Qualm entgegen. Es war ein Schornsteinbrand, und in der Küche saß die gefürchtete Lisa mit dem Kopf auf dem Tisch und schnarchte, während eine geleerte Kognakflasche und ein Glas daneben deutlich erkennen ließen, woher sie so zur Unzeit ein Bedürfnis nach Ruhe überkommen hatte.

Fremde Leute drangen ins Haus; die Feuerwehr und die Polizei wurden alarmiert. Gustav war später außer Stande zu erzählen, wie alles sich zugetragen hatte; aber als Flora und Irma heimkehrten, fanden sie in der Küche eine fürchterliche Unordnung, und Lisa war von der heiligen Hermandad mit Sack und Pack aus dem Hause geschafft worden. Nur in höchst unzusammenhängender Weise vermochte Gustav ihnen das Geschehene zu erklären; dann standen sie alle drei und schauten sich bestürzt an, bis Flora endlich erleichtert aufatmete und Gott dankte, daß Lisa fort war, denn sie würde nie den Mut gefunden haben, ihr zu kündigen.

An diesem Mittag speisten sie in einem Restaurant und unterhielten sich köstlich. Am folgenden Morgen machten Irma und Flora die Betten und lachten sich über ihre Ungeschicklichkeit gegenseitig aus. Während ihnen bei ihrer ungewohnten Beschäftigung die Stunden im Fluge vergingen, waren sie ausgelassen lustig, wie zwei Kinder, die das Wirtschaften als Spiel betreiben, bis Gustav heimkehrte und ihnen erzählte, daß des Abends eine Anzahl Herren zum Musizieren kommen und zum Nachtessen bleiben würden.

Irma prustete los, aber Flora machte ein ganz entsetztes Gesicht.

„Männchen, wie konntest du sie heute einladen? Wir haben doch noch kein Mädchen, es ist unmöglich.“

„Daran hab' ich nicht gedacht,“ versetzte Gustav ganz geknickt. „Aber absagen kann ich nicht. Dr. Schweinfurt und der Direktor des Konservatoriums, Raabe, wollten so gern deine Bekanntschaft machen; sie bringen beide ihre Frauen mit.“

„Wie soll das nur werden?“

„Das weiß ich nicht, Kindchen, denke dir etwas Gescheites aus.“ Doch Flora war nicht erfinderisch. Hülflos schaute sie sich um, und das Weinen war ihr näher als das Lachen.

„Bist du ängstlich,“ rief Irma, „deshalb gleich den Kopf hängen zu lassen. Weißt du was, ich werde mich als Magd verkleiden, den Gästen aufmachen und sie bedienen. Das kann einen köstlichen Spaß geben. Wir wollen uns gleich an die Arbeit machen.“