Phot.: Andrae.

Aus vorgeschichtlicher Zeit haben sich keine Befestigungen gefunden, nur Grundmauern von Häusern, Feuerstätten und Kanälen. An der Ostseite führte man schon zu Anfang des 2. Jahrtausends Mauern auf, um die Stromfahrt zu beherrschen und das Ufer gegen die Erosion zu schützen. Diese Mauern befestigte Adadnirari I. in altassyrischer Zeit. Davon ist noch vieles erhalten. Auch legte man Landeplätze und Treppen am Ufer an. An der Nordostecke der Stadt lag der Assurtempel mit der Front nach Norden, und an der Nordwestecke der Palast Tukulti-Ninibs I. auf seiner ungeheuren Plattform.

In jungassyrischer Zeit baute Salmanassar III. im Westen und Südwesten eine äußere und eine innere senkrechte Mauer, auf denen je eine Fahrstraße hinlief. Blaugelbe und schwarzweiß glasierte Ziegel schmückten die Zinnen. Nach seiner Regierung, aber vor Sargon, verfiel die innere Mauer; an ihrer Stelle entstanden Wohnhäuser, und davor legte man eine niedrigere Mauer an.

In spätassyrischer Zeit führten Sargon und Sanherib noch mancherlei Verbesserungen aus. Die Achämeniden dagegen ließen die Befestigungen unverändert, und auch in der parthischen Zeit wurde nichts daran getan.

Aus der Zeit Salmanassars III. grub man sieben Tore aus. Jedes Tor flankierten zwei Türme; nach innen waren Wachtstuben, Rampen und Treppen, die zur Mauerzinne hinaufführten. Eines der Tore hieß Abul gurgurri, das Stadttor der Metallarbeiter; die übrigen sind bisher namenlos. Die Zapfen der gewaltigen Flügel des Gurgurritores, zylinderförmige Basaltblöcke, sind noch vorhanden. Verkohlte Zedernholzbalken lassen auf eine Feuersbrunst schließen. Zwei sargonitische Kalksteinblöcke an diesem Tor tragen Sanheribs Namen. Eine Bildsäule Salmanassars III., die im Gurgurritor stand, besitzt jetzt das Ottomanische Museum in Konstantinopel, eine andere, die den König auf seinem Throne sitzend darstellt, das Britische Museum. Beide sind in Lebensgröße.

Der ebenfalls ausgegrabene, offenere Zugang von Norden her, den man nicht als Tor bezeichnen kann, hieß Muschlal und wird schon Ende des 3. Jahrtausends auf Ziegelinschriften erwähnt. Adadnirari I. in altassyrischer Zeit ließ ihn erneuern; auch die jungassyrische Zeit unter Salmanassar III. kennt ihn. Unter Sanherib heißt es: „Der Palast Muschlal in der Stadt Assur“, und bei Assarhaddon: „Bît muslalu, das am Palast der Stadt Assur liegt, ließ ich aufs neue erbauen als Ein- und Ausgang“.

Straßen an der inneren Mauer stammen aus spätassyrischer Zeit; sie erinnern an die Straßen Pompejis und der heutigen Städte des Orients.

Professor Andrae beschreibt ausführlich alle Einzelfunde, die an den Mauern gemacht wurden, Ziegelkanäle, Straßen und Häuser, Abflußtrommeln, Poternen, Wehrgänge, Turmtreppen, Bastionen, emaillierte Terrakottareliefs, Kupferbecken, Konsolen, Haken und Pfeilspitzen aus Bronze, Gräber und Ziegel mit Inschriften, von denen folgende aus der Zeit Salmanassars III. als Probe angeführt sei: „Salmanassar, der König des Alls, König des Landes Assur, der Sohn des Assurnasirpal, des Königs des Landes Assur. Erobernd herrschte ich vom großen Meer beim Lande Amurru gegen Sonnenuntergang bis zum Meer beim Lande Kaldu, genannt Marratu (d. h. der Salzstrom). Da brach ich die Ruinen der früheren Festungsmauer meiner Stadt Assur nieder, die Tukulti-Ninib, Salmanassars Sohn, ehedem gebaut hatte; ich erreichte ihren Grund; von ihrem Fundament bis zu ihrer Brustwehr fügte und vollendete ich sie; prächtiger und gewaltiger als zuvor machte ich sie. Meine Tafeln und Urkunden brachte ich an. Ein zukünftiger Fürst soll ihre Ruinen wieder aufrichten und meinem Namen wieder seinen Platz einräumen, dann wird Assur seine Gebete erhören.“

Salmanassar gedachte also der kommenden Jahrtausende, die seinen Namen vergessen könnten. Dann sollten die Steine für ihn reden!